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Auf ein Wort

Maslaton: Die Energiewende gehört nicht nur den großen Konzernen

Jüngste Marktbewegungen unterstreichen diese Dynamik eindrücklich: Der britische Öl- und Gasmagnat Shell veräußerte sein europäisches Onshore-Geschäft mit einem Gesamtvolumen von rund vier Gigawatt an den französischen Energiekonzern Totalenergies. Während Shell sein Kapital verstärkt auf das fossile Kerngeschäft rückverlagert, baut Totalenergies sein europäisches Stromportfolio massiv aus. Die Transaktion zeigt eine bemerkenswerte Nuance: Hier übernimmt ein wirtschaftlich etwas kleinerer Großkonzern das Portfolio eines noch größeren Branchenschwergewichts.

Verlust der mittelständischen Basis droht

Dass bei dieser Transaktion ein weltweiter Marktführer an einen – im direkten Vergleich – nachgelagerten Energiekonzern abgibt, ändert am Befund nichts: Der Markt der Erneuerbaren-Energieerzeugung wird letztlich unter wenigen Großakteuren aufgeteilt.

Lesen Sie auch diesen Kolumnen-Beitrag von Martin Maslaton. Diesmal geht es um den Wert von Klimaschutz und Verteidigung.

Dies ist Ausdruck eines tiefgreifenden Strukturwandels in der Energiewirtschaft. Nicht nur Öl- und Gaskonzerne ordnen ihre Strategien neu – auch die Rahmenbedingungen der Energiewende verändern den Markt grundlegend.Die Energiewende droht ihre mittelständische Basis zu verlieren. Gerade in Deutschland wurde der Ausbau der erneuerbaren Energien über Jahrzehnte von unabhängigen Projektentwicklern, Bürgerenergiegesellschaften, Landwirten, Stadtwerken und kommunalen Unternehmen getragen. Diese Vielfalt war ein Erfolgsmodell. Sie sorgte für Wettbewerb, Innovation und regionale Wertschöpfung. Heute entwickeln sich die regulatorischen Anforderungen jedoch in eine andere Richtung. Das neue EEG, verschärfte Finanzierungsanforderungen sowie das geplante Netzanschlusspaket führen dazu, dass Projektentwickler immer höhere Kapitalbeträge über immer längere Zeiträume vorfinanzieren müssen. Netzanschlüsse, Sicherheiten, Genehmigungen und technische Anforderungen binden erhebliche finanzielle Ressourcen, lange bevor eine Kilowattstunde Strom erzeugt wird.

Martin Maslaton, Experte für Rechtsfragen rund um erneuerbare Energien, ist Autor der Kolumne „Auf ein Wort“. 

Maslaton

Martin Maslaton, Experte für Rechtsfragen rund um erneuerbare Energien, ist Autor der Kolumne „Auf ein Wort“. 


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Die zunehmenden Projektübernahmen verdeutlichen diesen Verdrängungsprozess exemplarisch. Die Projekte verschwinden nicht. Sie wechseln lediglich den Eigentümer – und zwar zu einem noch größeren Marktakteur. Die Energiewende wird damit nicht dezentraler, sondern konzentrierter. Klimaschutz erfordert Investitionen. Er benötigt aber ebenso funktionierenden Wettbewerb und eine breite Eigentümerstruktur. Wenn regulatorische Anforderungen dazu führen, dass künftig nur noch wenige finanzstarke Konzerne die Energiewende stemmen können, droht eine schleichende Remonopolisierung der Energiewirtschaft – diesmal unter dem Vorzeichen der erneuerbaren Energien. Die Energiewende braucht Vielfalt, Wettbewerb und den innovationsstarken Mittelstand. Diese Erkenntnis sollte den Gesetzgeber bei der weiteren Ausgestaltung des EEG und des Netzanschlussrechts leiten. Nur dann bleibt die Energiewende auch ordnungspolitisch ein Erfolg. Angesichts ihrer bisherigen Energiepolitik dürfte der Erfolg der Energiewende und damit der hier beschriebene Konzentrationsprozess für Katherina Reiche ohnehin von untergeordneter Bedeutung sein. 

Autor: Martin Maslaton, geschäftsführender Gesellschafter der Maslaton Rechts­anwaltsgesellschaft