Seit dem Angriff der USA auf den Iran sind die Öl- und damit auch die Erdgaspreise in die Höhe geschossen. Das wirkt sich primär an den Tankstellen aus. Dass die Strompreise dennoch weitgehend stabil sind, liegt am starken Ausbau der Photovoltaik in den vergangenen Jahren, wie eine Analyse des europäischen Branchenverbandes Solapower Europe ergeben hat.
Fast 3,8 Milliarden in einem Monat gespart
Denn die in Europa installierten Solaranlagen haben vom 1. bis 17. März 2026 insgesamt 19,9 Terawattstunden Strom erzeugt, der nicht mit Gaskraftwerken produziert werden musste. Dadurch konnte die Europäische Union in diesem Zeitraum jeden Tag Gasimporte im Wert von 111,7 Millionen Euro einsparen. Insgesamt sind dies 1,9 Milliarden Euro Einsparungen. Das ist eine Senkung der Gasrechnungen der Mitgliedstaaten der EU um 32 Prozent. Im kompletten Monat März 2026 hat sich diese Einsparung auf 3,76 Milliarden Euro aufsummiert.
Diese Einsparungen können bei beschleunigtem Ausbau der Photovoltaik noch weiter wachsen. Wenn die Gaspreise weiter steigen, würden sich die Einsparungen aufgrund der Solarstromproduktion auf 67,5 Milliarden Euro summieren. Bis zum Ende der Dekade kann die EU durch eine stärkere Unabhängigkeit von Gasimporten mittels Solarstromausbau bis zu 170 Milliarden Euro sparen. Das würde ausreichen, um die Hälfte des für 2030 anvisierten und notwendigen Ausbaus der Photovoltaik komplett zu finanzieren.
Solarenergie sorgt für Sicherheit
Je mehr Photovoltaik ausgebaut wird, desto höher fallen die Einsparungen aus. „Europa erlebt derzeit den zweiten Preisschock für fossile Brennstoffe innerhalb von nur vier Jahren. Doch die Dringlichkeit des Ausbaus der Photovoltaik, die im Jahr 2022 noch zu spüren war, ist einer Selbstzufriedenheit gewichen“, stellt Walburga Hemetsberger, Geschäftsführerin von Solarpower Europe, fest. „Der Ausbau der Solarenergie in der EU stagnierte in den Jahren 2024 und 2025, trotz immenser Kosten, die durch unsere Abhängigkeit von fossilen Energien entstehen. Diese neuen Daten erinnern uns daran, welche Rolle die Solarenergie in Europa heutzutage spielt und wie groß die zukünftigen Vorteile für unsere Sicherheit und unsere Wirtschaft sind.“
Wie wäre es, unabhängig vom Ölpreis zu sein?
Schließlich kostet jeder Liter Öl und jeder Kubikmeter Gas, der in den Kraftwerken verfeuert wird, bares Geld. Es sind aber nicht nur die Brennstoffkosten, sondern auch deren Auswirkungen auf den Gesamtmarkt, die zu steigenden Strompreisen führen. Denn die teuren fossilen Brennstoffe bestimmen aufgrund der Merit-Order die Preise an den Strombörsen. Jede Kilowattstunde Strom, die nicht aus einem Gaskraftwerk kommt, sondern aus einer Solaranlage, wirkt sich preissenkend aus.
Speicher liefern preiswerte Flexibilität
Fehlende Flexibilität von Solarstrom kann dabei nicht das Argument sein, um mehr fossile Brennstoffe ins System einzuschleusen. Denn momentan haben sich genau diese fossilen Brennstoffe als volatil erhältlich erwiesen. Zudem sind längst Lösungen vorhanden. „Die Beschleunigung des Ausbaus von nichtfossilen Flexibilitäten wie Batteriespeichern, Lastverschiebungen und flexiblen Netzen sollte bei den europäischen Entscheidungsträgern die höchste Priorität haben“, fordert Dries Acke, stellvertretender Geschäftsführer von Solarpower Europe.
Erneuerbare beweisen sich als Absicherung gegen steigende Erdgaskosten
Strukturelle Lösungen statt kurzfristige Entlastung
Die bisherigen temporären Entlastungsmaßnahmen, die in den europäischen Hauptstädten im Gespräch sind oder schon umgesetzt wurden, greifen viel zu kurz. „Die Entscheidungsträger sollten auch einen Notfallaktionsplan beschließen, der die strukturellen Lösungen beschleunigt“, betont Dries Acke. „Batteriespeicher haben sich als die schnellste und effektivste Option erwiesen, um zu verhindern, dass Erdgas die Strompreise bestimmt. Dies wiederum macht die Elektrifizierung und Flexibilisierung preiswerter für die europäische Industrie und die Haushalte“, betont Acke.
Die gesamte Analyse „Solar & Storage for EU Energy Security“ finden Sie auf der Webseite von Solapower Europe. Diese enthält auch zwei Beispielrechnungen, wie große Industrieunternehmen von der Strompreisbremse durch die Solarenergie profitieren.