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Berlin schöpft mit 120-MW-Anlage den Überschuss an Grünstrom für Fernwärme ab

„Aus Wind und Sonne wird Wärme. Nutzen statt Abregeln: mehr erneuerbare Wärme für Berlin. Wärmewende im laufenden Betrieb.“ Mit diesen gleich drei Slogans für eine technologische Revolution in der Energieversorgung der Hauptstadt kündigte Berlins Kommunalunternehmen BEW den Baustart für ein Wärmekraftwerk mit 120 Megawatt (MW) Erzeugungskapazität in Berlin-Mitte an. Die Anlage solle ab Ende 2028 den Betrieb aufnehmen und von da an 30.000 Haushalte „zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie“ versorgen, teilte BEW bereits am Montag mit.

Die Anlage soll das im branchenüblichen Englisch Power-to-Heat (PTH) genannte Verfahren für eine Sektorenkopplung im Sinne der Netzintegration der großen Windkraft- und Photovoltaik-Kapazitäten Ostdeutschlands nutzen. Während der im gesamten 50-Hertz-Netzgebiet zunehmenden Grünstromüberschussphasen bei viel Wind oder viel Sonne soll sie nicht benötigte Stromvolumen abschöpfen und mit drei als Tauchsieder eingesetzten Elektroden in Wärme umwandeln. Demnach wird die Anlage ab Ende 2028 gerade nicht benötigte grüne Energie zur Versorgung der Stadt im elektrischen Verbrauchssektor für eine Nutzung im Wärmeverbrauchssektor umwandeln. Diese sogenannte Sektorenkopplung zur „Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist ein zentraler Hebel für die Erreichung der Berliner Klimaziele bis 2045“, benennt BEW die Mission des Projektes.

Mit 75 Millionen Euro finanziert 50 Hertz die Anlage. Sie soll die Investitionen bereits nach fünf Jahren amortisieren lassen – also die Kosten demnach bis Ende 2033 oder Anfang 2034 wieder einspielen. Die Anlage wird den Strom aus dem Hochspannungsnetz ziehen, und 50 Hertz geregelt durch einen „Redispatch-Vertrag“ fünf Jahre lang vollen Zugriff auf die Steuerung erhalten. Damit soll der Übertragungsnetzbetreiber die Auslastung des Netzes so aussteuern, dass er möglichst viel Grünstrom einspeisen lassen kann, statt Windkraft- und Solaranlagen bei zu wenig Abnahme durch Stromverbraucher abregeln zu müssen.

Das Abregeln nennt sich in der Stromwirtschaft Redispatch und erfordert bislang Entschädigungszahlungen durch die Übertragungsnetzbetreiber an die Grünstrom einspeisenden Windpark- und Solarpark-Gesellschaften. Diese belaufen sich auf Milliarden-Euro-Beträge jährlich.

Die entstehende Sektorenkopplungs- oder PTH-Anlage soll bei ihrer Eröffnung auch eine der größten ihrer Art in Europa sein, wie die Akteure ankündigen. Eine spätere Flusswärmepumpe ist ebenfalls Teil des Gesamtkonzepts. Außerdem wird BEW die hydraulischen Kapazitäten der bestehenden Fernwärmepumpstation erhöhen, um die entstehenden Wärmevolumen ausreichend schnell verteilen zu können. Dritter Partner des Projektes ist das kommunale beziehungsweise landeseigene Verteilnetzunternehmen Stromnetz Berlin.