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Trockenbauweise – besser Lehm oder Gips?

Auf Platte machen

Seit Jahrzehnten prägt der Trockenbau den Innenausbau, und in Kombination mit Holz als tragendem Baustoff lassen sich damit komplette Gebäude erstellen. Die Vorteile liegen auf der Hand: kurze Bauzeiten, hohe Flexibilität und vergleichsweise niedrige Kosten. Doch die ökologische Nachhaltigkeit dieser Bauweise hängt maßgeblich von den verwendeten Materialien ab – und an diesem Punkt stellt sich die Frage, wie zukunftsfähig die gängigsten Baustoffe Lehm und Gips sind.

Gipskartonplatten dominieren den Markt und gelten als bewährter Standard. Doch die Grundlage dieser Platten – REA-Gips aus der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken – wird mit dem Kohleausstieg bis 2038 nahezu vollständig wegfallen. Naturgips könnte diese Lücke schließen, doch dessen Abbau ist ökologisch problematisch. Eingriffe in empfindliche Karstlandschaften und hohe CO₂-Emissionen belasten die Umwelt. Recycling-Gips bietet eine theoretische Lösung, doch die technische Aufbereitung zeigt sich bis auf Weiteres teuer und aufwendig.

Lehmbauplatten hingegen setzen auf natürliche Rohstoffe wie Lehm, Sand und Fasern. Sie sind vollständig recyclebar, feuchteregulierend und wohngesund – Eigenschaften, die sie besonders für nachhaltige Bauprojekte attraktiv machen. Doch wie stehen sie im direkten Vergleich zu Gipskartonplatten, und was sollten Energieberater bei der Wahl berücksichtigen?

Ökologische Aspekte: Ein klarer Vorteil für Lehm?

Eine Studie des VDI Zentrums Ressourceneffizienz aus dem Jahr 2025 zeigt, dass Lehmbauplatten in vielen Punkten ökologisch überlegen sind. Die Produktion verursacht mit 5,3 kg CO₂e/m² deutlich weniger Emissionen als Gipskartonplatten, die bei 6,5 bis 6,9 kg CO₂e/m² liegen. Genau andersherum stellt sich dies allerdings beim kumulierten Energieaufwand (KEA) dar. Lehmbauplatten liegen mit 128 MJ/m² über den Werten von Gipskartonplatten mit 98 bis 104 MJ/m². Diese Differenz ist vor allem auf die aufwendige und energieintensive Trocknung von Lehm beim Herstellungsprozess zurückzuführen.

Beim Wasserverbrauch und der Kreislauffähigkeit punkten wiederum Lehmbauplatten klar. Sie benötigen weniger Wasser in der Produktion und sind vollständig kompostierbar – eine Eigenschaft, mit der Gipskartonplatten nicht aufwarten können. Auch der Rohstoffbedarf ist bei Gipsplatten geringer. Mit 10 bis 12 kg/m² verbrauchen sie weniger Material als Lehmplatten mit 29 kg/m². Doch die Herkunft der Rohstoffe macht den Unterschied: Während Lehm regional verfügbar ist, werden Naturgips und REA-Gips oft über große Distanzen transportiert, was die CO₂-Bilanz belastet.

Kosten und Förderung: Wo lohnt sich die Investition?

Lehmbauplatten sind mit 35 bis 50 Euro/m² etwa doppelt so teuer wie Gipskartonplatten, die für 17 bis 40 Euro/m² erhältlich sind. Dieser Preisunterschied ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Hersteller wie beispielsweise Claytec (www.claytec.de), Conluto (www.conluto.de), Hart Keramik (www.hart-keramik.de) oder Naturbo (www.naturbo.de) arbeiten an effizienteren Fertigungsmethoden, um die Produktionskosten zu senken. Naturbo bietet darüber hinaus Lehmbauplatten mit integrierter Heiz- und Kühlfunktion an.

Für Bauherren mit einem ökologischen Anspruch bieten Förderprogramme wie das „Effizienzhaus 40“ oder das Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude Plus“ attraktive finanzielle Anreize. Energieberater sollten diese Optionen gezielt in ihre Beratung einfließen lassen, um die höheren Materialkosten zu kompensieren.

Bauphysikalische Aspekte: Wärme, Feuchte und mehr

Lehmplatten überzeugen durch ihre sehr guten bauphysikalischen Eigenschaften. Hervorzuheben ist die Feuchteregulierung, die für ein stabiles Raumklima mit idealen Luftfeuchtewerten zwischen 40 und 60 Prozent sorgt, was der Schimmelbildung entgegenwirkt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Wärmespeicherfähigkeit: Räume mit Lehmplatten heizen im Sommer langsamer auf und bleiben kühler, während sie im Winter die Wärme länger speichern.

Beim Schallschutz schneiden Lehmbauplatten ebenfalls besser ab als ihr Pendant aus Gips. Ihre höhere Rohdichte bietet eine natürliche Schalldämmung, die sich besonders für lärmintensive Wohn- oder Arbeitsbereiche eignet. Ein weiterer Vorteil ist ihre Brandsicherheit: Lehm ist nicht brennbar und behält seine strukturelle Integrität auch unter hohen Temperaturen – ein klarer Vorteil gegenüber Gipskartonplatten, die bei Hitze ihre Stabilität verlieren können.

Komfort und Hygiene: Wohngesundheit im Fokus

Lehm- und Gipskartonplatten beeinflussen das Raumklima auf unterschiedliche Weise. Neben der bereits erwähnten Feuchteregulierung können Lehmbauplatten überdies Schadstoffe wie VOCs (flüchtige organische Verbindungen) binden – ein gewichtiges Argument für wohngesundes Bauen.

Gipskartonplatten schwächeln hingegen bei einer hohen Raumfeuchte. Sie nehmen den Wasserdampf auf, beginnen zu quellen, verlieren an Stabilität und bieten einen Nährboden für Schimmel. Ihre glatte Oberfläche ist nicht diffusionsoffen, wodurch sich Kondenswasser bilden kann. Andererseits punkten Gipskartonplatten durch ihre Leichtigkeit und einfache Verarbeitung, was die Montage erheblich vereinfacht und beschleunigt. Für mäßig feuchtebeanspruchte Räume wie zum Beispiel Büros oder Wohnräume ohne größere Klimaschwankungen sind sie ideal.

Was nun? Lehm oder Gips?

Energieberater sollten die Wahl zwischen Lehm- und Gipskartonplatten auf die spezifischen Anforderungen des Bauvorhabens abstimmen. Lehmbauplatten sind eine klare Empfehlung für Projekte mit hohen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Wohngesundheit. Besonders in Wohngebäuden, Büros und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten können ihre positiven Eigenschaften das Raumklima und die Energieeffizienz nachhaltig verbessern.

Gipskartonplatten hingegen bieten Vorteile bei kosten- und zeitkritischen Bauvorhaben. Ihre breite Verfügbarkeit und einfache Verarbeitung machen sie zur praktischen Wahl für standardisierte Projekte. Beide Materialien haben ihre Berechtigung – die Entscheidung sollte jedoch auf einer fundierten Analyse der Bauanforderungen basieren.

Quellen

[1] VDI ZRE: Ökologische und ökonomische Bewertung des Ressourcenaufwands – Einsatz von Trockenbauelementen, VDI Technologiezentrum GmbH, Düsseldorf, 2. ­aktualisierte Auflage, 2025

[2] Fraunhofer Institut für Bauphysik: Praxis-Leitfaden Leichtbau im Bauwesen, ­Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg (Hrsg.), Stuttgart, März 2018

[3] bauhandwerk.de: „Platte mit Lehm statt Gipskarton“, Rudolf Müller Mediengruppe, Köln, Ausgabe Februar 2025

[4] Detail: „Trockenbau mit Lehm – Perspektiven und Herausforderungen“, Detail ­Business Information GmbH, München, Ausgabe Oktober 2024

Lehmbauplatte mit eingelegten Heizschlangen zur Klimatisierung der Wände und Decken

Bild: Naturbo

Lehmbauplatte mit eingelegten Heizschlangen zur Klimatisierung der Wände und Decken

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