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Thorsten Blanke von Belectric: „Batterien helfen, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern“

Die Politik dreht derzeit wieder ab von der Energiewende. Wie kann sich die Photovoltaikbranche in den kommenden Monaten aufstellen, um den Ausbau weiter voranzutreiben – vielleicht auch unabhängig von politischen Verwerfungen?

Thorsten Blanke: Für den weiteren Ausbau muss die Wirtschaftlichkeit gewährleistet sein. Niedrige Strompreise für Photovoltaik getrieben durch negative Strompreise, sind der Hauptgrund für fehlende Wirtschaftlichkeit. Mit Batteriespeichern lassen sich diese Probleme lösen, ohne dass es dafür staatliche Förderung geben muss.

Mit steigendem Ausbau der Photovoltaik wird die Integration des Solarstroms wichtiger. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass es gelingt, den Solarstrom besser nutzen zu können?

Batteriespeicher sind die schnelle Lösung, um Solarstrom flexibel nutzbar zu machen. Sie sind schnell skalier- und installierbar und können damit – im Vergleich zu anderen Optionen wie dem Netzausbau – auch kurzfristig einen großen Beitrag zur Integration von Solarstrom leisten.

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Welche Auswirkungen haben Regelungen wie der Stopp der Einspeisevergütung bei negativen Strompreisen, die schon im vergangenen Jahr eingeführt wurde?

Projekte sind dann nicht mehr wirtschaftlich und finanzierbar. Der Zubau von Photovoltaikanlagen wird dadurch deutlich zurückgehen. Auch hier können aber Grünstrombatterien helfen, die Wirtschaftlichkeit wieder zu verbessern. Allerdings sind die Gesamtkosten des Systems bei Grünstrombatterien höher als für direkt netzgekoppelte Anlagen. Batterien an Solarparks leisten im Sommer ihren Beitrag, Grünstrombatterien an Windkraftanlagen dagegen primär im Winter, da sie nicht mit Strom aus dem Netz geladen werden können.

Apropos Netze: Diese sind inzwischen ein Nadelöhr. Der Ausbau der Netze wird wahrscheinlich nicht so schnell gehen, wie der weitere Ausbau der Photovoltaik. Welche Lösungen sehen Sie, unabhängig von der Geschwindigkeit des Netzausbaus, um die Photovoltaik weiter voranzutreiben?

Der Zubau großer Batteriespeicher ist eine schnelle und effiziente Lösung. Den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur als Abnehmer für erneuerbaren Strom sehen wir derzeit nicht, weil die Wirtschaftlichkeit von Wasserstoff trotz staatlicher Unterstützung derzeit nur eingeschränkt gegeben ist. Ein weiterer Großabnehmer für erneuerbaren Strom sind große Rechenzentren, beispielsweise für KI-Anwendungen. Auch hier sind die Netzbetreiber in der Verantwortung, entsprechende Netzkapazitäten bereitzustellen.

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Welche Voraussetzungen sind dafür notwendig?

Wir benötigen dringend klare Regularien für den Anschluss von Batteriespeichern. Das Windhundrennen muss beendet werden, denn der ungeordnete Wettlauf, nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ bereitet nur Probleme. Die Vielzahl der Anträge, die in Summe weit über das notwendige Maß hinausgeht, blockiert derzeit die Netzbetreiber. Damit wird nicht nur die Energiewende blockiert, sondern auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland. Hier muss die Politik schnell Rahmenbedingungen schaffen, die diese Blockade auflösen. Staatliche Subventionen sind hierfür nicht notwendig!

Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Projekte mit besonderen Solaranlagen. Wie entwickelt sich die Nachfrage nach solchen Systemen wie Agri-PV, Floating-PV oder solaren Parkplatzüberdachungen?

Diese Anlagen sind in der Regel noch teurer als Freiflächenanlagen und leiden unter den gleichen schwierigen Rahmenbedingungen. Die Umsetzung von Agri-PV-Projekten mit Trackern ist eine vielversprechende Richtung für die Zukunft großer Solarparks in Deutschland. Neben der Doppelnutzung der Fläche erhöht diese Art von Agri-PV-Projekten – dank der Tracker – auch die Stromproduktion und somit die Erlöse. In Deutschland wird gerade an einer DIN-Norm gearbeitet, um Agri-PV noch stärker in der Gesetzgebung zu verankern. Über unsere aktive Mitarbeit in Verbänden beteiligen wir uns an der Erstellung dieser Norm, da wir im Segment großer Freiflächenanlagen enormes Potenzial für Agri-PV sehen. Auch im Kontext von Förderungen sollten die besonderen Solaranlagen vorangebracht werden, um in einem eigenen Fördersegment nicht mehr mit konventionellen Freiflächenanlagen konkurrieren zu müssen. Diese Entwicklung könnte Agri-PV-Anlagen aus ihrer Nischenstellung herausholen.

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Welche Möglichkeiten gibt es, dass solche Projekte auch ohne spezielle Unterstützung wirtschaftlich realisierbar werden?

Wir bei Belectric schauen uns die Wirtschaftlichkeit insbesondere von Agri-PV-Projekten sehr genau an. In puncto Systemdesign ist es wichtig, auf kostengünstige und effiziente Systeme zu setzen, um auch eine gute landwirtschaftliche Praxis zu gewährleisten. Durch eine Hybridisierung mit Großbatteriespeichern in Kombination mit garantiertem Netzzugang für Einspeisung und Bezug könnten solche Projekte bereits jetzt wirtschaftlich und ohne spezielle Förderung realisiert werden. Wichtig wäre außerdem, über planbare Anforderungen an die besonderen Solaranlagen Investitionssicherheit zu schaffen. Beispielsweise trägt der Betreiber einer Agri-PV-Anlage aktuell ein großes finanzielles Risiko in Bezug auf das Ertragskriterium aus der landwirtschaftlichen Erzeugung, da 66 Prozent zwingend erreicht werden müssen, um den Agri-PV-Status nicht zu verlieren. Das sind wieder sehr bürokratische Rahmenbedingungen.

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Gerade in der Agri-PV, aber auch bei anderen Freiflächenanlagen spielt die Akzeptanz eine wichtige Rolle. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Grundsätzlich ist die Akzeptanz in der Bevölkerung noch gegeben. Erneuerbare werden aber zunehmend als Problem gesehen, weil die Energiewende durch den zunehmenden Verlust von Industrien infrage gestellt wird. Wir würden uns wünschen, dass es seitens der vielen Verbände und auch seitens der Bundes- und Landespolitik mehr Unterstützung in Sachen Bewusstsein für die Erneuerbaren gibt. Immerhin stimmen in Befragungen zwei Drittel der Aussage zu, dass Rechenzentren nur gebaut werden dürfen, wenn dafür entsprechend zusätzliche Kapazitäten erneuerbarer Energien geschaffen werden.

Welche Erfahrungen machen Sie mit der Beteiligung von Kommunen an den Erträgen von Solarparks?

Obwohl die Beteiligung der Kommunen die Wirtschaftlichkeit eines Projektes zusätzlich belastet, kann sie aus unserer Sicht ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Wir haben positive Erfahrungen gemacht.

Die Fragen stellte Sven Ullrich.