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Volle Pulle Energiewende in Essen

Die diesjährige E-World in Essen konnte gleich mehrere Rekorde verzeichnen. Denn die Messe war mit 1.136 Ausstellern so groß wie nie zuvor. Das ist ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch das Interesse ist kräftig gestiegen. Denn über 37.000 Fachbesucher informierten sich über die Zukunft der Energieversorgung. „Besonders freut uns die gestiegene Internationalität“, betont Sabina Großkreuz, Geschäftsführerin der E-World. „Erstmals kamen über 30 Prozent der Unternehmen aus dem Ausland. Bei unseren Gästen stieg der Anteil auf rund 30 Prozent. Das unterstreicht die Bedeutung der E-World als länderübergreifende Leitveranstaltung.“

Schließlich kamen Besucher aus 126 Nationen – ein Plus von 50 im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark vertreten waren Fachbesucher aus Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Italien und Belgien, teilt die Messe mit. Die Teilnehmer kamen vorwiegend aus den Wirtschaftszweigen Energieversorger, Stadtwerke, Dienstleister, Gewerbekunden sowie Forschung und Entwicklung.

Viel Erneuerbare, kaum noch Gas

Viele sind gekommen, um sich primär über die aktuellen Lösungen für die Energiewende in den Kommunen, in den Unternehmen und bei Stadtwerken und anderen Versorgern zu informieren. Beim Gang über die Messe wird klar: Die Energiewende ist in vollem Gange. Selbst bei den großen Energiekonzernen war mehr Photovoltaik, Windkraft und Co. als fossile Energie auf den Ständen zu entdecken. Nur wenige beschäftigten sich noch mit dem Thema Erdgas.

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Da die Solarenergie und die Windkraft, unterstützt von Bioenergie und Wasserstoff, die Stromversorgung in Zukunft übernehmen, war ein bestimmendes Thema auf der Messe die Integration dieser volatilen Erzeugung in den Energiemarkt. Das Thema Versorgungssicherheit war genauso präsent wie die Zwischenspeicherung und Vermarktung des Sonnen- und Windstroms.

Speicher für Regelleistung vermarkten

So hat der Speicherhersteller Tesvolt seinen neuen, cybersicheren Energiespeicher Tallon vorgestellt. Das Besondere: Die Kapazität von fünf Megawattstunden kann so aufgeteilt werden, dass die Anlage unterschiedlich lang ihre Leistung liefern kann. Das Tochterunternehmen Tesvolt Energy hat seine Möglichkeit der Vermarktung kleiner Energiespeicher präsentiert, die sich immer größeren Interesses erfreut. Schließlich ist es eine Möglichkeit für Unternehmen, mittels einer Investition in einen Speicher am Regelenergiemarkt teilzunehmen. Dies war bisher nur großen Speichern vorbehalten.

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Die Flexibilität mit einem eigenen Portfolio an Großspeichern hat Return im Blick. Das niederländische Unternehmen baut die Speicher und vermarktet sie mit Partnern aus der Energiewirtschaft am Markt. Jüngst hat Return zusammen mit dem Energieversorger Engie eine solche Kooperation gestartet. Hier spielt hauptsächlich die zuverlässige Betriebsführung der Speicher eine zentrale Rolle. Schließlich laufen hier täglich immense Daten auf, die alle im Blick bleiben wollen. Ohne künstliche Intelligenz würde das inzwischen nur noch mit großem Aufwand funktionieren.

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Künstliche Intelligenz im System

Die künstliche Intelligenz war einer der Schwerpunkte auf der Messe. Bei Greenflash steckt sie schon im Produktnamen. Mit Greencore AI haben Industrie- und Gewerbebetriebe die Möglichkeit, ihre Energieströme zu steuern und zu verwalten. Dabei übernimmt das Energiemanagementsystem die Abstimmung zwischen Solarstromerzeugung, Marktpreisen und Verbrauch. Die Unternehmen können so immer die günstigste Versorgung bekommen, ohne dass Produktions- oder andere Prozesse in Mitleidenschaft gezogen werden.

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Auf das Segment des Mieterstroms für Gewerbeimmobilien hat sich Node Energy spezialisiert. Das Unternehmen hat auf der Messe sein gesamtes Portfolio für die gemeinschaftliche Nutzung von Solarstrom vorgestellt. Mit Optinode gelingt der Aufbau, die Messung und die Verwaltung der Energieströme in der Immobilie. Auch die Abrechnung der Strommengen und die Direktvermarktung von überschüssigem Strom gelingen mit der Plattform.

Erlöse im Blick behalten

Neu vorgestellt hat das Unternehmen auch eine Erweiterung seines Angebots für die kaufmännische Betriebsführung von Ökostromanlagen. Denn neben der Aufzeichnung von Finanzströmen und der Abrechnung von Stromsteuer oder kommunalen Beteiligungen enthält Optinode jetzt auch ein Erlösmonitoring. Dadurch verringert sich der buchhalterische Aufwand für die Anlagenbetreiber weiter. Denn diese müssen nicht mehr auf branchenfremde Buchhaltungssoftware zurückgreifen, sondern bekommen ein Programm, das speziell auf die Bedürfnisse der Energiebranche zugeschnitten ist.

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Der Erlössituation von Speichern in Kombination mit Solar- oder Windkraftanlagen hat sich Energy2Market angenommen. Das Unternehmen hat seinen neuen Co-Location-Index vorgestellt. Dieser zeigt, welch Mehrerlöse durch die Integration von Speichern in die Solaranlage an den verschiedenen Märkten möglich sind. Wichtig ist hier die Betriebsstrategie. Mit dem Index bekommen die Anlagenbetreiber eine Vergleichsgröße, um diese Strategie entsprechend auszurichten.

Auf die Gesundheit des Speichers achten

Dabei ist es wichtig, den Status des Speichers im Blick zu behalten. Dazu hat Socomec für seine gewerblichen Speicher ein Monitoringportal entwickelt. Solive Pro analysiert mit künstlicher Intelligenz den Zustand der einzelnen Batterien in Echtzeit. Das Tool erkennt dabei auch unzureichende oder verfälschte Daten, etwa wenn die Verbindung zwischen Monitorinportal und Speicher instabil ist. Dadurch kann das Portal zuverlässige Analysen erstellen. Es errechnet daraus die voraussichtliche Restlebenszeit des Speichers anhand der vorgesehenen Ladezyklen und gibt Warnhinweise aus, wenn die errechnete nicht mit der vorgesehenen Lebensdauer übereinstimmt.

Bidirektionales Laden ab Sommer

Ein weiterer Schwerpunkt der Messe ist auch die Kopplung der verschiedenen Sektoren. So standen bei Huawei Fusion Solar nicht die neuesten Wechselrichter oder Speicher im Mittelpunkt, sondern vor allem die Ladeinfrastruktur für Elektroautos. In diesem Bereich wird vor allem das bidirektionale Laden als Thema wichtiger. So hat Octopus Energy auf der Messe gemeinsam mit Ford das bidirektionale Laden für Privatkunden in Deutschland eingeführt.

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Ab Sommer 2026 können Besitzer eines neuen Ford Capri oder Ford Explorer ihr Fahrzeug als Stromspeicher nutzen. Dazu werden die Fahrzeuge an der heimischen Wallbox bevorzugt in Zeiten geladen, in denen der Strom günstig ist. Das Auto gibt den Strom wieder ab, wenn er besonders wertvoll ist – zum Beispiel am frühen Abend, wenn große Nachfrage herrscht. Damit leisten die Autobesitzer nicht nur einen Beitrag zur Energiewende. Sie können auch die Kosten für ihren Fahrstrom drastisch senken. Nach Angaben von Octopus Energy im Idealfall auf Null bei einer Fahrleistung von bis zu 16.000 Kilometern pro Jahr.

Übersetzer zwischen digitalem Netz und analogem Gerät

Aber auch die Sektorkopplung im Gebäude wird immer wichtiger. Denn so können Hauseigentümer Flexibilitäten anbieten, etwa mit Wallboxen für Elektroautos oder elektrischen Heizsystemen. In diesem Bereich spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Der Aufbau von intelligenten Messsystemen ist da nur ein Beispiel. Auf der Messe waren viele Anbieter von Smart Metern vertreten und haben ihre Lösungen gezeigt. Das umfangreiche Angebot zeigt: Der Smart-Meter-Rollout ist längst kein technisches Problem mehr.

Trotz Digitalisierung kommunizieren aber viele bestehende Anlagen und Komponenten wie Wechselrichter von Solaranlagen, Wärmepumpen oder andere flexible Erzeuger noch analog und sind nur über Relais-Eingänge steuerbar. Der Spezialist für elektrische Verbindungstechnik Weidmüller hat dafür einen EEBUS-Relais-Converter entwickelt und auf der Messe vorgestellt. Er übersetzt den EEBUS-Standard des digitalisierten Netzes wie variable Tarife in analoge Schaltsignale.

Zufriedene Besucher und Aussteller

Mit diesem breiten Spektrum an Angeboten für die Energiewende konnte die E-World bei den Besuchern punkten. Eine Umfrage hat ergeben, dass 90 Prozent der Besucher auch im nächsten Jahr kommen werden. Für das kommende Jahr ist weiteres Wachstum vorgesehen. Die nächste E-World, die vom 16. bis 18. Februar 2027 in der Messe Essen stattfindet, wird um die Messehallen 7 und 8 sowie den Eingang Ost erweitert. Damit schaffe die Messe Raum für das Zukunftsthema der resilienten Infrastruktur. Dort werden Lösungen für widerstandsfähige Energie- und Infrastruktursysteme gezeigt – von IoT und Sensorik über IT-Security bis zu Robotik.

Auch das Interesse der Aussteller ist groß – verständlicherweise, nachdem die Messehallen an allen drei Tagen sehr gut besucht waren. Laut Messeveranstalter geben 95 Prozent der Aussteller an, auch an der E-World 2027 teilzunehmen. (su)