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Die Welt reißt das 1,5-Grad-Ziel – zum dritten Mal

Das Pariser Klimaziel könnte deutlich früher überschritten werden als erwartet. Wie neue Zahlen des europäischen Klimabeobachtungsdienstes Copernicus ergeben, lag die globale Oberflächenlufttemperatur 2025 knapp 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Damit war das vergangene Jahr das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und nur geringfügig (0,01 °C) kühler als 2023 und um 0,13 Grad kühler als 2024 – das bislang heißeste je gemessene Jahr.

Pariser Klimaziel könnte in fünf Jahren nicht mehr erreichbar sein

Gleichzeitig haben erstmals drei Jahre in Folge die 1,5-Grad-Grenze überschritten. 2025 hatten sich im Pariser Klimaabkommen insgesamt 195 Staaten darauf geeinigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen und dabei langfristig möglichst eine 1,5-Grad-Grenze einzuhalten.

Investitionen in die Energiewende auf Rekordniveau – aber der Trend schwächelt

Dies wird nach Ansicht der Wissenschaftler, die die Klimadaten für Copernicus auswerten, nun immer drängender. Basierend auf der aktuellen Erwärmungsrate könnte diese Grenze bis zum Ende dieses Jahrzehnts erreicht werden – und damit mehr als ein Jahrzehnt früher als aufgrund der Erwärmungsrate zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Übereinkommens prognostiziert.

Zu viel CO₂ und zu warme Ozeane

Zwei wichtige Gründe hat Copernicus für die heißen Jahre 2023 bis 2025 identifiziert:

- Mehr Treibhausgase in der Atmosphäre aufgrund anhaltender Emissionen und einer verringerten Aufnahme von Kohlendioxid durch natürliche Senken.

- Ungewöhnlich hohe Temperaturen der Meeresoberflächentemperaturen im Ozean.  Dies hänge mit einem El-Niño-Ereignis und anderen Faktoren der Ozeanvariabilität zusammen, die durch den Klimawandel verstärkt wurden.

Negativ-Emissionen: Welche Rolle kann der Boden spielen?

Weitere Faktoren seien Veränderungen in der Menge der Aerosole und niedrigen Wolken sowie Schwankungen in der atmosphärischen Zirkulation, heißt es in einer Presseinformation des Dienstes.

Anomalien und Extreme der Oberflächenlufttemperatur für 2025, 2023 und 2024. Die Farbkategorien beziehen sich auf die Perzentile der Temperaturverteilungen für den Referenzzeitraum 1991–2020. Die Kategorien „Extrem“ („kühlste“ und „wärmste“) basieren auf Ranglisten für den Zeitraum 1979–2025.

C3S / ECMWF

Anomalien und Extreme der Oberflächenlufttemperatur für 2025, 2023 und 2024. Die Farbkategorien beziehen sich auf die Perzentile der Temperaturverteilungen für den Referenzzeitraum 1991–2020. Die Kategorien „Extrem“ („kühlste“ und „wärmste“) basieren auf Ranglisten für den Zeitraum 1979–2025.

„Ein Meilenstein, den niemand erreichen wollte.“

Mauro Facchini, Leiter der Abteilung Erdbeobachtung der Europäischen Kommission, nannte den Dreijahresdurchschnitt um mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau „einen Meilenstein, den niemand von uns erreichen wollte“.

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Doch weltweit steht der Klimaschutz unter Druck. Der Rückzug der USA nicht nur aus dem Pariser Klimaabkommen, sondern auch aus dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), das als Fundament für alle globalen Klimaschutzmaßnahmen gilt, nimmt den zweitgrößten CO₂-Emittenten aus dem Spiel. Auch in Europa gerät ambitionierte Klimaschutzpolitik in Konflikt mit Industrieinteressen. So wurde nicht nur die zweite Stufe des europäischen Emissionshandels verschoben, sondern auch das Verbot, Pkw mit Verbrennungsmotor ab 2035 neu zuzulassen, aufgeweicht.