Im ersten Artikelteil zu diesem Thema in GEB 1-2026 („Richtig rechnen für warme Füße“) sind die Berechnungen nach DIN EN ISO 13370 [2] für Wärmeverluste gegen Erdreich und über unbeheizte Keller erläutert worden. Das führt vor allem bei gekühlten Gebäuden, bei denen eine detaillierte Wärmebrückenberechnung erfolgt, zur Konsequenz, dass auch die Wärmebrücken nicht nach dem vereinfachten Verfahren nach Beiblatt 2 der DIN 4108 [3] erstellt werden dürfen. Außerdem ist auf das Referenzgebäude zu achten (siehe Infokasten 1). Im Fall einer detaillierten Wärmebrückenberechnung gegen Erdreich ist dabei nach DIN EN ISO 10211 [4] in Kombination mit der ISO 13370 vorzugehen.
Der Fehler wäre sonst gewaltig. Vom Prinzip her wird bei einer vereinfachten Berechnung der Wärmeverluste gegen Erdreich nach DIN V 18599-2 [1], Tab. 6, in Kombination mit DIN 4108, Beiblatt 2, ein hoher Wert für die Flächenverluste mit einem häufig sehr niedrigen Wert für die Wärmebrücken kombiniert.
Mit der hier beschriebenen Berechnung sind die Werte in der Fläche niedriger, die Wärmebrückenverluste dagegen höher. In der Jahressumme kommen also in beiden Fällen ähnliche Werte heraus, vor allem wenn der Fx-Wert, der ja tabellarisch und somit sprungweise ausgewählt wird, im konkreten Fall der Kombination aus dem Bodenplattenmaß B und Wärmedurchgangswiderstand R genau passt. Ist der Fx-Wert etwas zu hoch – was meist der Fall ist, denn die vereinfachte Berechnung liegt in der Regel auf der sicheren Seite – dann ist auch der errechnete Wärmeverlust höher.
Korrekte Berechnung zum Erdreich
Dynamisch oder statisch?
Bei der Flächenberechnung nach ISO 13370 für gekühlte Gebäude wurde im ersten Teil aufgezeigt, wie sich die Wärmeverluste über das Jahr bei Berücksichtigung des harmonisch-dynamischen Anteils der Wärmeverluste verschieben. In der Jahressumme bleiben die Werte jedoch gleich hoch wie bei der statischen Berechnung. In ISO 10211 ist auch die Wärmebrückenberechnung mit dynamischem Wetterdatensatz beschrieben. Diese ist jedoch im Regelfall deutlich zu aufwändig und wird eher bei Berechnungen in Forschungsvorhaben genutzt.
Für die regelmäßige Berechnung in Effizienzgebäuden genügt die statische Berechnung der Wärmebrücken, da die Jahressummen gleich sind. Nur diese lässt sich auch mit den gängigen Wärmebrücken-Berechnungsprogrammen abbilden.
Beispiel und Randbedingungen
In GEB 1/26 wurden die Wärmeverluste gegen Erdreich am Beispiel einer ungedämmten Bodenplatte auf Erdreich mit 70 cm senkrechter Randdämmung gezeigt (Abb. 2). Gemäß dem deutschen nationalen Anhang zur ISO 13370 werden dabei
Für die Berechnung nach ISO 10211 ist wieder das Bodenplattenmaß B zentral. Es muss für die Wärmebrückenberechnung ein Erdreichblock abgebildet werden, dessen Größe exakt dem halben Bodenplattenmaß des Gebäudes entspricht. Es ist also ein Schnitt in der Symmetrieachse (!) vorzunehmen. Das Erdreich muss dazu neben und unter dem halben Gebäude mit ganz genau dem Zweieinhalbfachen des Bodenplattenmaßes modelliert werden. Um die Berechnungsnetze nicht zu groß werden zu lassen, erlaubt die Norm das maximale Bodenplattenmaß auf acht Meter zu begrenzen, was einem Erdreichblock von 24 × 20 m entspricht (Abb. 3).
Berechnungsprinzip
In der ISO 10211 werden für diese Berechnung zwei Verfahren angeboten, die dem Prinzip einer klassischen Wärmebrückenberechnung entsprechen:
Letzteres ist für die überirdischen Bauteile so weit klar: U-Wert mal Fläche beziehungsweise im Schnitt die Länge (Wirklänge) der konstruierten Außenwand. Eine mögliche dünnere Dämmung im Spritzwasserbereich zählt zur Wärmebrücke und wird in der Energiebilanz nicht separat angesetzt.
Für den Abzug der Bauteile gegen Erdreich (Beispiel Bodenplatte) gibt es nun die beiden Varianten:
Ufg,sog aus der ISO 13370 und
Gemäß nationalem Anhang der ISO 10211 soll man Option A nutzen, jedoch ist Option B genauer und weniger fehleranfällig, da die exakte Abbildung der Wärmebrückendetails mit dem Bodenplattenmaß (Abb. 3) sowie einer Randdämmung nicht ganz so wichtig ist, da die zweite Berechnung mit der gleichen Abbildung einen möglichen Fehler kompensiert.
Berechnung für das Beispiel Effizienzhaus-Sanierung
Für das Beispiel aus GEB 1/26 (Abb. 2) mit ungedämmter Bodenplatte auf Erdreich (Bodenplattenmaß B = 8 m, Fläche A = 266,7 m²) und 70 cm hoher Perimeterdämmplatte vor dem Streifenfundament ergeben sich nun für vier Fälle die Ergebnisse nach der Tabelle in Abb. 5. Dabei werden die Wärmeverluste für die ungestörten Hüllflächen gegen Erdreich (Hs), der Wärmebrückenverlustkoeffizient ψ sowie die Summe aus Hs und Htb dargestellt. Htb ist dabei das Produkt aus ψ-Wert und Perimeterlänge, hier 66,7 m. Die Fälle sind:
ψ = L2D – UAW • lAW – Uf,b • lf,b • Ff,b;
ψ = L2D – UAW • lAW – Ufg,sog • B/2;
Weitere Hinweise
In anderen Fällen von Kellern und Bodenplatten im Erdreich wird das Erdreich mit dem Mittelwert der Erdreichanschüttung abgebildet. Die Höhe zwischen Bodenplatte und Erdreich-
oberkante hf, die mit der Berechnung nach ISO 13370 im Leitwert gegen Erdreich abgedeckt ist, ist dann die Höhe zwischen Unterkante Bodenplatte und Oberkante Erdreich außen. Also mit gleicher Definition.
Und wieder die Konsequenzen für die Energiebilanz
Bei detaillierter Berechnung der Wärmebrücken ist für den Gesamtwärmestrom ein ähnliches Ergebnis der beiden Berechnungsmethoden zu erwarten. Durch die im vereinfachten Verfahren stufig aufgebaute Tabelle 6 der DIN V 18599-2 ist meistens der errechnete Wärmestrom dadurch etwas höher, also auf der sicheren Seite. In seltenen Fällen ist er sogar geringer als der nach Berechnungsmethode von ISO 13370 mit ISO 10211.
Gleichwohl gibt es durch die harmonischen Verschiebungen die Pflicht, bei gekühlten Gebäuden oder Zonen die Wärmeverluste nach der letztgenannten Methode zu berechnen (siehe GEB 1-2026, Teil 1. Dies wird auch vom Passivhaus-Institut
[5][6] so empfohlen.
Wer pauschale Wärmebrückenzuschläge nutzt, kommt gerade im vereinfachten Verfahren auf deutlich höhere Wärmeverluste als mit detaillierter Wärmebrückenberechnung. Für Verbrauchsabgleiche entstehen dadurch spürbare Differenzen.
Literatur und Quellen:
[1] [2] siehe ersten Teil des Artikels in GEB 01-2026
[3] DIN 4108 Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden; Beiblatt 2:
Wärmebrücken – Planungs- und Aufführungsbeispiele, Beuth-Verlag, Berlin, Juni 2019
[4] DIN EN ISO 10211: Wärmebrücken im Hochbau – Wärmeströme und Oberflächentemperaturen – Detaillierte Berechnungen, Beuth-Verlag, Berlin, März 2018
[5] Passipedia, Artikel „Besonderheiten und Eigenschaften erdberührter Bauteile“, https://t1p.de/GEB260225
[6] Passipedia, Artikel „Empfohlene Vorgehensweise für die Ermittlung von Wärmebrücken erdberührter Bauteile“, https://t1p.de/GEB260226
Bild: Energiebuendel
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Kurz und knackig
Der Beitrag erläutert die korrekte Wärmebrückenberechnung gegen Erdreich nach DIN EN ISO 13370 und ISO 10211. Bei detaillierter Berechnung – insbesondere für gekühlte Gebäude – darf nicht das vereinfachte Verfahren nach DIN V 18599-2 und DIN 4108 Beiblatt 2 genutzt werden. Während vereinfachte Verfahren hohe Flächenverluste mit niedrigen Wärmebrückenwerten kombinieren, ergeben detaillierte Berechnungen niedrigere Flächen-, aber höhere Wärmebrückenverluste. In der Jahressumme sind die Ergebnisse meist ähnlich, das vereinfachte Verfahren liegt jedoch oft höher.
Dieser zweite Teil des Artikels zeigt normgerechte Berechnungswege auf und gibt Hinweise, wie sich fehlerhafte Energiebilanzen vermeiden lassen. Das hilft, realistische Wärmeverluste und Bedarfswerte zu ermitteln.
Infokasten 1: Referenzgebäude
Wenn für das Plangebäude die Wärmeverluste gegen Erdreich mit dem genauen Verfahren nach DIN EN ISO 13370 berechnet werden, sollte dies für das Referenzgebäude ebenfalls so gemacht werden. Dies ist zwar nicht eindeutig geregelt, aber ansonsten werden Äpfel mit Birnen verglichen. In der Literatur finden sich dazu unterschiedliche Aussagen.
Um das Referenzgebäude ebenfalls nach ISO 13370 abzubilden, muss der dafür vorgegebene U-Wert für die Bodenplatte oder Kellerboden in einen R-Wert umgerechnet werden, der dann als Eingangswert für die Berechnung nach ISO 13370 dient. Für Bodenplatten gegen Erdreich in beheizten Zonen ist dieser R-Wert des Referenzgebäudes Rf,sog = 2,687 m²K/W. Für Kellerdecken zum unbeheizten Keller kann der Referenz-U-Wert direkt genutzt werden: Uref = Uf,sus = 0,35 W/(m²K).
So ist es sinnvoll und auch nach Aussagen des Fraunhofer-IBP im IBP-Rechenkernel programmiert, den viele Programme als Rechenkern nutzen.
Infokasten 2: Option B
Die Berechnung nach ISO 10211 Option B ist genauer als die nach Option A. Deswegen wird sie hier im Detail vorgestellt:
Bei der ψ-Wert-Berechnung wird statt dem Abzug der Bodenplatte aus der Energiebilanz per Ufg,sog • B/2 im Beispiel dazu eine zweite Wärmestromberechnung mit Ergebnis L2D,a im Wärmebrückenprogramm gemacht. Statt der Wärmebrücke im realen Zustand wird dafür die Wand adiabat „ausgeschnitten“ (Abb. 4). Diese Berechnung des Wertes L2D,a
Die Beispielgrafik in ISO 10211 ist hierzu nicht ganz logisch, sie muss interpretiert werden. Vor allem auch hinsichtlich der Randdämmung, die in die ISO 13370-Berechnung eingeflossen ist. Die Modellierung der zweiten Wärmestromberechnung muss das Prinzip einhalten, aber an die realen Gegebenheiten angeglichen werden, siehe Abb. 5.
Fehler der Option A
Für die Berechnung des Ufg,sog wurde in diesem Beispiel nur die Wanddicke für den Teil der Außenwand betrachtet, der tatsächlich ans Erdreich grenzt. Die Wanddicke ist für die Berechnung des Ufg,sog wichtig, da in ISO 13370 die Wanddicke einfach zur äquivalenten Bodenplattendicke df addiert wird (siehe Teil 1). In diesem Beispiel ist aber die Wand, welche den Außenmaßbezug herstellt, wesentlich dicker: die Sockeldämmung steht unter dem WDVS 25 cm zurück. Diese Differenz im Bodenplattenmaß B von einem halben Meter führt daher in diesem Fall zu einem relevanten Fehler und einer deutlichen Unterschätzung des Wärmestroms bei einer Berechnung nach ISO 10211 Option A im Gegensatz zur Berechnung nach Option B.
Eine weitere Fehlerquelle tritt auf, wenn eine horizontale Randdämmung verbaut ist. Diese erscheint in der Wärmebrückenberechnung oft als vollflächige Bodenplattendämmung, wenn eine solche bei Hallen mit Bodenplattenmaß B > 8 m eingebaut wird und die maximale Modellierung der Wärmebrücke tatsächlich auf ein B = 4 m begrenzt wird. Auch hier wird der Fehler durch die zweite Berechnung ausgeglichen und dieser liegt nach Option A nicht auf der sicheren Seite!
Vergleich zu Beiblatt 2
Mit der Wärmebrücken-Software „Therm“ kann man eine mittlere Temperatur über eine Strecke messen. Dies ist für diese Untersuchung nützlich: Wenn man die mittlere Temperatur der eigentlichen Wärmebrückenberechnung (siehe Abb. 1) unter der Bodenplatte misst, entspricht das faktisch dem tatsächlichen FX-Wert. Dieser beträgt für das gezeigte Beispiel 0,15. Damit ist klar, dass die vereinfachte Berechnung in diesem Fall mit FX = 0,2 auf der sicheren Seite liegt. Und man sieht, dass das Ergebnis aus dem korrigierten FX-Wert (Abb. 5) mit Option B besser übereinstimmt als mit Option A. Die tatsächliche Größenordnung des statischen Leitwerts dieser Bodenplatte in Summe einschließlich Wärmebrücken liegt demnach bei Hs = 110 W/K.
Aufgrund dieser Betrachtungen empfiehlt der Autor die Berechnung nach Option B.
Infokasten: Seminare zum Thema
Der Autor bietet softwareunabhängige Fortgeschrittenen-Workshops zur Wärmebrückenberechnung an. Dabei werden auch Wärmebrücken gegen Erdreich bearbeitet:
Eldagsen (bei Hannover)
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