Keine Vogelkollision in 19 Monaten – dies ist das Ergebnis einer Monitoring-Studie, die der Energieversorger Vattenfall im schottischen Offshore-Windpark Aberdeen durchgeführt hat. Dabei sei eine hochauflösende Kamera zum Einsatz gekommen, die auf einer Turbine installiert war, um so die Flugbewegungen von Vögeln rund um die benachbarte Turbine zu erfassen, heißt es in einer Presseinformation von Vattenfall.
Vieoaufnahmen wurden per KI und manuell ausgewertet
Die Kamera sei während etwa 95 Prozent der Tageslichtstunden in Betrieb gewesen und habe automatisch Vögel erkannt und verfolgt, die das Sichtfeld der Kamera passierten, hieß es weiter. Dabei wurden Flugbahnen, Geschwindigkeiten, Entfernungen und Flughöhen aufgezeichnet. Mithilfe von KI-gestützter Analyse und umfangreicher manueller Prüfung wurden Videoaufnahmen dann ausgewertet. Dabei habe sich bestätigt, dass Seevögel den Offshore- zuverlässig auswichen.
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Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich von Juni 2023 bis Dezember 2024. Die installierte Technik dokumentierte insgesamt 2.007 Flugbahnen von Vögeln in der Nähe der überwachten Anlage. Fünf Flugbahnen seien zunächst als potenzielle Kollisionen eingestuftworden, so Vattenfall. Nach genauer Überprüfung habe sich jedoch herausgestellt, dass keine davon eine tatsächliche Kollision darstellte. In den meisten Fällen befanden sich die Vögel in deutlichem Abstand zur Anlage oder zeigten natürliche Verhaltensweisen wie das Tauchen nach Nahrung.
Statistisch waren 0,002 Kollisionen zu erwarten
Berechnungen auf Grundlage der beobachteten Vogelaktivität zeigten, dass über den gesamten Zeitraum von 19 Monaten statistisch nur etwa 0,002 Vogelkollisionen zu erwarten gewesen wären, so Vattenfall. Dieser Wert liege deutlich unter den Prognosen aus der Zeit vor dem Bau des Windparks. In der damaligen Bewertung wurde angenommen, dass jede Turbine im Durchschnitt 8,54 Kollisionen pro Jahr verursachen könnte, was für denselben Zeitraum von 19 Monaten rund 13,5 Kollisionen entsprochen hätte.
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Die Resultate stünden im Einklang mit früheren Radar-, Kamera- und GPS-Tracking-Untersuchungen in Aberdeen, heißt es vom Energieversorger. Diese zeigten, dass Seevögel Windenergieanlagen in der Regel bereits in einer Entfernung von etwa 100 bis 200 Metern ausweichen. Dieses natürliche Ausweichverhalten gilt inzwischen als ein zentraler Faktor für die niedrigen Kollisionsraten.
Offshore-Windparks: Nur geringes Risiko für die Tierwelt
„Die Ergebnisse aus der Aberdeen Bay zeigen, dass moderne Offshore-Windparks mit geringem Risiko für die Tierwelt betrieben werden können – insbesondere dann, wenn sie durch belastbares Monitoring unter realen Bedingungen begleitet werden“, sagt Eva Julius-Philipp, Director Environment and Sustainability Wind bei Vattenfall.
Ask Helseth, Chief Executive Officer des an der Studie beteiligten Biodiversitätstechnologie-Unternehmens Spoor, betonte, die Studie zeige, welchen Wert langfristiges Monitoring unter realen Bedingungen habe. „Durch die Kombination aus KI-gestützter Erkennung und detaillierter fachlicher Auswertung können wir Annahmen durch konkrete Beobachtungen ersetzen und tatsächliches Verhalten im unmittelbaren Umfeld von Windenergieanlagen messen.“