2024 stellt erneut ein Rekordjahr für den Energieberatungsmarkt dar. Das Marktvolumen wuchs kräftig auf geschätzte 2,3 Milliarden Euro. Das hat die aktuelle Marktstudie für Energiedienstleistungen der Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ergeben. Sie berechnet jährlich das Marktvolumen auf der Basis von Befragungsdaten. Doch eine neue Methodik erfordert für 2024, erstmals eine Korrektur der tatsächlichen Arbeitszeit für Energieberatung vorzunehmen. Dadurch ergibt sich ein Mindestmarktvolumen von nur noch 1,3 Milliarden Euro.
Der Markt für Energiedienstleistungen – insbesondere der Teilmarkt für Energieberatungen und Energieaudits – wandelt sich beständig. Er reagiert auf äußere Entwicklungen wie wechselnde Regierungen und Regelungen, auf technische Innovationen oder sich verändernde Energiepreise. Außerdem beeinflussen ihn intern neue Akteure, neue Arbeitsweisen und neue Geschäftsfelder.
Mit ihrer jährlichen Marktstudie zeigt die BfEE die wichtigen Entwicklungen auf und stellt Daten für Wirtschaft und Politik bereit. Kern der jährlichen Marktstudien sind umfangreiche Befragungen der Angebots- und Nachfrageseite. Für 2024 führte die BfEE im vergangenen Jahr über 7.000 telefonische und schriftliche Interviews durch. Zu den Teilnehmenden der Befragungen gehörten über 1.200 Energieberaterinnen und Energieberater, die wesentliche Erkenntnisse für die Abschätzung der folgenden Marktkennzahlen lieferten.
Mehr Akteure, kräftiges Wachstum, niedrigere Preise
Für das Marktjahr 2024 zeigten die Befragungsdaten wie in den vergangenen Jahren ein kräftiges Wachstum auf ein abgeschätztes Marktvolumen für Energieberatungen und -audits von rund 2,3 Mrd. Euro (Abb. 1). Gegenüber den Entwicklungen früherer Jahre ergaben sich deutliche Veränderungen. Das Wachstum basierte auf einer Erhöhung der Zahl der im Markt Aktiven und der Beratungen pro Vollzeitstelle für fast alle Beratungsformen.
Die Zahl der im Markt Aktiven muss für die Berechnung des Marktvolumens festgelegt werden. Da es keine bundesweit einheitliche Definition für Energieberatung und das Berufsbild des Energieberaters gibt, fehlen verlässliche Statistiken über die Zahl der Aktiven. Die Marktstudie behilft sich mit der Zahl der Beraterinnen und Berater, die in den vergangenen Jahren einen Antrag für eine bundesgeförderte Energieberatung gestellt haben und daher ohne Zweifel im relevanten Zeitpunkt tatsächlich im Markt tätig waren.
Zusätzlich werden alle registrierten Energieauditorinnen und -auditoren als Aktive gerechnet. 2024 stieg ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr um mehr als 2.000 Personen auf 17.900. Und diese Aktiven, das zeigen die Befragungsdaten, haben gerechnet auf eine Vollzeitstelle mehr Beratungen durchgeführt als im Vorjahr. Entsprechend ergeben sich in der Berechnung des Marktvolumens deutlich höhere Beratungszahlen und in der Folge höhere Umsätze.
Entgegen dem Trend der vergangenen Jahre ergaben die Befragungen aber, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise im Marktjahr 2024 gesunken sind. Das wirkte sich dämpfend auf das Marktwachstum aus. Die Preisrückgänge zeigen sich über alle betrachteten Beratungsformen (Abb. 2).
Bei der Marktstudie handelt es sich um keine tiefgehende Evaluation. Sie liefert keine eindeutigen Begründungen für das Sinken der Verkaufspreise. Es gibt aber Hinweise aus der Befragung der Nachfrageseite. Dort waren keine deutlichen Bewegungen bei den Kosten für Energieberatungen oder -audits genannt worden. Diese Beobachtung passt zu Äußerungen bei der Präsentation der Marktkennzahlen im vergangenen Oktober in Berlin, wo anwesende Expertinnen und Experten auf ein komplexes Marktumfeld hinwiesen. Demnach war die Nachfrage 2024 zwar hoch, durch Kürzungen bei den Förderprogrammen entstand jedoch ein Preisdruck und insbesondere für neu in den Beruf einsteigende Kolleginnen und Kollegen ohne entwickeltes Netzwerk gestaltete sich die Kundenakquise trotz hoher Nachfrage herausfordernd.
Infolge der beobachteten Rückgänge der Verkaufspreise ergaben sich für die meisten der untersuchten Beratungsformen niedrigere Werte bei den errechneten resultierenden Stundensätzen. Diese ergeben sich aus den Befragungsdaten zu den Verkaufspreisen und den durchschnittlichen Zeitaufwänden pro Beratungsfall. Eine Ausnahme bildeten die kürzeren Energiechecks für Wohngebäude, wo der Aufwand pro Beratung gesunken ist und damit die geringeren Verkaufspreise kompensiert werden konnten (Abb. 3).
Die Stimmung bessert sich
Das herausfordernde Marktumfeld im Jahr 2024 war von den befragten Akteuren im Jahr zuvor bei der Frage zum Marktausblick bereits befürchtet worden. Hatten sich die Jahre zuvor hohe Wachstumserwartungen für das jeweils nächste Jahr gezeigt – teilweise rechneten über 90 Prozent der Befragten mit wachsenden Märkten – fiel die Prognose für 2024 deutlich geringer aus: Bei Energieberatungen für Privathaushalte rechnete weniger als die Hälfte der Befragten mit einem Zuwachs.
Politische Umbrüche und die Ungewissheit in Bezug auf die Förderung und die gesetzlichen Rahmenbedingungen dürften dazu beigetragen haben. Der Ausblick auf das Marktjahr 2025 dagegen ist wieder positiver ausgefallen als im Vorjahr. Die Anbieter beurteilen die Marktchancen für alle Energieberatungen optimistischer und rechnen überwiegend mit einem weiteren Wachstum (Abb. 4).
Neue Methodik führt zu bereinigtem Marktvolumen
Bereits seit Beginn der Marktstudie sind die Fragen, was wir als Energieberatung verstehen und in der Konsequenz, wer im Markt aktiv ist, methodische Herausforderungen. Wie bereits geschildert, nutzt die Marktstudie in Ermangelung klarer Definitionen und Berufsstatistiken Daten aus der geförderten Beratung. Damit wurden und werden zwangsläufig Beratungen und Akteure ausgeschlossen, obwohl sie aktiv in Deutschland Energieberatungen anbieten und durchführen.
Die für die einzelnen Jahre aus den Befragungsdaten errechneten Marktvolumina wurden als Mindestwerte verstanden. Als Ausgleich für die Abgrenzung – und mangels zusätzlicher Daten – wurden die tatsächlich in der Marktstudie angesetzten Akteure als Energieberaterinnen und Energieberater definiert, die beruflich ausschließlich Beratungen durchführen.
In den methodischen Debatten der vergangenen Jahre verfestigte sich der Eindruck, dass die ursprünglich angesetzte konservative Schätzung eines Mindest-Marktvolumens sich aufgrund des Bedeutungsgewinns der geförderten Beratung eher in eine Überschätzung der Zahl der Aktiven entwickelt hat. Daraus hat sich für die Marktstudie 2024 eine methodische Neuerung ergeben. Bei der Anbieter-Befragung 2025 wurde eine Frage zum tatsächlichen Umfang der Energieberatung in Bezug auf die Arbeitszeit ergänzt. Er liegt im Mittel bei rund 55 Prozent.
Mit diesem Anteil kann das Marktvolumen bei der geförderten Energieberatung bereinigt werden (Abb. 5). Die ursprüngliche Methode der Abschätzung wurde beibehalten, um die Zeitreihen-Perspektive zu ermöglichen, aber die neue Bereinigung ergänzt das Bild des Marktvolumens. Nach der engeren Betrachtungsweise ergibt sich nun ein Marktvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro, das jetzt wieder deutlich einen Mindestwert darstellt. Die neue Kennzahl wir auch in den kommenden Marktstudien erhoben und im zeitlichen Verlauf kann die Methodik der Bereinigung des Marktvolumens fortgesetzt und weiter verfeinert werden.
Auch zukünftig werden methodische Anpassungen an laufende Entwicklungen notwendig sein. Beispielsweise muss der Umgang mit Online-Beratungen im Zuge verbesserter Tools und von KI-Unterstützung immer wieder neu bewertet werden. Bisher werden Beratungstools ohne direkte Interaktion zwischen Ratsuchenden und (menschlichen) Energieberaterinnen und Energieberatern wie etwa Heizkostenrechner oder Gebäudechecks zur Nutzung von Wärmepumpe nicht als für das Marktvolumen relevante Energieberatung gerechnet.
Quelle: BfEE/BAFA Marktstudie 2025
Quelle: BfEE/BAFA Marktstudie 2025
Quelle: BfEE/BAFA Marktstudie 2025
Quelle: BfEE/BAFA Marktstudie 2025
Quelle: BfEE/BAFA Marktstudie 2025
Ergebnisse 2024 und Befragung 2025
Marktstudie 2024: Am 14. Oktober 2025 fand die Präsentation der Kennzahlen für das Marktjahr 2024 in Berlin statt. Schwerpunktthema neben den Marktkennzahlen war Abwärme. Die Präsentationen der Veranstaltung sind unter https://t1p.de/geb260661 verfügbar. Der Ergebnisbericht ist veröffentlicht unter https://t1p.de/geb260662.
Marktstudie 2025: Unsere Anbieterbefragung für das Marktjahr 2025 läuft aktuell noch. Nehmen Sie gerne unter https://t1p.de/geb260663 teil.
Die Präsentation der Ergebnisse des Marktjahres 2025 findet am 4. November 2026 in Berlin statt. Wir freuen uns über Ihre Anmeldung unter https://t1p.de/geb260664. Der Ergebnisbericht wird dieses Jahr erstmalig vor der Ergebnispräsentation veröffentlicht.
Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal für die großartige Beteiligung aus der Energieberatungs- und Energieauditcommunity bedanken, die uns schon viele Jahre aktiv begleitet.
GEB Podcast Gebäudewende
Hören Sie zum Thema auch unseren Podcast #40: KI in der Energieberatung
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Wer tiefer einsteigen will: In unserem GEB-Themenportal Energieberatung finden Sie eine umfassende Sammlung an Fachbeiträgen, Praxisberich- ten, Interviews und News – kompakt gebündelt und laufend aktualisiert.