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Energieberatertag 2026

Wärme­wende – wie geht’s weiter?

Als sich rund 400 Teilnehmende am 10. März 2026 auf der Messe Light + Building in Frankfurt zum 14. Deutschen Energieberatertag versammelten, war das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) das zentrale Thema – auch wenn bis dahin nur dessen Eckpunkte formuliert waren. Der Gesetzentwurf soll nach aktuellem Stand bis Ostern verabschiedet werden und am 1. Juli in Kraft treten. Konkrete Details zum GMG waren zum Zeitpunkt der Veranstaltung damit noch offen. Für viele Referierende bedeutete das: mehr Einordnung als klare Antworten. Orientierung bot nur das am 24. Februar 2026 von den Koalititionsfraktionen veröffentlichte Eckpunktepapier.

Tagungsleiter Klaus Lambrecht von Econsult eröffnete die Veranstaltung mit dem Appell, trotz unklarer und teils nicht idealer Rahmenbedingungen nach vorne zu blicken. Die Branche müsse nun Strategien entwickeln, um mehr Sanierungen umzusetzen.

„Mehr Fragen im Gepäck als Antworten“

Den Auftakt machte Udo Raabe von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen sowie der Bundesarchitektenkammer. Gleich zu Beginn brachte er die Stimmung im Saal auf den Punkt: Er habe mehr Fragen im Gepäck als Antworten. Wie das neue GMG konkret aussehen werde, sei noch unklar. Gleichzeitig erinnerte Raabe daran, dass globale Krisen ebenfalls Auswirkungen auf Klimaschutz und Energiepolitik haben. Trotz aller Unsicherheiten appellierte er an den Optimismus der Branche.

Auch Valeria Janke-Dorn von der Ingenieurkammer Hessen und der Bundesingenieurkammer betonte die Bedeutung der Energieberatung in dieser Phase des Umbruchs. Der gesetzliche Rahmen sei im Wandel, umso wichtiger seien qualifizierte Fachkräfte, technologische Lösungen und ein intensiver Dialog innerhalb der Branche.

Förderung und Gesetzgebung: Was ändert sich?

Jens Acker vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gab einen Überblick über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und ordnete die bekannten Eckpunkte des geplanten GMG ein. Demnach soll das sogenannte Heizungsgesetz abgeschafft werden. Die bisherige Vorgabe, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, entfällt. Auch der Einbau von Ölheizungen soll wieder möglich sein. Es ist jedoch vorgesehen, dass ein Anteil von zehn Prozent Grüngas eingesetzt wird. Aber die Förderung soll zunächst bestehen bleiben – zumindest bis 2029, da der aktuelle Finanzplan der Bundesregierung diesen Zeitraum abdeckt.

Unabhängig von den konkreten gesetzlichen Regelungen betonte Acker zwei Punkte: Energiesparen werde weiterhin ein zentrales Thema bleiben und Qualitätssicherung spiele eine entscheidende Rolle. Dazu gehöre auch die Weiterentwicklung der Energieeffizienz-Expertenliste. Künftig könnten dort auch entsprechend qualifizierte Fachunternehmer aufgenommen werden. Zudem werde es eine Quereinsteigerprüfung geben, um dem hohen Bedarf an Energieberatung zu begegnen.

In der anschließenden Fragerunde brachte die Frage von DEN-Vorständin Jutta Maria Betz die Unsicherheit auf den Punkt: Was bedeute das GMG künftig für Neubauten, wenn die 65-Prozent-Regel entfalle? Wie solle dann Klimaneutralität erreicht werden? Der Applaus im Saal zeigte, dass viele Teilnehmende diese Frage beschäftigt.

Neue Regeln für Gebäude und Effizienz?

Bert Oschatz, Geschäftsführer des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung, stellte mögliche Entwicklungen vom Gebäudeenergiegesetz hin zum GMG vor. Ziel des GMG sei laut dem Eckpunktpapier ein technologieoffeneres und flexibleres Regelwerk mit stärkerem Fokus auf realistische CO₂-Minderungen. Im Eckpunktepapier wird die Möglichkeit, wieder Gas- und Ölheizungen einzubauen, ausdrücklich erlaubt. Doch formuliert es gleichzeitig den Bedarf für eine Regelung zum Schutz der Mieter vor überhöhten Nebenkosten durch den Neueinbau unwirtschaftlicher Heizungen. Als Oschatz diesen Punkt vortrug, reagierte der Saal erwartungsgemäß mit Gelächter.

Parallel stehen die europäischen Vorgaben an. Die EU-Gebäuderichtlinie sieht langfristig Nullemissionsgebäude vor und stellt Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Die Umsetzung in deutsches Recht wird im Laufe des Jahres erwartet. Damit könnten auch Änderungen bei Primärenergiefaktoren, Energieausweisen, Renovierungspässen sowie den Mindeststandards für Gebäude verbunden sein. Nach derzeitigen Planungen sollen zunächst die energetisch schlechtesten Nichtwohngebäude in den Fokus rücken: bis 2030 die schlechtesten 16 Prozent, bis 2033 die schlechtesten 26 Prozent.

Förderprogramme neu strukturiert

Nach der Pause stellte Dirk Markfort von der KfW die aktuellen Förderprogramme für Neubau und Sanierung vor. Ein Rückblick auf das Jahr 2025 und die entsprechenden Zahlen zeigte: Das Förderjahr endete diesmal ohne Förderstopp.

Künftig sollen die Förderprogramme der KfW stärker gebündelt werden. Geplant sind zwei zentrale Förderlinien: eine für Neubauten und eine für Sanierungen. Ergänzend sollen verschiedene Förderbausteine – etwa für kostenreduziertes oder klimafreundliches Bauen – flexibel kombiniert werden können. Ziel ist eine einfachere Struktur mit einer verlässlichen Basisfinanzierung.

Kommunikation als Schlüssel zur Umsetzung

Beatrice Kuhn von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) lenkte den Blick auf Kommunikation und Information. Anders als früher gebe es heute keinen Mangel an Informationen – vielmehr fehle es an verständlichen Informationen aus glaubwürdigen Quellen. Mit dem Gebäudeforum stellt die Dena eine Plattform bereit, die Energieberatende mit Informationen, Tools und Arbeitshilfen unterstützt. Kuhn betonte, dass die Wärmewende mehrere Aufgaben gleichzeitig erfordere: die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, eine Senkung des Wärmebedarfs und eine Optimierung der Anlagentechnik.

Gleichzeitig müsse die Branche stärker auf den Akzeptanz-Faktor setzen. Sanierungsentscheidungen seien komplex und individuell. Information führe zu Verständnis, daraus entstehe Überzeugung – und schließlich Akzeptanz. Energieberatende spielten dabei eine zentrale Rolle: Sie übersetzen komplexe Daten in verständliche Handlungsmöglichkeiten und schaffen Vertrauen bei Eigentümerinnen und Eigentümern.

Cocooning als Strategie für mehr Umsetzung

Tim Hofmann vom Kreditinstitut S-Kreditpartner der Sparkassen-Finanzgruppe stellte anschließend die Energie-Spar-Initiative der Sparkassen vor. Ziel sei es, Kundinnen und Kunden beim Thema energetische Sanierung besser abzuholen. Unsicherheiten durch politische Debatten oder internationale Krisen erschwerten Entscheidungen. Deshalb setze man stärker auf verständliche Botschaften. Anstatt von energetischer Sanierung spreche man beispielsweise von Wohnkomfort – also dem Wunsch nach einem behaglichen Zuhause.

Möchte ein Kunde neue Fenster, dann empfehlen die Berater im Allgemeinen einen Besuch eines Energieberaters vor Ort, um dies als Start für eine weiterführende Sanierung zu nutzen. Um den Kundinnen und Kunden Inhalte zu diesem Thema zu vermitteln, gibt es jetzt eine neue Videoreihe in Kooperation mit dem Energiesparkommissar Carsten Herbert.

Beratung muss persönlich bleiben

In zwei Impulsvorträgen aus den Verbänden unterstrichen DEN-Vorständin Betz und GIH-Vorstand Stefan Bolln die Bedeutung der Energieberatung. Betz betonte, dass künstliche Intelligenz zwar in vielen Bereichen eine Rolle spielt und spielen werde, die persönliche Beratung jedoch nicht ersetzen könne. Energieberatende analysierten individuelle Situationen und entwickelten daraus ganzheitliche Konzepte. Sie sorgten zudem für Qualitätssicherung und könnten Baufehler vermeiden. Dafür brauche es ein klar definiertes und anerkanntes Berufsbild.

Bolln knüpfte daran an und betonte die praktische Rolle der Beratung: „Wir erklären vor Ort, wo bauphysikalische Probleme liegen. Wir nehmen den Kunden an die Hand.“ Mit Blick auf die Klimaziele und der Ernüchterung hinsichtlich der Änderungen im GMG sagte er augenzwinkernd: „Wir werden bis 2030 nicht die Welt retten – erst ein bisschen später.“

Kontinuität ist nun gefordert

In der abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von GEB-Chefredakteur Joachim Berner und Klaus Lambrecht, ging es weiter um die Zukunft der Wärmewende. Eine zentrale Frage war, ob die Klimaschutzvorgaben für den Gebäudesektor ohne die 65-Prozent-Regel erfüllbar sind. Betz äußerte Zweifel: „Wo soll dieses Wunderwerk herkommen?“ Bolln verwies darauf, dass letztlich die Folgen des Klimawandels den Handlungsdruck von allein erhöhen würden.

Ein Punkt fand jedoch breite Zustimmung: Die Branche braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Ständige politische Änderungen führen zu Unsicherheit und erschweren langfristige Investitionen. Kontinuität in Gesetzgebung und Förderung sei daher entscheidend.

Energieberater: Beruf mit Langzeitwirkung

Auf die Publikums-Frage, warum man heute noch Energieberater werden sollte, antwortete Bolln: Es sei ein komplexer Beruf, aber ein sehr erfüllender. „Man sieht das fertige Produkt und den glücklichen Kunden. Fünf Jahre später sagen die Leute immer noch: Ist das toll.“ Ein Beruf also mit Langzeitwirkung für Mensch und Klima.

Zum Abschluss appellierte Klaus Lambrecht an den Zusammenhalt der Branche. Neben der Beratung von Kundinnen und Kunden sei auch der Austausch untereinander entscheidend. Veranstaltungen wie der Energieberatertag sollen genau dafür eine Plattform bieten. Der nächste Energieberatertag ist bereits geplant: am 16. März 2027 in Frankfurt im Rahmen der ISH.

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