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Früher Traditionsgaststätte, heute elektrisch beheizter Gebäudekomplex

Der Westerwälder Hof im Westerwaldkreis ist eine ehemalige Traditionsgaststätte aus dem späten 17. Jahrhundert. Als sich kein Nachfolger für den Betrieb fand, stand sie eine Zeit lang leer. Statt Abriss und Neubau entschieden sich Guido und Leon Fries sowie Martin Schmidt vom Architekturbüro Fries Architekten für die Revitalisierung der historischen Bausubstanz und eine Erweiterung. Entstanden ist ein moderner Gebäudekomplex im KfW-40-EE-Standard mit geförderten Wohnungen, Gewerbeflächen und einer Arztpraxis. Das Projekt wurde von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz mit Darlehen und Tilgungszuschüssen unterstützt.

Von der alten Gaststätte blieben das Erdgeschoss und Teile des ersten Obergeschosses stehen. Sie wurden saniert und gut gedämmt. In der ersten und einer weiteren aufgestockten Etage wurden zehn Wohnungen gebaut. Ein zwischenzeitlich ausgelagerter Backshop konnte wieder ins Erdgeschoss einziehen und bekam zusätzlichen Platz für ein Café. Neu in dem Gebäude eingezogen ist eine Hausarztpraxis. Hinter dem sanierten Gebäude errichtete die für das Projekt gegründete Westerwälder Hof GbR einen Neubau mit Aufzug und 16 barrierefreien, rollstuhlgerechten Wohnungen.

Photovoltaik gehört zum Energiekonzept

Bis auf die Arztpraxis werden alle Räume ausschließlich mit Infrarotheizungen beheizt. Die Entscheidung erklärt Martin Schmidt, Büroleiter für das Projektmanagement bei Fries Architekten: „Bei unseren Projekten im Architekturbüro haben wir gesehen, dass die Kosten für die technische Gebäudeausrüstung immer höher werden. Teilweise übersteigen sie die Hochbaukosten. Infrarotheizungen sind um einiges günstiger.“ Deshalb wollten Schmidt und seine Kollegen „es jetzt einfach wissen“, zumal auch ihre Bauherren immer häufiger fragen, ob nicht auch günstiger gebaut werden kann.

Auf dem Dach und an der Attika wurde eine Photovoltaikanlage mit 138 Kilowatt Leistung installiert. Sie ist an einen Batteriespeicher mit 90 Kilowattstunden Speicherkapazität gekoppelt. Komplettiert wird das elektrische Energiekonzept durch eine dezentrale Lüftungsanlage, Durchlauferhitzer für die Warmwasserbereitung und einen Vertrag für einen dynamischen Stromtarif.

Der Westerwälder Hof kurz vor der Sanierung

Fries Architekten

Der Westerwälder Hof kurz vor der Sanierung
Der Westerwälder Hof nach der Sanierung

Vitramo

Der Westerwälder Hof nach der Sanierung
Auf dem Dach und an der Attika sind Solarmodule installiert.

Fries Architekten

Auf dem Dach und an der Attika sind Solarmodule installiert.

Bewohner zahlen Pauschalmiete

Zum 1. November 2025 sind die ersten Mieter der Westerwälder Hof GbR eingezogen. Sie zahlen eine Pauschalmiete inklusive Energie- und Nebenkosten. 22 bis 23 Grad Raumtemperatur sollen in dem gut gedämmten Gebäude die Regel sein. Die schnell reagierenden Infrarotheizungen werden über Thermostate in jedem Gerät gesteuert.

Auf der Konferenz „Infrarotheizung: Schlüssel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen“ am 16. April 2026 in Würzburg stellt Martin Schmidt das Projekt vor. In den Fachvorträgen stehen Chancen und Potenziale der Infrarotheiztechnik zum leistbaren, unternehmerisch und sozial verträglichen Bauen und Sanieren im Mittelpunkt. Veranstalter der Konferenz ist der IG Infrarot Deutschland. Programm und Anmeldung unter: https://ig-infrarot.de/

Ina Röpcke