Die Carports von UV Energy stehen auf einem Fuß, der direkt in der Oberfläche verankert wird – ohne aufwendige Betonfundamente.
Schlanke Systeme ohne Betonfundament ermöglichen den Bau von solaren Carports auch bei laufendem Betrieb.
Sven Ullrich
Parkplätze für den Bau von Photovoltaikanlagen zu nutzen, ist eigentlich eine naheliegende Sache. Das haben viele Unternehmen erkannt. Supermärkte und Einkaufszentren bieten ihren Kunden einen Mehrwert, wenn diese unter Solarmodulen parken – und sogar auch laden – können. Der Solarstrom fließt entweder in die Akkus der Elektroautos von Mitarbeitern oder in die von Kunden der Einkaufszentren. Selbst Kommunen können mit einer solchen Lösung ihre Nachhaltigkeitsziele um einen großen Schritt voranbringen.
Doch ist die Realisierung solcher Projekte kein Selbstläufer. Weder Gewerbebetriebe noch Supermärkte können wochenlang ihre Parkplätze sperren, um diese mit Solarmodulen zu überdachen. Hier kommen neue Konstruktionen ins Spiel, die die schnelle Nachrüstung ermöglichen. „Wir können eine Parkplatzreihe sperren. Der Rest des Parkplatzes bleibt offen, während wir den Carport aufbauen und danach die Reihe wieder freigeben. Dann ist die nächste Reihe dran“, erklärt Steffen Theurer, Geschäftsführer von UV Energy.
Auf den Parkplatz schrauben
Denn das Unternehmen hat sich mit seiner Carportlösung auf die Nachrüstung bestehender Parkplätze spezialisiert. Für die Installation müssen keine großen Löcher ausgehoben werden. Denn das System steht auf einem Stahlfuß, der mit metallischen Punktfundamenten in der bestehenden Oberfläche befestigt wird. Diese haben einen Durchmesser von 50 Millimetern und können bis zu zwei Meter lang sein. Die tatsächliche Länge richtet sich nach dem Untergrund, auf dem der Carport stehen soll, und den am Standort vorherrschenden Wind- und Schneelasten.
2,7 Kilowatt Leistung liefert ein Segment des Solarcarports von UV Energy, wenn die Module die Dachhaut bilden.
An der hinteren Seite des Stahlfußes werden die Stützen montiert. Diese sind so hoch, dass die Modulfläche drei Meter über dem Boden schwebt. So können auch Transporter unter dem Carport parken. UV Energy kann die Stützen aber auch verlängern. Damit passt das System auch zu den Ansprüchen von Logistikunternehmen, die auch Lkw unter den Modulen abstellen wollen.
Module sind integriert
An den Stützen werden oben waagerecht die Montagerahmen für die Module angebracht. Diese werden direkt in die Rahmen integriert. Die Rahmen haben standardisiert die Größe von 5,30 Metern in der Breite und 2,40 Metern in der Länge. Das System kann sowohl als einseitiges Satteldach für eine Parkreihe als auch in Y-Form für zwei hintereinanderliegende Parkreihen gebaut werden.
Für die Integration der Module bietet UV Energy zwei Varianten an. Einmal gibt es die Möglichkeit, semitransparente Module mit einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, nämlich der sogenannten ABZ des Deutschen Instituts für Bautechnik, einzusetzen. So kommt ein Teil des Sonnenlichts durch die Module hindurch. Dadurch ergibt sich eine lichte und helle Fläche, die trotzdem durch die Module Schatten spendet und vor Regen schützt. Durch die Größe des Rahmens und die derzeit gängigen Modulleistungen ergibt sich eine installierte Leistung pro Rahmen in dieser Variante von rund 2,7 Kilowatt.
Trapezblech-Sicherung oder Rahmenlösung
Mit 2,8 Kilowatt ist die Leistung bei der zweiten Variante höher. Denn hier nutzt UV Energy normale Module, wie sie auch auf Freiflächen oder Dächern eingesetzt werden. Da sie keine Zulassung als Überkopfverglasung haben, bauen die Handwerker ein Zwischendach aus Trapezblech ein, das die Fläche schützt, sollte doch einmal ein Modul zerstört werden.
Auf ein Trapezblechdach mit darauf installierten Modulen verzichtet UV Energy. Denn mit der Rahmenlösung kann das Unternehmen auch größere Module problemlos einsetzen. Schließlich sind die Module auf allen vier Seiten komplett linienförmig gelagert, was riesige statische Vorteile hat. Zusätzlich können die Trapezblechelemente von unten entfernt werden. Dies vereinfacht den Austausch der Module im Falle eines Defekts.
Auf eine zweite Stütze verzichtet UV Energy. Denn auf diese Weise bleibt die Fläche unter Solarüberdachung flexibler nutzbar und für die Autofahrer sinkt das Risiko, an einer der Stützen anzuecken.
Wir können eine Parkplatzreihe sperren. Der Rest des Parkplatzes bleibt offen, während wir den Carport aufbauen und danach die Reihe wieder freigeben.
Bau bei laufendem Parkplatzbetrieb
Das System hat nicht nur den Vorteil, dass es durch die weit auskragende Modulfläche schlank und schnell errichtet ist, sondern vor allem auch, dass der Bau bei einem laufenden Parkplatzbetrieb möglich ist.
„Das ist für Unternehmen und vor allem für Kunden wie Supermärkte oder für den Einzelhandel essenziell. Denn wenn der Kunde dort nicht parken kann, fährt er zum nächsten Supermarkt“, weiß Steffen Theurer.
Mit der Lösung, die UV Energy entwickelt hat, bekommt der Betreiber des Parkplatzes fast gar nicht mit, dass ein Teil gesperrt ist. „Wir haben es hochgerechnet: Bei einer Parkplatzsperre summieren sich die Umsatzrückgänge für einen großen Supermarkt auf 15.000 bis 18.000 Euro – je nach Größe des Parkplatzes“, sagt Theurer. Das würde zu den Investitionen für die Solaranlage noch hinzukommen.
Mit Schraubfundamenten befestigt
Eine schlanke Lösung für die Nachrüstung von Parkplätzen hat auch Pillar Solar entwickelt. Denn die Carports des ukrainischen Unternehmens stehen auf einem Bodenfuß, der nicht nur mit Betonfundamenten, sondern auch mit Schraubfundamenten im Boden verankert werden kann. „Wir nutzen dafür eine spezielle Maschine, mit der wir die Schraubfundamente eindrehen“, erklärt Ihor Vasiutiak, Technikchef von Pillar Solar. „Zuvor müssen wir nur entweder ein Stück Asphalt ausschneiden oder einige Pflastersteine entfernen. Wenn die Anlage steht, verfüllen wir die Fläche wieder.“
Die Schraubfundamente gibt es in unterschiedlichen Längen. „Wie lang die Schrauben sein müssen, ergibt sich aus einem Bodengutachten, das wir immer vorher anfertigen“, sagt Ihor Vasiutiak. Damit ist auch die Statik des Systems abgesichert.
Keine schweren Maschinen nötig
Die Nachrüstung von Parkplätzen mit solchen gering invasiven Systemen verschlankt auch den gesamten Prozess, den das Projekt durchlaufen muss. Zwar sind in der Regel Bodengutachten und auch eine Baugenehmigung notwendig. Doch dies ist bei all solchen Projekten ohnehin vorgeschrieben.
Doch die eigentliche Installation geht viel schneller. Zudem entfällt die aufwendige Planung von Beton- oder anderen Fundamenten. „Wir müssen keine Bagger oder andere Maschinen zum Parkplatz bringen, um die Anlage zu errichten“, beschreibt Steffen Theurer einen zentralen Vorteil. „Bei herkömmlichen Überdachungen von Parkplätzen mit Solarmodulen dauert es 27 bis 47 Wochen von der Planung bis zum Abschluss des Projekts“, weiß er. „Wir erledigen den gesamten Planungsprozess innerhalb von fünf Minuten.“
Denn das System ist standardisiert und modular erweiterbar. Dadurch kann das Unternehmen den Bauantrag zudem im beschleunigten Verfahren beantragen. Schließlich ist der Bauantrag immer gleich. In der Regel bekommt der Parkplatzbetreiber dadurch die Baugenehmigung innerhalb von 4 bis 8 Wochen, statt 12 bis 15 Wochen darauf warten zu müssen, wie es bei einem herkömmlichen Projekt üblich ist.