Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Fernwärme gilt als zentraler Baustein der kommunalen Wärmewende. Doch wer sein Netz ausbauen, dezentrale Einspeiser wie Solarthermie integrieren und gleichzeitig den Betrieb stabil halten will, braucht mehr als Erfahrungswerte. Er braucht belastbare Daten – und Werkzeuge, die daraus in Echtzeit Entscheidungsgrundlagen machen. Genau hier setzt ein Pilotprojekt an, das Trianel Digital Lab, Stadtwerke Tübingen und das Softwareunternehmen retoflow jetzt erfolgreich abgeschlossen haben.
Was getestet wurde – und warum es schwierig war
Sechs Monate lang stand das Fernwärmenetz im Tübinger Stadtteil Südstadt im Mittelpunkt. Das Netz ist kein Lehrbuchbeispiel: Es ist gewachsen, dezentral strukturiert und wird von mehreren Erzeugern gespeist. Genau diese Komplexität macht es zum realistischen Testfall für viele kommunale Versorger in Deutschland.
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Ziel war es, einen Digitalen Zwilling aufzubauen – ein rechenfähiges, virtuelles Abbild des physischen Netzes, das mit Live-Messdaten verknüpft ist. Das Modell sollte zeigen, ob es Temperaturverläufe im Netz zuverlässig berechnen und Optimierungspotenziale im Betrieb sichtbar machen kann.
Das Ergebnis: Es funktioniert – und das mit beachtlicher Präzision. Reale Temperaturverläufe lassen sich im Modell bereits mit hoher Genauigkeit abbilden, bestätigt Christoph Hübner, Projektleiter Wärmeversorgung bei den Stadtwerken Tübingen.
Der entscheidende Fortschritt: Rechenzeit halbiert sich drastischEin technisches Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: Zu Projektbeginn benötigte das Modell für eine vollständige Berechnung mehrere Stunden. Im Projektverlauf gelang es dem Team, diese Zeit auf unter eine Stunde zu senken. Das klingt nach einer internen Optimierung – ist aber weit mehr als das.
Denn erst wenn ein Digitaler Zwilling schnell genug rechnet, wird er im Echtbetrieb nützlich. Netzführungsentscheidungen, Lastprognosen, Reaktionen auf schwankende Solareinspeisung: All das erfordert Berechnungen, die nicht Stunden, sondern Minuten dauern dürfen. Die verkürzte Rechenzeit ist damit eine Grundvoraussetzung für den praxistauglichen Livebetrieb.
Was Kommunen daraus lernen können
Für Stadtwerke und kommunale Versorger, die ihre Wärmeversorgung transformieren wollen, liefert das Tübinger Projekt mehrere relevante Erkenntnisse:
Digitale Zwillinge funktionieren auch in komplexen Bestandsnetzen. Das Modell musste nicht auf ein einfaches, homogenes Netz zugeschnitten sein – es hat sich an ein real gewachsenes System angepasst. Das ist eine wichtige Botschaft für Versorger, die nicht auf der grünen Wiese planen.
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Datenbasis ist entscheidend. Das Projekt hat gezeigt, wo Messdaten fehlen oder lückenhaft sind – und damit, wo Investitionen in die Sensorik und Dateninfrastruktur den größten Hebel haben.
Skalierung ist geplant. Nach der Validierungsphase soll der Digitale Zwilling in den Livebetrieb überführt werden. Weitere Tübinger Fernwärmenetze sollen folgen. Langfristig ist eine Sektorenkopplung mit Strom und Wasser vorgesehen – ein Schritt, der für integrierte kommunale Energiesysteme zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Einordnung
Das Projekt ist kein Einzelfall, aber ein gut dokumentierter Machbarkeitsnachweis. Trianel, als Kooperationsplattform von über 100 kommunalen Stadtwerken, dürfte die Erkenntnisse in die Breite tragen. Für Kommunen, die ähnliche Vorhaben planen, lohnt ein genauer Blick auf Methodik und Ergebnisse – insbesondere auf die Frage, welche Dateninfrastruktur Voraussetzung ist, bevor ein solches Modell sinnvoll aufgesetzt werden kann.