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Fünf Mal mehr als bestellt: Was Werke für PV und Seewind liefern könnten

Weltweit nahmen die grenzübergreifenden Lieferungen an Anlagentechnik für Batteriespeicher, Wind- und Solaranlagen und zugehöriger Netzausrüstung trotz Handelsbeschränkungen und Anti-Energiewende-Maßnahmen 2025 um wieder ein Prozent zu. Das stellt die internationale Marktexpertisegesellschaft Bloomberg New Energy Finance (Bloomberg NEF) anhand den von ihr verrechneten Exportumsätzen fest. Demnach haben die herstellenden Unternehmen im vergangenen Jahr Produkte der „Sauberen Energien“ – „Clean Energy products“ – im Wert von 479 Milliarden Dollar verschifft oder sonstwie an Abnehmer über internationale Grenzen hinweg ausgebracht.  

Die am Hauptsitz London von Bloomberg NEF herausgegebene Bilanz Energy Transition Supply Chain 2026 hält fest, dass dies einem einprozentigen Zuwachs des Warenwertes der international ausgebrachten „Clean-Tech“-Produkte, Batterie-Metalle und Stromnetzausrüstung im Vergleich zum Vorjahr 2024 gleichkomme. Das Wachstum kehrt einen Negativtrend aus dem Jahr zuvor um: 2024 waren die entsprechenden Warenexporte noch im Vergleich zu 2023 um sieben Prozent zurückgegangen, stellt der Bloomberg-Bericht fest.

Die zunehmenden Warenströme für die globale Energiewende sei in vielen Ländern auch eine Folge bereits aus dem aktuellen Irankrieg, weil sich diese Länder gegen ihre Abhängigkeit von fossilen Energiequellen aus konfliktbedrohten Regionen nun unabhängiger mit einer modernen Erneuerbare-Energien-Infrastruktur ausstatten wollten. Pakistan habe sogar schon 2022, im ersten Jahr des Ukrainekriegs, die Importe von Solarmodulen um 189 Prozent auf eine Milliarde Dollar gesteigert – und alleine 2025 bei den Einbauten kleiner Photovoltaikanlagen einen Jahreswert der neuen Erzeugungskapazitäten von 18,9 Gigawatt erreicht.

Dennoch bleiben Überkapazitäten offenbar ein Problem der Energiewende-Technik produzierenden Industrie. Und nicht nur die sprichwörtlichen übergroßen chinesischen Kapazitäten wirken sich hierbei aus. Zunehmend mache sich zum Beispiel im Solarbereich ein Ausbau von Produktionskapazitäten auch außerhalb Chinas in Südostasien, in Indien und in der Türkei sowie sogar Ägypten und Äthiopien als deutlich marktwirksamer Faktor bemerkbar, urteilen die Bloommberg-NEF-Analysten: „Der Ausbau der Produktionskapazitäten außerhalb Chinas verschärft derzeit das weltweite Überangebot“, lautet ihr Fazit. Haupttreiber bleibt allerdings ohne Zweifel das „chinesische Überinvestment“ in Produktionsanlagen für Erneuerbare-Energien-Technik – in Kapazitäten weit über den Bedarf des nationalen chinesischen Marktes und der heutigen Exporte hinaus.

Mittlerweile erreichen die Überkapazitäten quer über alle führenden Erneuerbaren-Technologien hinweg die 200-Prozent-Schwelle: Die ausgebauten industriellen Fähigkeiten sind also bereits groß genug, um das Doppelte des von Investoren aller Art nachgefragten Volumens an Erzeugungs-, Speicher- und Verteilungsanlagen für grünen Strom zu liefern: Bei Batterien haben die Kapazitäten einen Wert von 200 Prozent nun erreicht, bei Maschinenhäusern für Windenergieanlagen an Land sind es noch rund 180 Prozent, bei Offshore-Windenergieanlagen können die Werke aber bereits weit mehr als das Fünffache des aktuellen Ausbaus beliefern. Und alle Produktionsabschnitte für Photovoltaikmodule sind entlang ihrer Wertschöpfungskette durchweg mit deutlich mehr als 200 Prozent über-abgedeckt: das Polysilizium als Ausgangsstoff für die Solarsysteme, die Wafer als Grundplatten, die ausgearbeiteten Solarzellen und die Module selbst.

Bemühungen der sogenannten westlichen Industrieländer wie insbesondere die USA und Länder in Europa ihre bereits verlorenen Marktanteile durch eine Rückverlagerung von Produktionen mittels vieler staatlicher und gesetzlicher Eingriffe in die heimischen Märkte fruchten zugleich wenig, wie die Analyse ergibt. Die weltweite Konkurrenzfähigkeit der USA und Europas nimmt demnach nicht zu. Die hier erweiterten Produktionskapazitäten seien nur auf „nachgelagerte Bereiche“ konzentriert. Weil die Politik zudem bisher klare und stabile Rahmenbedingungen nicht bereitstelle und die heimische Nachfrage nach grünem Strom nicht so rasch zunehme wie erwartet, verzögerten sich angekündigte Projekte.

Die Überkapazitäten lassen gleichwohl die Preise für Erneuerbare-Energien-Anlagen nicht mehr so wie in den vergangenen Jahren fallen. Die Preise für Onshore-Windenergieanlagen stiegen sogar, weil die Windturbinenbauer mit etwas höheren Preisen nun vorangegangene Verluste auszugleichen versuchten.