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Wärmeschutz nachrüsten

Aufs Klima der Zukunft vorbereitet

Als zu Anfang des Jahres im Südwesten Berlins nach einem Sabotageakt der Strom ausfiel, bei Minustemperaturen und je nach Standort für bis zu vier Tage, hatten vor allem Bewohner von schlecht oder gar nicht gedämmten Gebäuden zu leiden. Zum einen froren sie, zum anderen hatten sie Angst, dass die Wasserleitungen platzen [1]. In Gebäuden mit einer zeitgemäßen Wärmedämmung hielten sich dagegen gut erträgliche Temperaturen [2]. Auch Florian Maiwald vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) kam im Podcast GEBäudewende des Gebäude-Energieberater zum Thema Wärmeschutz im Januar auf den Berliner Stromausfall zu sprechen – um zu verdeutlichen, dass es bei der Wärmedämmung nicht nur um das Einsparen von Heizenergie geht, sondern auch um Klimaresilienz und Krisenfestigkeit [3].

Der Baubestand: Weit weg von den Reduktionszielen

Im Allgemeinen ist die energetische Qualität des Baubestandes in Deutschland bescheiden. Der überwiegende Teil der Gebäude, ungefähr 60 Prozent, wurde vor 1979 und damit vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet (Abb. 2). Der Treibhausgasausstoß des Gebäudesektors machte 2025 immer noch 103,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus, zirka ein Sechstel der gesamten inländischen THG-Emissionen. [4]. Eine der Ursachen ist die zögerliche Umsetzung von Effizienzmaßnahmen, und nur ein Indikator ist der zurückgehende Absatz von Wärmedämmverbundsystemen (Abb. 3) [5].

Noch weiter weg von den Klimazielen wird die Abschaffung des § 71 GEG und damit der 65-Prozent-Regel führen. Soll der Bestand bis 2030 wieder auf dem Zielpfad sein, müsste die Sanierungstätigkeit intensiviert werden, das hat das Forschungsinstitut für Wärmeschutz errechnet. Neben den Einzelmaßnamen – etwa Dämmung von Dach, Fassade oder Kellerdecke – muss auch die Zahl der Vollsanierungen erheblich gesteigert werden. Sie lag 2025 bei 260.000 Wohneinheiten, 2026 müssten zusätzlich 190.000 erfolgen, 2029 müssten es insgesamt ungefähr 695.000 Vollsanierungen sein [6].

Wärmeschutz- und Effizienzvorgaben

Nicht nur wegen der Streichung des § 71 hat das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) Kritik auf sich gezogen. Auch der Wärmeschutz des Referenzgebäudes wird bemängelt. Es stammt aus dem Jahr 2009, mit einem U-Wert der Außenwände von 0,28 W/(m²K), des Daches oder der obersten Geschossdecke zum unbeheizten Dachgeschoss von 0,20 W/(m²K) und der Fenster von 1,30 W/(m²K). In der Praxis werden diese Marken längst ohne Aufwand unterboten. Da das GModG stufenweise in Kraft tritt, gilt bis Ende des Jahres noch, dass der Primärenergiebedarf des realisierten Gebäudes höchstens 55 Prozent desjenigen des Referenzgebäudes ausmachen darf. Ab dem 1. Januar 2027 wird es dann interessant, denn dann gilt das GModG-Referenzgebäude als „baubar“, kann exakt so umgesetzt werden.

Für Altbauten bestehen wie zuvor die nicht sehr strengen Nachrüstpflichten. Es müssen die Warmwasser- und Heizleitungen in unbeheizten Räumen nach Vorgaben der Anlage 8 des Gesetzes gedämmt werden, außerdem zugängliche oberste Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen, auch wenn sie nicht begehbar sind, oder – ist das nicht möglich – die Dächer selbst, jeweils nach Anlage 7 GModG. Doch sind Ein- und Zweifamilienhäuser, die vom Eigentümer selbst genutzt werden, von dieser Regel ausgenommen. Erst bei einem Wechsel des Eigentümers müssen die genannten Maßnahmen innerhalb von zwei Jahren erfolgen.

Darüber hinaus bleibt die Verbesserung des Wärmeschutzes wie bisher weitgehend der Initiative des Eigentümers überlassen. Wenn an mehr als zehn Prozent der Fläche eines Außenbauteils Änderungen vorgenommen werden, wenn etwa der Putz erneuert oder Fenster ausgetauscht werden sollen, sind ebenfalls die Mindest-U-Werte der Anlage 7 gefordert (geltend für Wohngebäude und Zonen von Nichtwohngebäuden mit einer Raum-Solltemperatur ≥ 19 °C):

  • Außenwände 0,24 W/(m²K)
  • Fenster 1,30 W/(m²K)
  • Dachflächenfenster 1,40 W/(m²K)
  • Dachschrägen beziehungsweise Steildächer 0,24 W/(m²K)
  • Flachdächer 0,20 W/(m²K)
  • Wände/Decken gegen unbeheizte Keller 0,30 W/(m²K)
  • Decken nach unten gegen Außenluft 0,20 W/(m²K)

Wer anstatt der Einzelmaßnahmen eine Vollsanierung in Angriff nimmt, der muss sich dabei am Referenzgebäude orientieren. Der Jahresprimärenergiebedarf QP eines sanierten Gebäudes darf bis Ende 2029 das 1,4-fache des Wertes des Referenzgebäudes nicht überschreiten, der Transmissionswärmeverlust HT’ der Gebäudehülle darf nicht mehr als das 1,4-fache der Werte des Referenzgebäudes betragen. Ab 2030 darf dann zwar Qp nach Sanierung das bis zu 1,6-fache desjenigen des Referenzgebäudes ausmachen, doch soll zugleich das Nullemissionsgebäude Standard werden, was die Bewertung auf eine neue Grundlage stellt.

Dämmverfahren für Dach und Außenwand

Die wirkungsvollste Form des Wärmeschutzes ist die umfassende Außendämmung. Steildachkonstruktionen können auf, zwischen und unter den Sparren gedämmt werden beziehungsweise in Kombination, vor einer Aufsparrendämmung muss allerdings vorübergehend die Dacheindeckung abgenommen werden. Zwischensparrendämmung kann mit Dämmmatten oder mit Einblasdämmstoffen erfolgen. Ist die bestehende Dämmschicht zwischen den Sparren noch intakt, aber zu dünn, ist die neue Aufsparrendämmung eine sinnvolle Ergänzung.

Für ältere Flachdächer, die häufig als belüftete Dächer ausgeführt wurden, hat sich die Umwandlung in sogenannte Kombidächer bewährt. Der Luftraum wird mit einer Einblasdämmung komplett verfüllt, zusätzlich wird oben auf die Schalung und Abdichtung eine feuchteunempfindliche Hartschaumdämmung aufgelegt, zum Beispiel Hartschaum aus extrudiertem Polystyrol (XPS) [7].

Außenwände von Wohngebäuden wurden in Deutschland überwiegend massiv, mineralisch und einschalig ausgeführt, aus Vollziegeln, später Hochlochziegeln, daneben Kalksandsteinen, die Wärmeverluste sind hoch. Für Abhilfe sorgen kann ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS), aus den Komponenten Kleber, Dübel, Dämmplatten, Unterputz mit Armierungsgewebe und abschließend Oberputz. Als Dämmmaterialien üblich sind Platten aus expandiertem Polystyrol (EPS), daneben Mineralfaser- oder Holzfaserplatten. Diese Komponenten müssen aufeinander abgestimmt sein und besitzen jeweils nur als System eine Zulassung. Als Alternative kommt die Außendämmung hinter einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) in Frage.

Eine jüngere Variante der Außendämmung sind Dämmputze. Sie ermöglichen es, auch auf sehr unregelmäßigen Untergründen, wie beispielsweise Bruchsteinwänden, einen ausreichenden Wärmeschutz zu schaffen. Wirksamkeit und Kosten hängen von der Art der Dämmstoffe im Putz ab. Als Zusätze werden unter anderem EPS-, Perlit- oder Hohl­glaskügelchen verwendet, ebenso die recht teuren, aber hochdämmenden Aerogele.

Das Aufbringen einer Außendämmung in der Fläche ist unkompliziert, Detailplanung und besondere Sorgfalt bei der Ausführung sind jedoch an den Unterbrechungen der Fassade geboten, beispielsweise an den Anschlüssen zu Fenstern und Fensterbänken und an den Rollladenkästen. Muss die Außendämmung dicker ausfallen, ist eventuell eine Vergrößerung des Dachüberstandes notwendig.

Hohlräume nutzen mit der Einblasdämmung

Zweischalige Außenwände mit Luftschicht wurden ab dem Ausgang des 19. Jahrhunderts vor allem im Norden Deutschlands errichtet. Sie bieten die Möglichkeit der Kerndämmung, der Verfüllung des Luftraums mit einer feuchteunempfindlichen Schütt- oder Einblasdämmung [8]. Sie kann mit einer Außendämmung, wie etwa mit einem WDVS, ergänzt werden.

Achtung: Beschränkt man sich auf die Dämmung von außen, hat die aufgrund der Luftbewegungen im Hohlraum nur eine eingeschränkte oder kaum eine Wirkung. Mit Einblasdämmstoffen lassen sich darüber hinaus weitere Hohlräume im Gebäude aufwandarm für den Wärmeschutz nutzbar machen, wie zum Beispiel im Dachgeschoss die Drempel, die Räume zwischen Traufseite und Drempelwand.

Breite Palette an Dämmstoffen verfügbar

Die verschiedenen Dämmstoffe lassen sich stark vereinfacht in drei Gruppen unterteilen: synthetische, mineralische und solche aus nachwachsenden Rohstoffen. Die synthetischen, wie EPS, XPS oder Polyurethan-Hartschaum (PUR), haben hervorragende Dämmeigenschaften, gelten jedoch vielen Laien als in ökologischer Hinsicht problematisch. Oft entscheidet am Ende dann doch der Preis im Verhältnis zur Dämmleistung, weswegen EPS am häufigsten verwendet wird.

Mineralische Dämmstoffe wie Stein- und Glaswolle kommen bevorzugt dort zum Einsatz, wo der Brandschutz eine größere Rolle spielt. Stehen Nachhaltigkeitsaspekte im Vordergrund, kommen Dämmungen aus Holzfasern, Flachs-, Hanf- oder Kokosfasern in die Auswahl, auch solche aus Altpapier (in Form von Zelluloseflocken oder -Matten), ebenso aus Seegras oder Schilf. Über das Anwendungsgebiet des jeweiligen Materials gibt die Kennzeichnung nach DIN 4108-10 Auskunft. So steht das Kürzel WAB für eine Außendämmung der Wand hinter Abdeckung, etwa hinter einer VHF, das Kürzel PW für „Außenliegende Wärmedämmung von Wänden gegen Erdreich (außerhalb der Abdichtung)“, also eine druck- und feuchtebeständige Perimeterdämmung. Unabhängig davon müssen die letztlich ausgewählten Dämmstoffe – wie auch die WDVS – immer eine DIBt-Zulassung haben, also das OK des Deutschen Instituts für Bautechnik.

Fehlannahmen und Vorurteile bremsen die ­Modernisierung

Gelegentlich lehnen Kunden mineralische und erst recht synthetische Dämmungen aufgrund des Energieaufwands bei der Herstellung ab. Diese dann ökologisch begründete Haltung schränkt jedoch die Wahlmöglichketen ein und zudem amortisieren sich auch Hartschaum- und Mineralfaserdämmungen aufgrund der erzielten Energieeinsparung energetisch ziemlich schnell, häufig innerhalb weniger Jahre. Maiwald weist im GEB-Podcast außerdem auf die meist übersehene Tatsache hin, dass das Gros der grauen Energie eines Gebäudes in der tragenden Bausubstanz steckt.

Eine ebenso verbreitete Vorstellung ist die, dass Dämmen unwirtschaftlich ist. Das hat auch mit der im Vergleich zum Heizungstausch geringen Förderung zu tun. In welchem Zeitraum sich eine Dämmung bezahlt macht, hängt daneben von weiteren Faktoren ab: dem energetischen Ausgangszustand der Gebäudehülle und den Energiekosten. Nicht zuletzt taucht immer wieder die alte, bauphysikalisch unsinnige Annahme über den angeblich durch Dämmung geförderten Schimmelbefall auf. Auch die Initiative „Praxispfad CO₂-Reduktion im Gebäudesektor“ verbreitet sie: „Umfangreiche Dämmmaßnahmen“ könnten „Probleme wie Schimmelbildung oder schlechtere Belüftung verursachen.“ [9].

Bekommen Effizienzexperten im Beratungsgespräch solche Aussagen zu hören, sollten sie Belehrungen und Fachbegriffe unbedingt vermeiden, sondern entlang der Lebenswelt der Betroffenen von Luftfeuchte und Feuchteniederschlag an kalten Wänden sprechen.

Absicherung gegen Extremwetterereignisse

Dass Dämmung vor Kälte schützt und bei Ausfall der Heizung im Winter mehr als nur ein Komfortplus bedeutet, muss man so gut wie niemandem mehr erklären. Dämmung hält aber genauso in der „schönen Jahreszeit“ die Wärme draußen, zusammen mit einer funktionierenden Verschattung, was die Bewohner derart ausgerüsteter Häuser im Sommer 2026 erfahren konnten. Abgesehen von der Energieeinsparung, kann sie damit das Gebäude auch auf die an Zahl und Intensität zunehmenden Extremwetterereignisse vorbereiten.

Quellen

[1] RBB 24, Stromausfall und Kälte: Worauf Sie bei Heizungen und Wasserrohren achten sollten, 6.1.2026, https://t1p.de/GEB260840

[2] WiWo, Stromausfall: Hurra, wir leben noch im Berliner Südwesten, 5.1.2026, https://t1p.de/GEB260841

[3] Podcast GEBäudewende, Nr. 44, 22.01.2026, Dämmung – zentraler Baustein für die Wärmewende, https://t1p.de/GEB260842

[4] Dena-Gebäudereport 2026, Update September, S. 71, https://t1p.de/GEB260843

[5] Dena-Gebäudereport 2026, Update September, S. 31

[6] Empl, Benedikt, A. H. Holm, K. Lohr, Folgen der Abschaffung von § 71 GEG und Kompensationspotenzial, FIW-Forschungsbericht im Auftrag des Bundesverbandes Energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG), S. 11, https://t1p.de/GEB260844

[7] GEB 05-2026, Vom Kaltdach zum Kombidach: Gut aufgelegt, https://t1p.de/GEB260845

[8] GEB 01-2026, Feuchteverhalten von zweischaligem Mauerwerk: Das Trocknungswunder, https://t1p.de/GEB260846

[9] Initiative Praxispfad, Gebäudesanierung – Warum der aktuelle Ansatz scheitert, https://t1p.de/GEB260847

Weiterführende Informationen

Dena: Praxisleitfaden Kommunikation in der Energieberatung. https://t1p.de/GEB260850

Fachverband Innendämmung: https://fvid.de

Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW): Technologien und ­Techniken zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden durch Wärmedämmstoffe. Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte – Anwendungen – Innovationen. https://t1p.de/GEB260848

Gebäudeforum klimaneutral: Gebäudehülle optimieren: ­Praxis-Checklisten für Planung und Ausführung (von u. a. hinterlüfteten ­Vorhang­fassaden, Wärmedämm-Verbundsystemen, Fenstern). https://t1p.de/GEB260849

Institut für preisoptimierte energetische Gebäudemodernisierung (IPEG): Dämm-Atlas. Überblick Dämmverfahren und Dämmstoffe. www.daemmatlas.de

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