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Wärmewende: Heizen wir künftig mit Trinkwasser?

Klimafreundliche Wärme nutzen ohne zusätzliche Flächen oder umfangreiche Bauarbeiten? In Lüneburg ist jetzt eine der ersten deutschen Pilotanlagen zur Wärmegewinnung aus Trinkwasser in Betrieb gegangen. Das Projekt untersucht erstmals unter realen Betriebsbedingungen, ob sich die im Trinkwasser enthaltene Wärme sicher und effizient für die Wärmeversorgung nutzen lässt. Das wissenschaftlich begleitete Vorhaben solle wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Nutzung dieser bislang weitgehend unerschlossenen Energiequelle liefern, heißt es in einer Pressemittelung des Energieversorgers Avacon, der das Projekt initiiert hat.

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Insgesamt investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben rund eine halbe Million Euro in das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt. Weitere finanzielle Unterstützung kommt vom Bund.

Temperatur des Trinkwassers wird über Wärmepumpe angehoben

Technisch basiere die Anlage auf einem einfachen und sicheren Prinzip, hieß es weiter: Ein Teil des Trinkwassers wird über einen Bypass durch einen Wärmetauscher geführt, der dem Wasser einen geringen Teil seiner Wärmeenergie entzieht. Über einen separaten Zwischenkreislauf wird diese Energie an eine Wärmepumpe übertragen und auf ein für Heizung und Warmwasser nutzbares Temperaturniveau angehoben. Anschließend wird das abgekühlte Trinkwasser wieder in das Versorgungsnetz zurückgeführt.

Die Temperaturveränderung bleibt für Verbraucher praktisch nicht wahrnehmbar, versichert Avacon. Zudem sorgten geschlossene Kreisläufe, mehrstufige Sicherheitsmechanismen und eine kontinuierliche Überwachung dafür, dass die Trinkwasserqualität jederzeit vollständig geschützt bleibt.

Pilotanlage versorgt das Wasserwerk

Besonders an diesem Ansatz sei, dass weder zusätzliche Flächen, noch tiefe Eingriffe in den Untergrund oder aufwendige Neubauten erforderlich seien, wirbt das Unternehmen für sein Projekt. Dadurch könne vorhandene Infrastruktur doppelt genutzt und bislang ungenutzte Energie für die Wärmeversorgung erschlossen werden.

Die jetzt in Betrieb genommene Pilotanlage dient zunächst der Eigenversorgung des eigenen Wasserwerks, so der Energieversorger. Ziel sei es, belastbare Daten zur technischen Machbarkeit, Energieeffizienz und Betriebssicherheit zu gewinnen.

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Technik in Dänemark oder den Niederlanden bereits im Einsatz

Das Potenzial der Technologie ist laut Avacon erheblich: Würde bundesweit rund ein Drittel des Trinkwassers für die Wärmegewinnung genutzt und dabei um vier Grad Celsius abgekühlt, ließen sich jährlich etwa 7,3 Terawattstunden Wärmeenergie erschließen. Das entspricht rund 14 Prozent der heutigen Fernwärmenutzung privater Haushalte in Deutschland. Für die Hansestadt Lüneburg könnte die Technologie perspektivisch bis zu 25 Prozent des aktuellen Wärmebedarfs der zentralen Wärmeversorgung decken.

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Allerdings ist die Nutzung von Abwärme aus Trinkwasser derzeit nicht erlaubt. Daher sollen die im Pilotprojekt gewonnenen Erkenntnisse auch einen Beitrag zur Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen leisten. „Erfahrungen auch mit großen Anlagen aus Ländern wie Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden zeigen bereits, dass die Wärmegewinnung aus Trinkwasser technisch umsetzbar und hygienisch sicher betrieben werden kann“, so Avacon. Dort komme die Technologie teilweise bereits zur Versorgung ganzer Wärmenetze zum Einsatz.

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„Bestätigen sich die erhofften Ergebnisse, wäre dies eine weitere Option für eine nachhaltige und ressourcenschonende Wärmeversorgung in Städten und Gemeinden“, sagt Matthias Boxberger, CEO der Avacon AG. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der IWW Institut für Wasserforschung GmbH, der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften sowie der swb Services GmbH.