In der Debatte um die Abschaffung der Einspeisevergütung für Solaranlagen geht es nicht nur um Einfamilienhäuser. Auch Mieterstromprojekte geraten ohne die garantierte Vergütung in Gefahr. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Ökoenergieversorgers Green Planet Energy angefertigt hat. „Wenn die Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanlagen gestrichen wird, bricht ausgerechnet dort der Zugang zu günstigem Solarstrom weg, wo er dringend gebraucht wird – in ganz normalen Mehrfamilienhäusern“, warnt Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy. „Millionen Mieterinnen und Mieter würden von der Energiewende faktisch ausgeschlossen.“
Denn für viele Mieter:innen ist der Solarstrom vom Dach ihres Mehrfamilienhauses der einfachste und direkteste, oft sogar der einzige Weg, an der Energiewende teilzuhaben. Die Analyse des IW zeigt nun: Fällt die Einspeisevergütung weg, sind kleine und mittlere Mieterstromprojekte in der Regel wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Damit droht ausgerechnet im Mietwohnungsbereich ein Rückschritt, obwohl rund jede zweite Person in Deutschland zur Miete wohnt.
Direktvermarktung ist derzeit keine Alternative
Direkt betroffen sind vorwiegend kleine und mittlere Mieterstromprojekte, die dann nicht mehr wirtschaftlich wären. Denn größere Projekte können Skaleneffekte nutzen. Anlagen auf typischen Mehrfamilienhäusern mit acht bis 30 Wohneinheiten geraten ohne Vergütung aber schnell ins Minus. Die Einspeisevergütung sei damit keine Zusatzrendite, sondern ein zentraler Bestandteil eines tragfähigen Geschäftsmodells. „Unsere Berechnungen zeigen, dass die Einspeisevergütung für viele Mieterstromprojekte ein zentraler Bestandteil der Wirtschaftlichkeit ist“, betont Studienautor Ralph Henger vom IW. „Fällt sie ersatzlos weg, werden viele kleine und mittlere Projekte in Mehrfamilienhäusern wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.“
Metergrid und Reonic skalieren Mieterstrom
Er erklärt, dass Alternativen wie die Direktvermarktung den Wegfall der Vergütung nur begrenzt kompensieren können. Zudem hänge die Wirtschaftlichkeit stark von der Teilnahmequote der Mieter:innen ab – ein Faktor, der sich gerade im Bestand nur eingeschränkt steuern lasse.
Erst bürokratische Hürden abschaffen
Aus Sicht von Green Planet Energy benötigt der Mieterstrom jetzt klare und verlässliche Rahmenbedingungen. „Damit Mieterstrom in Mehrfamilienhäusern funktioniert, müssen sich die Projekte rechnen“, sagt Sönke Tangermann. „Kurzfristig bedeutet das: Entweder bleibt die Einspeisevergütung für kleine Dachphotovoltaikanlagen erhalten – oder sie wird durch einen erhöhten, praxistauglichen Mieterstromzuschlag aufgefangen“, fordert er. „Mittel- und langfristig kann Mieterstrom auch ohne Förderung auskommen. Dafür müssen allerdings bürokratische Hürden abgebaut, Prozesse vereinfacht und Regulierung verschlankt werden – von Messkonzepten über die Abrechnung bis zu schnelleren und standardisierten Genehmigungen durch Netzbetreiber“, stellt Tangermann klar.
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Bessere Bedingungen für Speicher nötig
Auch Batteriespeicher können die Wirtschaftlichkeit von Mieterstromprojekten stabilisieren. Allerdings müssen auch hier die Rahmenbedingungen passen. Derzeit wird deren Einsatz durch fehlende bundesweit einheitliche Vorgaben erschwert, stellt Green Planet Energy fest. Tangermann fordert die Bundesregierung auf, den regulatorischen Flickenteppich zu beenden und die Integration von Speichern voranzubringen.
Die komplette Studie Mieterstrom ohne EEG-Vergütung sowie ein dazugehöriges Faktenpapier finden Sie auf der Webseite von Greenpeace Energy.