Die ersatzlose Streichung der 65-%-Regel für erneuerbare Heizenergie stößt bei Energieberatenden auf breite Ablehnung. 77 % beurteilen die im GMG-Entwurf geplante Maßnahme als mittelmäßig oder schlecht.
JordaanExams/peopleimages.com - stock.adobe.com
77 % der Energieberatenden beurteilen die geplante Abschaffung der 65-%-Regel für erneuerbare Heizenergie in den Paragrafen 71 und 72 des Gebäudeenergiegesetzes als mittelmäßig oder schlecht. Viele sehen darin eine Unterwanderung der Klimaschutzziele. Das zeigt eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Sirius Campus GmbH.
Kostenfalle und Verunsicherung befürchtet
Am häufigsten befürchten Energieberatende eine langfristige Kostenfalle für fossile Heizungsnutzer (70 %), Verunsicherung von Wohneigentümern und Immobilienbesitzern (61 %) sowie weniger Interesse an energetischen Sanierungen (43 %). Nur 21 % der Energieberatenden beurteilen die Abschaffung der 65-%-Regel als gut oder besser. Sie sehen darin keine Gefahr für den Absatz von Wärmepumpen und erkennen mehr Freiheit beim Heizungsaustausch.
Deutlich positiver als das geplante GMG wird die Zusammenarbeit mit Förder-Durchführern beurteilt. Der Förderservice durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) konnte sich seit 2023 von schlecht auf gut auf einer 5-stufigen Benotungsskala von sehr schlecht bis sehr gut deutlich verbessern. Der Service der Kreditanstalt für Wiederaufbau wird von Energieberatenden in diesem Jahr wie auch schon 2023 mit „gut“ beurteilt.
Sirius Campus
Höhere Förderungen für Gebäudehüllen gewünscht
Die derzeitigen Bundesförderungen für energetische Gebäudesanierungen werden von der Hälfte (52 %) der Energieberatenden als mittelmäßig oder schlecht beurteilt. Die andere Hälfte (45 %, Vorjahr: 50 %) findet die Förderungen mindestens gut. Vor allem Kontinuität in den Bundesförderungen (69 %) und höhere Fördersätze für Gebäudehüllen (60 %) wünschen sich Energieberatende als Verbesserungen.
„Durch sehr markante und emotionale Aussagen haben viele Energieberatende ihre große Enttäuschung über den GMG-Entwurf zum Ausdruck gebracht. Vor allem ganz konkrete Risiken durch Verfehlen der Klimaschutzziele, drohende EU-Strafen und Fehlentscheidungen beim Sanieren werden in den meist sachlichen Kommentaren hervorgehoben“, kommentiert Dr. Oliver Gaedeke, Geschäftsführer und Gründer der Sirius Campus GmbH, die Ergebnisse.
Endkunden sind dürftig informiert
Im Alltag erleben Energieberatende, dass zwei Drittel (63 %) ihrer Kunden schlecht informiert und orientierungslos sind. Auch die Risiken beim Einbau von Gas- und Ölheizungen sind 56 % der Kunden von Energieberatenden unbekannt.
„Die vielbeschworene Entscheidungsfreiheit benötigt entweder eine hohe Kompetenz oder regulierende Leitplanken, z. B. durch Pflichtberatungen oder Vorschriften. Da die Fachkompetenz in viele Haushalten fehlt und gleichzeitig die Leitplanken abgeschafft werden sollen, drohen massenhafte Fehlinvestitionen in fossile Heizungen“, gibt Dr. Gaedeke zu bedenken.
Sirius Campus
Anzahl der Energieberatungen steigt um 35 %
Für das Jahr 2025 berichten Energieberatende von im Durchschnitt 54 Durchführungen oder Mitwirkungen in Förderprogrammen beziehungsweise -projekten. Im Vergleich zu 2024 mit durchschnittlich 40 Beratungen pro Energieberatendem ist das eine Steigerung um 35 %. Nachfragebedingt ist die Fachberatung zum Energiesparen für das Haus-Wohneigentum (ca. 12,3 Mio.) viel häufiger als für die geringere Anzahl an kleinen und mittleren Unternehmen (ca. 3,2 Mio.), Wohneigentümergemeinschaften (ca. 440.000) oder Kommunen (ca. 10.000) durchgeführt worden. Sanierungen von Wohngebäuden werden am häufigsten mit BEG-Komplettförderungen und BEG-Einzelmaßnahmen sowie individuellen Sanierungsfahrplänen durch Energieberatende begleitet.
Der steigende Beratungsbedarf wird auch am konstant hohen Commitment für die eigene Tätigkeit der Energieberatenden deutlich. Drei Viertel (77 %) planen wahrscheinlich oder bestimmt noch in zwei Jahren als Energieberatende zu arbeiten. Fast zwei Drittel (63 %) planen ihre Tätigkeit weiter auszubauen.
Hohe Material- und Handwerkerpreise als größte Herausforderung
Die zwei größten Herausforderungen der Energieberatungsbranche werden bei hohen Material- und Handwerkerpreisen (75 %) sowie Konkurrenz durch automatisierte und preisgünstige Online-Energieberatungen (55 %) gesehen. Dagegen nimmt der wahrgenommene Handwerkermangel kontinuierlich ab. Nur noch ein Viertel (25 %) der Energieberatenden sehen hierin eine Herausforderung, vor zwei Jahren waren es noch 36 %.
„Monitor zur Energiewende – Perspektive der Energieberatenden“
Die Ergebnisse stammen aus der Sirius Campus Marktuntersuchung „Monitor zur Energiewende – Perspektive der Energieberatenden“, einer repräsentativen Befragung unter den Verbandsmitgliedern des Bundesverbands für unabhängige Energieberatende (GIH), des Deutschen Energieberatende-Netzwerks (DEN) und des Zentralverbands Deutscher Schornsteinfeger (ZDS). Diese jährliche Untersuchung wurde im März 2026 mit 726 Online-Interviews zum vierten Mal seit 2023 durchgeführt. ■
Sirius Campus / ml