Von ehemaliger Industriebrache zum klimaneutralen Quartier: Zwei Kilometer vom Stadtzentrum Kaiserslautern entfernt hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) gemeinsam mit sieben Projektpartnern das Reallabor-Projekt im Pfaff-Quartier begleitet: Auf dem Gelände, auf dem das Unternehmen Pfaff 150 Jahre lang Nähmaschinen produzierte, sind nun vier Bestandsgebäude modernisiert in Betrieb. Auch die Neubebauung hat begonnen. Mit der Einweihung einer Energiezentrale im Mai 2026 erreichte das Projekt EnStadt:Pfaff einen weiteren Schritt.
Das Projekt EnStadt:Pfaff förderten Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt haben das als Reallabor konzipierte Projekt gefördert.
Energiezentrale verteilt Wärme und kühlt
Die Energiezentrale versorgt das Quartier mit Wärme. Von dort aus wird Niedertemperatur-Wärme mit zirka 65 Grad Celsius Vorlauftemperatur verteilt. Die Wärme stammt primär aus dem Rücklauf der städtischen Fernwärme. Zusätzlich speist das Quartier Abwärme von Kältemaschinen in das Wärmenetz ein.
Darüber hinaus umfasst die Energiezentrale ein Labor zur Erforschung des bidirektionalen Ladens von Elektrofahrzeugen. Auf dem Dach der Energiezentrale befindet sich eine Kältemaschine, die mit Solarstrom vom Holzparkhaus Kälte für das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) erzeugt.
Die Fassade der Energiezentrale nutzt Photovoltaik-Module mit roter Farbbeschichtung aus MorphoColor-Modulen. Die Beschichtungstechnologie entwickelte das Fraunhofer ISE. Diese sorgt für eine hohe Effizienz der farbigen Photovoltaik-Module.
Projekt untersucht Technik und Planung
EnStadt:Pfaff
„Klimaneutrale Quartiere erfordern eine fundierte Planung und den Einsatz innovativer Technologien, die zu einem effizienten Gesamtsystem zusammengefügt werden“, erklärt Gerhard Stryi-Hipp, wissenschaftlicher Leiter des Projekts am Fraunhofer ISE. Denn das Forschungsprojekt verfolgt seit dem Start im Jahr 2017 einen umfassenden Ansatz: Es untersucht und erprobt Technologien und Erfolgsfaktoren für klimaneutrale Quartiere. Das Projekt bearbeitet Energieversorgung und Gebäudetechnik-Konzepte. Es erforscht und demonstriert auch Lösungen für Mobilität und nutzerorientierte Digitalisierung. Hinzu kommen sozialwissenschaftliche Fragestellungen.
Prof. Dr. Peter Schossig, Bereichsleiter Wärme und Gebäude am Fraunhofer ISE, ergänzt: „Um die Herausforderungen in der Planung und Umsetzung zukunftsfähiger Quartiere zu erkennen und anwendungsreife Lösungen zu entwickeln, sind interdisziplinäre Reallabor-Projekte wie EnStadt:Pfaff erforderlich,“
Digitale Lösungen unterstützen das Quartier
Am Projekt beteiligt sich auch das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) aus Kaiserslautern. Dr. Frank Elberzhager, Teilprojektleiter am Fraunhofer IESE, sagt: „Digitale Lösungen erhöhen die Effizienz in der Planung und im Betrieb von klimaneutralen Quartieren“.
Elberzhager ergänzt: »Sie erleichtern jedoch auch das klimafreundliche Verhalten und das Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier z.B. durch die Unterstützung der Nutzung lokaler Mobilitätsangebote, weshalb wir in EnStadt:Pfaff Plattformlösungen und digitale Dienste für das Quartier entwickelt haben«.
Bebauungsplan verpflichtet zu Solar und Grün
Das Energiekonzept zeigt: Dicht bebaute urbane Quartiere wie das 19 Hektar große Pfaff-Quartier mit Wohn-, Dienstleistungs- und Gewerbeflächen können sich nicht mit ausschließlich vor Ort gewonnenen erneuerbaren Energien versorgen. Das Projekt setzt deshalb darauf, die verfügbaren Quellen konsequent zu nutzen.
Im Bebauungsplan des Pfaff-Quartiers ist die Installation von Solaranlagen auf Dächern festgeschrieben. Hinzu kommt die Pflicht zu Gründächern, unter anderem zur Vermeidung von Überschwemmungen. Die Solarstromanlagen decken knapp 40 Prozent des jährlichen Strombedarfs des Quartiers.
Reallabor gibt Ergebnisse weiter
Auf dem Pfaff-Gelände entstand auch ein Reallabor-Zentrum. Dieses gibt die Ergebnisse des Projekts vor allem an Akteure weiter, die Quartiere planen und umsetzen. Eine Ausstellung stellt die Schritte zur Entwicklung klimaneutraler Quartiere mit Augmented Reality dar. Ein Besucherpfad mit Online-Audioguide erschließt die im Quartier demonstrierten Technologien. Die Webseite stellt die Projektergebnisse zielgruppengerecht dar. Quelle: ar / Fraunhofer ISE