Der Ausbau der Windenergie in Bayern nimmt nach jahrelangem Stillstand vielleicht bald Fahrt auf. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie hat unverbindliche Orientierungswerte für die Windenergie-Teilflächenziele (TFZ) bis 2032 vorgelegt. Parallel erhält Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger Unterstützung von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die eine von ihm vorgeschlagene Sonderausschreibung für zusätzliche 5.000 Megawatt Windenergie ausdrücklich begrüßt.
Windenergie in Bayern: Regionale Teilflächenziele zwischen 1,3 und 2,1 Prozent
Die neuen Teilflächenziele 2032 für die 18 bayerischen Planungsregionen liegen zwischen 1,3 und 2,1 Prozent der jeweiligen Regionsfläche. Sie gelten als unverbindliche Orientierungs- und empfohlene Mindestwerte, bis sie endgültig im Landesentwicklungsprogramm (LEP) festgeschrieben werden. Grundlage der Modellverteilung ist eine Potenzialanalyse des Ökoenergie-Instituts Bayern (ÖIB) am Landesamt für Umwelt. Da die Windpotenziale regional stark variieren, entwickelte das Wirtschaftsministerium eine differenzierte fachliche Verteilung. Rechtliche Basis bleibt das Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) des Bundes. Es verpflichtet Bayern, bis Ende 2027 mindestens 1,1 Prozent der Landesfläche auszuweisen, bis Ende 2032 landesweit 1,8 Prozent bereitzustellen. Bis 2027 gilt für alle 18 Regionen ein einheitliches Mindestziel von 1,1 Prozent der jeweiligen Regionsfläche. Werden diese Vorgaben nicht erfüllt, können Windenergieanlagen ohne landes- oder kommunale Steuerungsmöglichkeiten errichtet werden.
Mehr zum Windausbau in den Bundesländern lesen Sie hier
Über 62.000 Hektar neue Windenergiegebiete ausgewiesen
Mehr als die Hälfte der Regionalen Planungsverbände hat in den vergangenen drei Jahren bereits rund 62.540 Hektar neue Windenergiegebiete ausgewiesen. Die Planung erfolgt in kommunaler Trägerschaft und umfasst komplexe Abwägungsprozesse: Neben Windhöffigkeit spielen Aspekte wie zivile Luftfahrt, Denkmalschutz, Netzinfrastruktur sowie die Belastung von Bürgerinnen und Bürgern eine Rolle. Teilweise werden mehrere tausend Stellungnahmen in Beteiligungsverfahren ausgewertet.
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger betont, der Ausbau der Windenergie an verträglichen und möglichst konfliktarmen Standorten bei größtmöglicher kommunaler Akzeptanz sei keine leichte Aufgabe. „Die Regionalen Planungsverbände leisten hier jedoch hervorragende Arbeit.“ Zugleich sorgt die angekündigte Überprüfung der bundesweiten Flächenziele durch die Bundesregierung – die bis 31. Dezember 2032 geltenden Werte sollen nochmals bewertet werden – für Unsicherheit bei Planern und Investoren.
Aktueller Stand der Windenergie in Bayern und Baden-Württemberg
DUH unterstützt Sonderausschreibung für 5.000 Megawatt Windenergie
Rückenwind erhält Aiwanger von der Deutschen Umwelthilfe. Die DUH begrüßt den Vorschlag, im Jahr 2026 eine einmalige Sonderausschreibung für 5.000 Megawatt Windenergie an Land durchzuführen. Ziel ist es, bereits genehmigte Projekte schneller umzusetzen und einen drohenden Ausbau-Stau zu verhindern.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, erklärt, Minister Aiwanger stelle sich zurecht gegen die Blockadepolitik der Bundesregierung, die den gerade in Gang gekommenen Ausbau der Windkraft in Bayern abzuwürgen drohe. „Die vorgeschlagene Sonderausschreibung für zusätzliche 5.000 Megawatt wäre richtig und wichtig, um der Branche Investitionssicherheit zu verschaffen und gleichzeitig den Klimazielen näher zu kommen.“
Kritisch sieht die DUH zudem Pläne aus dem Bundeswirtschaftsministerium, den Netzanschluss für Wind- und Solaranlagen künftig restriktiver zu gestalten. Dies könne den Ausbau erneuerbarer Energien erheblich bremsen.
Planer Ostwind aus Bayern weiterverkauft
Windkraft als Schlüssel für Bayerns Klimaziele
Für Bayern bleibt der Windenergie-Ausbau ein zentraler Baustein zur Erreichung der Klimaziele. Die Kombination aus verbindlichen Bundesvorgaben, regionaler Planungshoheit und zusätzlichen Ausschreibungen soll Planungssicherheit schaffen und Investitionen anreizen.
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter, damit Sie immer gut informiert sind.
Mit den nun vorgestellten Orientierungswerten für 2032 setzt der Freistaat ein klares Signal: Trotz bundespolitischer Unsicherheiten will Bayern den Ausbau der Windenergie weiter strukturieren und beschleunigen – im Schulterschluss mit Kommunen, Wirtschaft und Teilen der Umweltverbände.