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EMH-Metering-Chef Heuell: „Installateure werden zum Engpass“

Ende 2025 wurde die 20-Prozent-Quote bei den Pflichteinbaufällen mit 23,3 Prozent knapp übertroffen – über alle Messstellen sind es aber erst 5,5 Prozent. Kommt der Rollout nun endlich in Fahrt?

Peter Heuell: Ja. Das Erfüllen der Quote hat gezeigt: Der Rollout läuft. Jetzt beginnt er zu skalieren. Die Voraussetzungen dafür sind da: Der gesetzliche Rahmen steht, die weiteren Fristen und Zielquoten sind klar. Durch das Thema Steuern gewinnt der Rollout deutlich an Dynamik. Mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach Paragraf 14a EnWG – also Wärmepumpen, Wallboxen und Batteriespeichern – und Anlagen nach Paragraf 9 EEG wächst die Zahl der Anwendungsfälle, für die intelligente Messsysteme und Steuerungstechnik benötigt werden. Es liegt noch eine gute Strecke vor uns. Aber die Voraussetzungen für eine deutlich höhere Ausstattungsquote sind vorhanden. Dazu trägt auch die sogenannte 1:n-Technologie bei, die mehrere Zähler an ein einziges Gateway anbindet. Immer mehr Endkunden speziell in Mehrfamilienhäusern können damit an der Digitalisierung teilhaben und der Rollout skaliert weiter.

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Heuell: Die hohen deutschen Sicherheits- und IT-Anforderungen gelten als Bremsfaktor. Sind sie aus Ihrer Sicht ein Qualitätsvorsprung oder ein Wettbewerbsnachteil?

Deutschland ist mit seinem Ansatz Vorreiter. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte Electrification Action Plan der EU-Kommission: Erstmals verbindet die Kommission den europäischen Rollout darin ausdrücklich mit hohen Anforderungen an Cybersicherheit, Betriebssicherheit und resiliente Lieferketten. Smart-Meter-Systeme sollen über ihren gesamten Lebenszyklus geschützt werden. Damit bestätigt die EU einen Ansatz, den Deutschland mit dem intelligenten Messsystem früh verfolgt hat: Die Digitalisierung kritischer Energieinfrastruktur darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Es kommt darauf an, beides zusammenzubringen: den Rollout zu beschleunigen und das erreichte Sicherheitsniveau zu erhalten.

Gegen 77 Messstellenbetreiber – vor allem kleinere Stadtwerke – laufen inzwischen Aufsichtsverfahren. Wie unterstützt EMH metering gerade diese Betreiber beim nötigen technologischen Sprung?

Heuell: Wir sind langjähriger Partner von Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern. Wir können unser Angebot individuell anpassen, auch weil wir nahezu vollständig in Deutschland produzieren. Mit uns erhält der Kunde zudem alles aus einer Hand: Gateway, Zähler, Steuerbox und Beratung. Verpackung und Lieferung erfolgen kundenindividuell. Wir unterstützen nicht nur die MSB-Lieferkette, sondern bieten auch weiterhin die bewährte SilKe-Lieferkette mit Safebag an. Anders als Skybox- oder Safetybox-Lösungen braucht der Safebag keine aufwändige Logistikstruktur. Einfach verpacken, sicher transportieren, nachweisbar ankommen. Das war's.

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Sehen Sie konkrete Engpässe bei Lieferfähigkeit oder Installation?

Heuell: Bei der Lieferfähigkeit nicht. Wir skalieren derzeit unsere Produktion, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen. Erst kürzlich haben wir unsere Produktion um rund 500 m² neue Fertigungs- und Verpackungsfläche erweitert. Eine weitere Halle ist in Planung. Engpässe sehen wir allerdings bei der Montage. Wenn der Rollout weiter skaliert, könnte es durch fehlende Installateure zu Verzögerungen kommen.

Die Einbaupflicht trifft auch Solaranlagen ab sieben Kilowatt sowie steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen und Wallboxen. Was bedeutet der Smart-Meter-Rollout speziell für Solaranlagenbetreiber?

Heuell: Der Solaranlagenbetreiber von Neuanlagen muss die maximale Wirkleistungseinspeisung seiner PV-Anlage am Netzanschlusspunkt auf 60 Prozent der installierten Leistung begrenzen. Die 60-Prozent-Begrenzung ist eine Übergangslösung. Sobald der Messstellenbetreiber ein intelligentes Messsystem mit zertifizierter Steuerungslösung installiert und der Netzbetreiber den Fernsteuerungstest erfolgreich durchgeführt hat, entfällt die Begrenzung – Sie dürfen dann 100 Prozent einspeisen.

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Das intelligente Messsystem ist für den Solaranlagenbetreiber aber mehr als eine Einheit zum Steuern.

Heuell: Stimmt. Er wird zur zentralen Schnittstelle zwischen Erzeugung, Verbrauch, Speicher und Stromnetz. Gerade wenn zur Solaranlage noch Wärmepumpe, Wallbox oder Batteriespeicher kommen, kann zukünftig ein Energiemanagementsystem diese Komponenten intelligent aufeinander abstimmen, um die Energiebezugskosten aus dem Stromnetz zu minimalisieren. Unser Zielbild ist der digitale Netzanschluss mit dem Smart Meter Gateway: Dies schafft die Grundlage dafür, dass Prosumer ihre Flexibilität wirklich wirtschaftlich nutzen und gleichzeitig zur Stabilität des Stromnetzes beitragen können.

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Die Politik will nun über 90 Prozent der Pflichtfälle schon bis 2030 ausstatten, nun soll auch ein sogenannter Smart Meter Light kommen. Wie bewerten Sie das Ziel sowie den Einbau eines Smart Meter Light“?

Heuell: Wir begrüßen, dass die Bundesregierung ihren Kurs für einen beschleunigten Smart-Meter-Rollout bekräftigt. Jetzt sollte sie den nächsten Schritt gehen und beantworten, wie der Weg zu einem vollständigen Smart-Meter-Rollout in Deutschland aussehen soll. Umso überraschender ist, dass das Koalitionspapier einen Smart Meter Light als Option nennt. Dabei könnte dieser Lösungsweg den Rollout sogar verlangsamen. Davor warnen auch die Verbände VDE und ZVEH. Dabei steht bereits eine Lösung zur Verfügung, die einen flächendeckenden Rollout wirtschaftlich, cybersicher und praxistauglich ermöglicht: die Anbindung mehrerer Zähler an ein Smart Meter Gateway, also 1:n. Mit diesem Ansatz lassen sich auch Haushalte ohne Pflichteinbaufall kostengünstig und cybersicher in den Rollout einbinden – auf Basis der bestehenden Standards.

Die Fragen stellte Niels H. Petersen.