Springe zum Hauptinhalt Skip to main navigation Skip to site search

Polen will, dass Meerwindparks nach Inland-Wertschöpfung punkten

Wie Polens Ministerpräsident Donald Tusk und der Minister für Staatsvermögen Wojciech Balczun bei einer Veranstaltung in Polen zu Ende der ersten Aprilwoche bestätigten, soll eine neue Rahmenregulierung mehr sogenanntes „local content“ garantieren, wenn es zu großen Investments wie beispielsweise bei Energieprojekten kommt. Wenn immer es zu Ausschreibungen solcher Projekte unter Beteiligung staatlicher Institutionen und staatseigener Unternehmen kommt, soll demnach eine genaue Bemessung der nationalen Wertschöpfung durch einen Bieter oder dessen angebotenes Projekt erfolgen.

Der von dem Minister bereits entwickelte Kriterienkatalog bestimmt, wie sehr sich ein Unternehmen als ein heimischer Akteur qualifiziert: Mehr als 50 Prozent des jährlichen Umsatzes soll das Unternehmen in Polen erzeugen, die Eigentümer oder die letztendlichen wirtschaftlichen Nutznießer eines Vorhabens haben ihren Sitz in Polen, die führende Niederlassung befindet sich in Polen, mehr als 50 Prozent der Beschäftigten zahlen Steuern und Abgaben im Land – außerdem muss das Unternehmen in den vorangegangenen drei Jahren ununterbrochen im Land tätig gewesen sein.

Diese Ausschreibungskriterien sollten spezifische Gewichtungen erhalten, sagte der Minister. Sie sollten für Ausschreibungen jeglicher Unternehmen in Staatseigentum, genauso wie durch lokale Regierungen oder durch Einheiten, die öffentliche Fonds managen. Laut dem Minister sollen Zuschläge für Projekte hauptsächlich über den Preis nun breiter auf Faktoren setzen, die auch die örtliche Beschäftigungswirkung, die Lieferketten, den Ausstoß von Klimaschadstoffen wie Kohlendioxid und die wirtschaftliche Auswirkung eines Projektes in die Bewertung einbeziehen. Auch einen Code für gute Umsetzungspraxis als Leitfaden plant das Ministerium. In Zusammenarbeit mit der zentralen nationalen Statistikbehörde soll zudem eine Erfassung und Messung nationaler Wertschöpfung in den Projekten erfolgen.

Vorausgegangen war der jetzigen Initiative der polnischen Regierung eine interne Überprüfung der wichtigsten Investitionsprogramme des Landes inklusive der Offshore-Windkraft. Das Ministerium hatte offenbar festgestellt, dass die Beteiligung polnischer Unternehmen gering geblieben war. Für die Offshore-Windparks habe sich gezeigt: Im bisherigen Verlauf „wurden ausländische Firmen beauftragt und wurden zu den Hauptnutztnießern dieser Investments“, so zitierte das internationale Internet-Branchen-Nachrichtenportal Offshorewind.biz.

Die polnische Interessenorganisation für Offshore-Windkraft Pimew lobte bereits diesen Plan, für den sie selbst seit Jahren geworben habe. „Für internationale Player ist die Botschaft daraus kaum zu missverstehen: Dein örtlicher Fußabdruck wird zählen, Deine Lieferketten-Wahl wird sichtbar sein, Dein wirtschaftlicher Beitrag wird ein Teil der Gleichung sein.“ Dabei gehe es „nicht ums Türen verschließen“ gegen ausländische Wettbewerber, sondern vielmehr: „Es geht darum, wie das Spiel künftig gespielt wird.“

Noch 2026 wird voraussichtlich der erste polnische Meereswindpark in Betrieb gehen. Das Projekt Baltic Power mit 1,2 Gigawatt (GW) soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres die Erzeugung starten. Es gehört den Projektunternehmen Northland Power aus Kanada sowie Orlen, dem polnischen Ölkonzern. Ebenso begann die Arbeit am Windpark Baltica 2 mit 1,5 GW, der ab 2027 einspeisen soll. Er gehört dem dänischen Energieriesen Ørsted und dem polnischen Energieunternehmen PGE. Ebenfalls findet der Bau schon im Projekt BC Wind von Ocean Winds statt, einem Joint Venture von EDP und Engie aus Portugal und Frankreich. Ebenso haben zuletzt Anfang dieses Jahres die ersten Arbeiten für Bałtyk 2 and Bałtyk 3 mit zusammen geplanten 1,4 GW begonnen, die der norwegische Konzern Equinor und das heimische Polenergia vorantreiben.