Bei der Auftaktsession am Morgen im Kloster Banz hatte Jörg Ebel die geleakten Pläne aus dem Bundeswirtschaftsministerium politisch eingeordnet. Ebel ist Präsident des BSW-Solar, er ist unmittelbar in die Gespräche hinter den Kulissen eingebunden:
PV Symposium 2026: Reiches Pläne eingeordnet
Danach ging es beim PV-Symposium vor allem um Speicher. Denn klar ist: Die ungebremste Einspeisung von fluktuierenden Energiemengen aus Windturbinen und Photovoltaik hat keine Zukunft. Nun geht es um die Stabilität der Netze und ihrer Spannungsebenen, um den Ausgleich zwischen Einspeisung und Strombedarf.
Das ist die ureigene Aufgabe der Batteriespeicher. „Wenn wir Photovoltaik und Stromspeicher künftig immer zusammen denken, ist ein wichtiger Schritt getan“, sagte Achim Zerres von der Bundesnetzagentur. Dort ist er für die Stromnetze verantwortlich, für den sicheren Betrieb und die Modernisierung.
Neues Auswahlverfahren für Großbatteriespeicher startet bald
Anreize setzen für Investitionen
Zerres skizzierte verschiedene Ansätze, wie die Behörde den notwendigen Umbau der Netze flankiert. „Wir müssen Anreize setzen, um die intelligente Steuerung der Netze mit den erforderlichen Investitionen umzusetzen.“ Er forderte die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern, Erzeugern und Verbrauchern und kritisierte: „Bisher diskutieren wir noch zu sehr in Lagern.“
Wie Batteriespeicher die Systemstabilität von Netzen stützen können, stellte Volker Schöller eindrucksvoll vor. Er ist CTO von Schoenergie, einem Anbieter von Solaranlagen von drei Kilowatt bis zu etlichen Megawatt.
Verteilnetzbetreiber erwarten Vervierfachung der Solarleistung bis 2045
Bevor er sich 2008 der Photovoltaik zuwandte, arbeitete er bei Westnetz, einem Verteilnetzbetreiber in NRW. Im Oktober 2025 hatte Schoenergie in Föhren eine 50-Megawatt-Batterie installiert, die unmittelbar an einem Umspannwerk agiert. In der Netzmasche sind 5.500 Verbraucher angeschlossen.
Projekt Surevive testet Großspeicher am Umspannwerk
Schoenergie hat im Projekt Surevive gemeinsam mit Westnetz, der Universität Stuttgart und dem Fraunhofer ISE das Konzept der zellulären Versorgung verfeinert, das ursprünglich schon 2012 vom VDE entwickelt worden war. Die Idee: Jede Zelle – Gebäude oder Kommune oder Netzmasche – erzeugt, speichert und nutzt Energie möglichst selbst. Die Vernetzung der Maschen dienen dem regionalen und überregionalen Ausgleich, um Unterdeckung oder Überangebote zu vermeiden.
Der Fokus lag auf der technischen Machbarkeit. Schöller schlug vor, dass Großspeicher direkt am Umspannwerk laufen, denn dort laufen alle Verbräuche und alle Einspeisungen zusammen. Auf diese Weise entstehen klar abgegrenzte, geschlossene Regelkreise. Der Speicher gleicht Strombedarf und Einspeisung sehr dynamisch ab, könnte sogar Lastspitzen kappen oder verschieben.
Hier finden Sie die Ergebnisse von Surevive
Kritische Fälle vermeiden durch intelligente Steuerung
Kritisch aus Sicht der Netzbetreiber sind vor allem hoher Strombedarf mit geringer Einspeisung, geringer Bedarf mit hoher Einspeiseleistung sowie der sehr schnelle Abwurf von großen Verbrauchern. Das ist ein sehr dynamischer Prozess mit steilen Flanken in der Leistungsänderung, eine echte Herausforderung für die Leitwarte.
Solche intelligenten Zellen sind technisch machbar, das hat Surevive bewiesen. „Damit sind durchaus interessante Geschäftsmodelle möglich“, urteilte Volker Schöller „Beispiele ist die Momentanreserve, für die bereits ein Markt existiert.“ Und: Das angeschlossene Umspannwerk wird auf diese Weise schwarzstartfähig. „Bei einem Zusammenbruch wie in Spanien sind wir mit solchen Zellen innerhalb einer Stunde wieder am Netz“, erläuterte der Experte. „Solche Multi-Use-Anwendungen von Speichern sind keine Zukunftsmusik, technologisch haben wir diese Lösung schon.“
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BVES fordert mehr Flexibilität in den Netzen
In diese Richtung argumentiert der Bundesverband Energiespeicher (BVES). Der Branchenverband fordert dynamische Netzentgelte, um Anreize für wirtschaftliche Lösungen zu setzen. Ziel muss es sein, Stromspeicher als zentrale Bestandteile der Flexibiliäts- und Systeminfrastruktur zu stärken. Die Netzentgeltsystematik müsse Engpässe im Netz wirksam adressieren und dürfe zugleich den weiteren, privatwirtschaftlich getragenen Ausbau von Speichern nicht gefährden.
In seiner Stellungnahme legt der BVES den Fokus auf Investitionsfähigkeit, Systemnutzen und Anreizkompatibilität. Denn Stromspeicher sind essenziell, um steigende Kosten für Redispatch, Solarspitzen, negative Strompreise und Systemstabilität zu bewältigen – gleichzeitig erzeugen sie erhebliche volkswirtschaftliche Mehrwerte, die in der Netzentgeltlogik berücksichtigt werden sollten.
Neue Produkte, Anwendungen und Geschäftsmodelle für Solarspeicher
Fünf Milliarden Euro bereits wirksam
Die positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte für das Stromsystem addieren sich auf über fünf Milliarden Euro jährlich. „Deutschland hat eine einmalige Chance: Der dringend benötigte Ausbau von Flexibilität kann weitgehend privatwirtschaftlich erfolgen – ohne dauerhafte Subventionen. Dafür braucht es aber einen zukunftsfesten regulatorischen Rahmen, der die Finanzierung dieser Infrastrukturprojekte ermöglicht, statt sie zu untergraben“, sagt Georg Gallmetzer von der Firma Ecostor.
Er ist Vorstandsmitglied des BVES. „Ein nicht gebauter Speicher zahlt auch keine Netzentgelte – vor allem senkt er dann auch keine System- und Netzkosten. Genau diese Logik muss sauber abgebildet werden, sonst wird das eine schiefe Milchmädchenrechnung.“
Lange Debatten schaffen Unsicherheit
Der BVES macht in seiner Stellungnahme deutlich, dass die langwierigen Diskussionen erhebliche Unsicherheit in einen kapitalintensiven Infrastrukturbereich tragen. Großspeicher werden lange entwickelt und vorfinanziert. Jedwede Unsicherheit lässt Investoren zögern. Derzeit werden nahezu täglich konkrete Projekte auf Halt gesetzt und Investitionen abgezogen.
BVES warnt vor Hemmnissen durch statische Netzentgelte für Energiespeicher
Der BVES appelliert an die Bundesnetzagentur und die Politik, bereits getätigte Investitionen zu schützen und Bestandsschutz zu garantieren. Sonst enden viele notwendige Speicherprojekte bis 2029 im ökonomischen Nirwana. „Wer den Ausbau von Speichern politisch als überragendes öffentliches Interesse einordnet und notwendige Flexibilitätsbedarfe ausdrücklich beziffert, muss in der Regulierung konsequent dafür sorgen, dass diese Projekte auch finanzierbar bleiben“, fordert Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des BVES. „Die notwendige Flexibilitätsinfrastruktur kann jetzt kostenfrei und kostensenkend für alle errichtet werden. Das ist eine tolle Chance. Man muss sie aber auch nutzen wollen.“ (HS)