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Schweiz: Bessere Stimmung in der Solarbranche trotz Marktstagnation

Im vergangenen Jahr war Katerstimmung in der Schweizer Solarbranche. Dies lag an zurückgehenden Aufträgen. Der Branchenverband Swissolar geht davon aus, dass der Zubau 2025 bei rund 1,5 Gigawatt lag. „Das wäre ein Rückgang um 15 Prozent“, sagt David Stickelberger, Senior Advisor Politik bei Swissolar, auf der diesjährigen Photovoltaiktagung in Bern. Nachdem die Solarinstallationen in den Jahren 2019 bis 2023 ein Wachstum von jeweils etwa 50 Prozent hingelegt haben und 2024 immer noch um zehn Prozent gewachsen sind, ist es seit Langem das erste Jahr des Rückgangs.

Die endgültigen Zahlen werden aber erst am 10. Juli dieses Jahres vorliegen. Doch eine Branchenumfrage zeigt, dass sich die Katerstimmung auflöst. Immerhin 13 Prozent der Mitgliedsunternehmen von Swissolar haben an der Umfrage teilgenommen. Ein Ergebnis: „Die Mitglieder sind etwas optimistischer als vor einem Jahr“, berichtet David Stickelberger mit Blick auf die Umsatzerwartungen der Unternehmen. „Weniger als die Hälfte rechnet mit einem Umsatzrückgang“, sagt er. Entsprechend schneller werden auch eingehende Aufträge abgearbeitet. Im Schnitt vergeht weniger als ein halbes Jahr vom Auftragseingang bis zur Installation der Anlage.

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Mehr Optimismus als im Vorjahr

Dabei wird aber auch klar: Eine Trendwende bei den Dachanlagen auf Einfamilienhäusern ist nicht in Sicht. Die Unternehmen rechnen auch in diesem Segment mit einem weiteren Auftragsrückgang. „Die Mehrheit sieht eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Die Branche ist aber etwas optimistischer als noch im vergangenen Jahr“, sagt David Stickelberger. „Es ist Licht am Horizont, aber noch nicht der große Durchbruch.“ Dennoch haben die meisten Firmen der Branche noch genügend Spielraum, um unternehmerisches Risiko abzudecken und Innovationen voranzubringen.

Speichernachfrage ist ungebrochen

Einen positiven Trend gibt es bei den Speicherinstallationen, bei Energiemanagern und bei der Elektromobilität. Die Erhöhung des Eigenverbrauchs und die intelligentere Nutzung des Stroms vor Ort stehen im Mittelpunkt. Damit setzt sich ein Trend fort, der schon seit Jahren in der Schweiz zu sehen ist. Immerhin haben die Schweizer Installateure die Speicherleistung in den vergangenen vier Jahren um 400 Prozent gesteigert, wie Matthias Egli, Geschäftsführer von Swissolar, den rund 1.100 Teilnehmern berichtet, die in den Kursaal nach Bern zur Tagung gekommen sind.

50.000 Kleinkraftwerke pro Jahr

Er betont aber auch, dass die Photovoltaik selbst mit dem Rückgang der Aufträge im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erreicht hat. Denn rund 17 Prozent des Stroms wurden in der Schweiz mit Solarmodulen erzeugt. Vor drei Jahren waren es noch zehn Prozent, wie Matthias Egli betont. „Das Jahr 2025 bleibt uns in Erinnerung. Aufträge wurden knapp, es wurden Stellen abgebaut, Unternehmen verschwanden. Doch die Branchenumfrage zeigt: Die Auftragslage stabilisiert sich“, sagt Egli. „Die Solarhandwerker bauen jedes Jahr 50.000 Kleinkraftwerke auf. Wir haben die Lösung mit Produktion, Speicherung und intelligentem Energiemanagement bereits entwickelt. Es gab noch nie eine Technologie, die in so kurzer Zeit so viel Leistung aufgebaut hat. Wir lehnen Kernkraftwerke entschieden ab, weil sie nicht ins neue Energiesystem passen. Ihr seid es, die in nur zwei Jahren die Erzeugungsleistung eines Atomkraftwerks gebaut haben“, sagt er zu den teilnehmenden Solarteuren und Dachhandwerkern.

Karte zeigt die aktuellen Einspeisetarife in der Schweiz

Tatsächlich sind die Aussichten in der Schweiz positiv. Zwar werden die Ausbauzahlen nach Prognosen von Swissolar in diesem und im nächsten Jahr auf dem Niveau von 2025 bleiben, wie Wieland Hinz, Leiter Markt und Politik bei Swissolar, erklärt. „Doch danach geht es wieder nach oben“, sagt er. Schon jetzt steigt die Nachfrage. Doch Wieland Hinz führt dies auf den Irankrieg zurück.

Neue Regeln für Gemeinschaftsanlagen

Ein Nadelöhr in der Schweiz ist der geringe Zubau auf der Freifläche. Die Eidgenossen bauen die Solaranlagen vornehmlich auf und an Gebäuden. Doch das ist auch eine Stärke. Denn so ist die Photovoltaik in der Schweiz schon im Gebäude und damit näher am Kunden dran.

Schweiz streicht Genehmigungspflicht für Solarfassaden

Die Regularien unterstützen das. „So wird die Nachfrage nach Solaranlagen mit einer Leistung zwischen 30 und 100 Kilowatt auf mittelgroßen Dächern derzeit größer“, weiß Wieland Hinz. Er sieht darin unter anderem ein Ergebnis der neuen Regularien für die gemeinschaftliche Nutzung von Solaranlagen, die zum Jahreswechsel in Kraft traten. „Neue Modelle wie die virtuellen Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch – ZEV – oder Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften sind ein Treiber und wir gehen davon aus, dass das zunimmt“, betont der Politik- und Marktchef von Swissolar. „Die Installationszahlen von Solarfassaden nehmen ebenfalls aufgrund der Bewilligungsfreiheit und der zusätzlichen Boni bei der Förderung zu.“

Flächenpotenzial vorhanden

Er sieht auch noch sehr viel Potenzial für neue Anlagen. „Es gibt immer wieder das Gerücht, die niedrig hängenden Früchte sind bereits ausgereizt und es kommen nur noch die schwierigen Dächer. Doch derzeit sind nur zehn Prozent der gut von der Sonne beschienenen Dächer ausgenutzt, ganz zu schweigen von den Fassaden. Da müssen wir viele Nullen nach dem Komma schreiben, um den Anteil der gut geeigneten Flächen zu beziffern.“

Alpine Solarparks laufen gut

Speicher reduzieren Netzbelastung

Auch Wieland Hinz weiß, dass Speicher derzeit ein Markttreiber sind. Immerhin verdoppelt sich die Nachfrage jedes Jahr und das wird ungebrochen weitergehen, prognostiziert er. Schließlich wird auch in der Schweiz kaum noch eine Solaranlage ohne Batterie gebaut und bestehende Systeme werden nachgerüstet. Hinz verweist dazu auf den Batteriemonitor, den Swissolar vor wenigen Wochen vorgestellt hat. Demnach optimieren die Speicher die Wirtschaftlichkeit der Solaranlagen. „Wenn Batterien flächendeckend installiert werden, können sie 80 Prozent der Netzbelastungen reduzieren“, betont Hinz. „Voraussetzung ist, dass es dynamische Tarife flächendeckend gibt. In dieser Hinsicht geht es derzeit noch eher etwas zäh vorwärts.“

Batteriemonitor zeigt wachsende Nachfrage nach Speichern in der Schweiz

Das ist ein dickes Brett, das der Verband bohren muss. „Die Neuregulierungen der Netze, damit das System funktioniert, sind eine kleinteilige Arbeit“, sagt Wieland Hinz mit Blick auf die für die kleine Schweiz üppige Anzahl von 620 Netzbetreibern, mit denen verhandelt werden muss.

Firmen sollten mehr ausbilden

Die positive Prognose spiegelt sich auch in der Fachkräftesituation wider. „Personal zu finden, war früher ein großes Problem. Im vergangenen Jahr entspannte sich diese Lage. Aber jetzt wird wieder mehr Personal gebraucht“, sagt David Stickelberger. Immerhin die Hälfte der Unternehmen sucht neue Projektingenieure und Installateure, und es ist weiterhin nicht einfach, Fachkräfte zu finden.

Hier muss die Solarbranche auch selbst mehr tun. Denn laut Branchenumfrage haben zum Start ins Ausbildungsjahr im August 2025 immerhin 29 Prozent der befragten Unternehmen eine Lehrstelle angeboten. Jetzt sind es nur noch 23 Prozent. „Das ist schade“, sagt David Stickelberger. Er appelliert an die Branche, wieder mehr selbst auszubilden. „Denn wir müssen jetzt die Fachkräfte ausbilden, die wir später brauchen“, betont er mit Blick auf den perspektivisch wieder wachsenden Markt. (su)