Die Dachbegrünung gewinnt allein schon aufgrund des sich beschleunigenden Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Begrünte Dächer wirken kühlend in urbanen Hitzeinseln, speichern Niederschläge und entlasten so bei Starkregen die Kanalisation der Kommune (und sind daher unter Umständen förderfähig). Sie filtern Schadstoffe aus der Luft und schaffen wertvolle ökologische Ausgleichsflächen. Als Umkehrdach ausgeführt, schützen sie zudem die Dachabdichtung und verlängern deren Lebensdauer. Damit ein Gründach seine Funktion dauerhaft erfüllt, müssen eine ausreichende Tragfähigkeit, eine wurzelfeste Abdichtung und ein diffusionsoffener Aufbau gesichert sein, wobei Planer, Statiker und Ausführende eng zusammenarbeiten sollten.
Das bestehende Flachdach als Basis nutzen
Beim Neubau hat man alle Freiheiten, um den Dachaufbau für die Begrünung vorzubereiten, doch das Potenzial, um Städte und Gemeinden mittels Dachbegrünung klimaresilienter zu machen, steckt zum überwiegenden Teil in den bestehenden Flachdächern. Man muss sie meist zu diesem Zweck noch nicht einmal abbauen, sondern man kann im Gegenteil auf ihnen aufbauen. Dabei gilt es selbstverständlich, die gesetzlichen Vorgaben und die entsprechenden Richtlinien sowie die jeweiligen Bauartgenehmigungen einzuhalten.
Das noch gültige Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt in Wohn- und in Nichtwohngebäuden einen maximalen U-Wert von 0,20 W/(m²K) vor mit Raumtemperaturen über 19 Grad Celsius. Für Nichtwohngebäude mit Temperaturen zwischen 12 und 19 Grad sind 0,35 W/(m²K) zulässig, wobei es sich jeweils lohnt, diese Werte zu unterbieten. Greift man beim Wärmeschutz auf hochdämmenden Hartschaum aus extrudiertem Polystyrol (XPS) zurück, kann man diese Anforderungen leicht übererfüllen. XPS hat dazu einen weiteren Vorteil: Als geschlossenzelliges Material kann es kein Wasser aufnehmen.
Vorgaben der Bauartgenehmigung beachten
Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte im Bestand der Grundsatz gelten: Erst erhalten, dann wiederverwenden und erst ganz am Ende entsorgen. Wenn zum Beispiel ein Flachdach aus den 1970er bis frühen 1990er Jahren energetisch ertüchtigt werden soll, dann ist ein kompletter Abriss des Dachaufbaus oft nicht notwendig. Der Kies beispielsweise, der als schwerer Oberflächenschutz vorhanden ist, kann beiseite geräumt und die gewonnene Last für eine Dachbegrünung genutzt werden.
Die vorhandene Abdichtung lässt sich in vielen Fällen ertüchtigen, beispielsweise mit einer Flüssigabdichtung auf Basis von Polymethylmethacrylat (PMMA) oder auch bituminös. Die XPS-Wärmedämmung, die anschließend aufgebracht wird, belastet die Statik kaum, kommt ohne Verklebung aus und kann später sortenrein zurückgebaut werden.
Entscheidend ist es, frühzeitig die Vorgaben aus der allgemeinen Bauartgenehmigung zu prüfen. Dort sind Konstruktionen, zulässige Aufbauten, anzusetzende Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit und auch Empfehlungen zur Windsogbemessung hinterlegt. Planer sollten die Optionen immer projektbezogen mit dem Hersteller der XPS-Dämmstoffplatten abstimmen. Das verhindert spätere Ausführungsprobleme.
Für einen diffusionsoffenen Aufbau sorgen
Es ist planerisch kein Problem, auf ein bestehendes Warmdach, mit der Abdichtung über der Dämmung, ein Umkehrdach zu setzen, bei dem die Dämmlage über der Abdichtung liegt. Das sogenannte Duo- oder Plus-Dach kombiniert die vorhandene Dämmebene mit einer zweiten. Voraussetzung ist eine funktionstüchtige oder erneuerte Abdichtung. Wichtig sind auch die bauphysikalischen Nachweise wie Feuchtigkeits- und Wärmeberechnungen sowie die statische Beurteilung der zusätzlichen Lasten.
Zwingend erforderlich ist ein diffusionsoffener Aufbau oberhalb der Wärmedämmung, damit das Wasser, das sich unterhalb der Wärmedämmung als Wasserdampf bilden kann, durch diese diffundieren kann. Der umlaufende Stufenfalz, mit der die Dämmplatten ausgestattet sind, sorgt für eine homogene Dämmebene. Sollte eine Platte jedoch durchfeuchtet werden, bleibt ihr Dämmwert dennoch weitgehend erhalten. Das haben Studien gezeigt.
Gefälleloses Flachdach: besser für die Retention
Der neue Aufbau wiederum kann ohne Weiteres eine Wasserrückhaltung, sprich: Retention, mit Begrünung tragen. Dieses Retentions-Gründach speichert Niederschlagswasser und gibt es zeitverzögert ab. Neben der Entlastung der örtlichen Kanalisation – siehe oben – ergibt sich so eine zusätzliche Pflanzenbewässerung, was der Intensivbegrünung entgegenkommt.
Ein begrüntes Umkehrdach darf maximal 48 Stunden überstaut werden. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Stöße des auf der Dämmung verlegten wasserableitenden Vlieses fachgerecht dauerhaft verklebt werden. Zudem ist auch ein gefälleloses Dach mit Begrünung zulässig, es gilt nicht mehr als Sonderkonstruktion. Unterschieden wird jedoch zwischen nicht genutzten und genutzten Dachflächen beziehungsweise zwischen extensiver und intensiver Begrünung. Je nach Nutzung ändern sich die Planungs- und Ausführungsgrundsätze.
Grundsätzlich muss die Dachabdichtung inklusive Wurzelschutz für die jeweilige Nutzung gebrauchstauglich sein, um dem Dach eine lange Lebensdauer zu ermöglichen. Gerade bei der Retention ist ein gefälleloses Dach dazu von Vorteil, denn so kann das Niederschlagswasser noch besser gespeichert werden. Bei Bedarf, also bei großen Regenspenden, kann zusätzlich per Drossel abflussverzögert abgeleitet werden.
Gründach mit Solarstromerzeugung
Auch der Kombination von Photovoltaikanlage und Dachbegrünung steht nichts im Weg, solange die Statik stimmt. Tragkonstruktionen aus Stahlbeton samt der vorgeschriebenen Ballastierung mit Kies, Platten oder Begrünung ergeben zusammen eine sehr stabile, brandsichere Basis für die Anlagen. Sie profitieren außerdem vom zusätzlichen Schutz für Kabel und Wechselrichter und dem besseren vorbeugenden Brandschutz.
Fazit: Ein begrüntes Umkehrdach, auch mit PV-Anlage, ist kein Hexenwerk. Planung und Ausführung sind klar geregelt, durch die Flachdachrichtlinie, die Dachbegrünungsrichtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau und die Bauartgenehmigungen des Deutschen Institut für Bautechnik. Wer diese Regeln befolgt, erhält eine auf lange Zeit funktionsfähige Konstruktion.