Die Mullahs beteuern, dass sie lediglich neue AKW bauen wollen. Israel vermutet, dass sie nach der Bombe greifen. Ungeachtet dieser offensichtlichen Tatsachen wollen Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, die Atomkraft in Europa neu beleben.
200 Millionen Euro sollen in sogenannte Mini-Atommeiler fließen, weil sich private Investoren zurückhalten. Zugleich fordert Macron mehr nukleare Abschreckung gegen Russland. Sekundiert werden sie von Manfred Weber (CDU), der im Europaparlament eine rechte Mehrheit für den Wiedereinstieg in die Atomkraft zimmern will.
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Tschernobyl und Fukushima – schon vergessen?
Anlässlich des 15. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März und des 40. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl im April warnen die Herausgeberinnen und Herausgeber des Uranatlas 2026 vor neuem nuklearem Wettrüsten: Denn nicht nur modernisieren alle Atomwaffenstaaten ihre Arsenale und Trägersysteme. Es besteht die große Gefahr, dass weitere Staaten Atomwaffen herstellen.
Der Uranatlas wird gemeinsam von der Nuclear Free Future Foundation (NFFF), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Umweltstiftung Greenpeace und Ausgestrahlt herausgegeben. Sie appellieren an die Bundesregierung, sich für nukleare Rüstungskontrolle, einen erneuten New-Start-Vertrag und Abrüstung einzusetzen.
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65 AKW derzeit im Bau
Der Atlas zeigt: Die zivile Atomkraft ist eng mit der nuklearen Aufrüstung verknüpft. Von den derzeit 65 im Bau befindlichen AKW werden 63 in oder von Atomwaffenstaaten gebaut. „Wir sind überzeugt, dass zu einer langfristig effektiven nuklearen Abrüstung auch der Ausstieg aus der Atomenergie gehört“, ergänzt Angelika Claußen. „In Deutschland müssen wir diesen Ausstieg noch vollenden, indem wir die Urananreicherung und die Produktion von Brennelementen beenden.“
Sie fordert: „Gerade jetzt, da öffentlich über europäische Atomwaffen mit deutscher Beteiligung spekuliert wird, wäre dies ein wichtiges Zeichen für Abrüstung und eine friedliche Zukunft mit erneuerbaren Energien.”
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Mini-Reaktoren ohne Aussicht auf Erfolg
Ungeachtet dessen fordern Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den Bau von sogenannten Small Modular Reaktoren (SMR) und den Wiedereinstieg in die Atomkraft. „Einen Wiedereinstieg in die Atomkraft darf es in Deutschland nicht geben“, fordert Susanne Gerstner, stellvertretende Vorsitzende des BUND.
Die Expertin schlussfolgert: „Die vermeintlich kleinen Reaktoren sind teuer, gefährlich und unwirtschaftlich. Zudem scheitern weltweit immer mehr Projekte an den horrenden Kosten und fehlender Wirtschaftlichkeit.“ Der Medienhype um die SMR ist eine Nebelkerze, die Steuergelder verbrennt. „Deutschland ist aus gutem Grund, mit Zustimmung der Union, aus der Atomkraft ausgestiegen, daran gibt es nichts zu rütteln.“
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Russen wollen Brennelemente in Lingen fertigen
Die Abhängigkeit Europas und der Welt von der global vernetzten Uranindustrie, insbesondere von Russland, ist trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gewachsen. Gleichzeitig soll der russische Staatskonzern Rosatom an der Fertigung von Brennelementen für osteuropäische AKW russischer Bauart beteiligt werden.
Der Deal versteckt sich hinter einer Kooperation mit der französischen Orano-Tochter Framatome, die im deutschen Lingen eine Fabrik für Brennelemente betreibt. „Die Bundesregierung muss die Kapazitätserweiterung untersagen und die Atomgeschäfte mit dem Kreml in Lingen beenden“, fordert Bettina Ackermann von Ausgestrahlt. „Die Abhängigkeit Europas von Uran und Brennelementen aus Russland ist ohnehin schon so groß, dass trotz des Ukrainekriegs der gesamte Atomsektor Russlands bislang nicht sanktioniert wurde.“
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Geopolitische Abhängigkeit Europas
19 Atomreaktoren in Finnland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und in Bulgarien laufen nur mit Brennelementen russischer Bauart. Inzwischen ist zwar nicht nur Rosatom, sondern auch der US-amerikanische Atomkonzern Westinghouse in der Lage, diese Brennelemente herzustellen. Weil die USA selbst aber nur wenige Tonnen Uran im eigenen Land fördern, ist auch der US-amerikanische Hersteller auf Uranlieferungen von außerhalb angewiesen.
Rosatom baut derzeit in Ägypten das erste AKW mit vier Meilern. Mit 18 weiteren Staaten hat Moskau Abkommen zum Bau von Atomkraftwerken geschlossen, obwohl sie kaum die Netze besitzen, um den Strom nutzen zu können.
Abbau des Urans zerstört Lebensräume
Uran spielt in geopolitischen Strategien eine zentrale Rolle. Wie der Uranatlas zeigt, teilen die fünf größten Firmen fast 80 Prozent des weltweiten Uranabbaus unter sich auf. „Die USA betreiben aktuell 94 Atomkraftwerke“, rechnet Heinz Smital von Greenpeace vor. „Präsident Trump will die Atomstromproduktion bis 2050 vervierfachen. Damit das in Gang kommt, werden in den USA die Sicherheitsvorschriften für Atomkraftwerke zusammengekürzt, was das Katastrophenrisiko enorm erhöht.“
Der Versuch von US-Präsident Donald Trump, den Uranbergbau im eigenen Land zu beleben und mehr Uran aus Kanada zu beziehen, geht zu Lasten der First Nations. Sie leiden unter den gesundheitlichen Folgen des Uranbergbaus. Denn das radioaktive Schwermetall wurde und wird zumeist vom Land Indigener in Kanada, Australien, Niger und den USA oder in autoritären Staaten wie Kasachstan und Russland abgebaut. Der Bergbau schädigt die Lebensgrundlagen in den Regionen massiv und verstößt gegen die Menschenrechte.
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Der Uranatlas 2026 erklärt auf 64 Seiten mit Grafiken und Karten den Weg des Urans. Neue Kapitel zum Atomeinstieg der Türkei und zum russischen Staatskonzern Rosatom zeigen die geopolitischen Abhängigkeiten und den Zusammenhang von friedlicher und militärischer Nutzung der Atomkraft. Mit dem Atlas verdeutlichen die Herausgeber, warum Uran im Boden bleiben muss. (HS)
Bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung können Sie den Uranatlas bestellen.