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Speicher-Inspektion: Nicht nur der Wirkungsgrad zählt

Der aktuelle Test von Kombinationen aus Wechselrichter und Batteriespeicher zeigt große Unterschiede sowohl in der Klasse bis fünf Kilowatt Leistung als auch in der 10-Kilowatt-Klasse. Insgesamt haben die Experten von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin zwölf solcher Kombinationen getestet. Dabei konnten sich die Markenhersteller BYD, Fox ESS, Fronius, Kostal, Sax Power und SMA wieder die vorderen Ränge sichern.

Effiziente Kleinspeicher getestet

So bringt es der Sax Power Home Plus mit der sogenannten Multi-Level-Technologie auf einen Speicherindex (SPI) von 93,2 Prozent. Das ist ein neuer Rekord für eine Wechselrichter-Speicher-Kombination in der Klasse bis fünf Kilowatt Leistung. Der Sax Power kann hier seine Stärke ausspielen, dass die Leistungselektronik gleich im Speicher verbaut ist. Allerdings wird bei der Nachrüstung eine neue Systemarchitektur fällig.

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Bei den Speichersystemen mit Hybridwechselrichter hat SMA mit dem Sunny Boy Smart Energy 5.0 und der Batterie Home Storage 6.5 den höchsten SPI erreicht. Gleich dahinter hat sich Kostal mit dem Plenticore MP G3 M 4.6 (AC) und der BYD Battery-Box HVS+ 7.7 eingeordnet – einmal mit der AC- und einmal mit der DC-Einbindung der Batterie.

Spitze liegt zwischen 95,3 und 97 Prozent Effizienz

Kostal hat aber in der Leistungsklasse bis zehn Kilowatt mit einem SPI von 94,3 Prozent bei den Systemen mit der Batterieeinbindung auf der AC-Seite die Spitzenposition erreicht. Wird die BYD-Batterie auf der DC-Seite an den Plenticore des Herstellers aus Hagen eingebunden, steigt der SPI sogar auf 95,1 Prozent. Dies funktioniert, weil der Plenticore sehr flexibel ist. Denn er kann sowohl als Hybrid- als auch als Batteriewechselrichter eingesetzt werden.

Weitsicht statt Dunkelflaute

In dieser Klasse bringt es Fox ESS mit einem SPI von 97 Prozent auf den ersten Platz, gefolgt von den Hybridwechselrichtern von RCT Power und Energy Depot in Kombination mit den jeweils hauseigenen Batterien. Diese schaffen es auf Effizienzen von 96,4 und 95,4 Prozent. Nur ein Zehntel dahinter liegt der Fronius Symo Gen 24 Plus SC in Kombination mit der neuen Reserva-Batterie des österreichischen Herstellers.

Hoher Wirkungsgrad bedeutet bares Geld

Insgesamt liegt das Spitzenfeld damit eng beieinander. Allerdings wurden auch Kombinationen getestet, die namentlich nicht erwähnt werden, die mit 91,9 und 89,3 Prozent sehr viel schlechter abgeschnitten haben. Dies klingt wenig, wirkt sich aber auf die jährliche Kosteneinsparung der Speichersysteme direkt aus. Die Experten von der HTW Berlin haben ausgerechnet, dass der jährliche Kostenvorteil des Testsiegers gegenüber dem Heimspeicher mit der geringsten Effizienz 200 Euro beträgt.

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Dies liegt unter anderem an den großen Unterschieden bei der Einschwingzeit. Während das schlechteste Gerät dafür satte 13,7 Sekunden gebraucht hat, reagiert das System von Energy Depot innerhalb von 0,2 Sekunden auf Änderungen der Solarstromproduktion und der Lastanforderungen aus dem Gebäude. Auch der Stand-by-Verbrauch spielt eine entscheidende Rolle. So braucht das schlechteste Gerät immerhin 64 Watt, wenn es nicht genutzt wird. Die effizienten Systeme von Sax Power und Fox ESS benötigen hier nur vier Watt.

Garantiebedingungen studieren

Doch beim Speicherkauf sollten die Interessent:innen nicht nur auf die Effizienz schauen, sondern auch einen Blick in die Garantiebedingungen werfen, raten die Experten von der HTW. Sie haben sich diese Garantiebedingungen von 20 namhaften Herstellern angeschaut und miteinander verglichen. Basierend darauf haben die Berliner Wissenschaftler Empfehlungen entwickelt, die das Sichten der Garantiebedingungen erleichtern. Sie listen mehrere Punkte auf, mit denen sich Käufer von Stromspeichern befassen sollten.

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So gewährleisten die Hersteller in der Regel, dass die Batteriekapazität innerhalb des Garantiezeitraums nicht unter 60 bis 85 Prozent des Anfangswerts sinken wird. „Je höher dieser Wert ist, desto vorteilhafter ist es für die Privatpersonen. Ein Blick in die Garantiebedingungen vor dem Speicherkauf kann unangenehme Überraschungen im Schadensfall vermeiden. Vorteilhafte Garantiebedingungen lassen sich unter anderem daran erkennen, dass der Hersteller keine umfassenden Nachweispflichten fordert und im Schadensfall die Kosten für den Austausch übernimmt“, weiß Nico Orth, Leiter der Stromspeicher-Inspektion an der HTW Berlin.

Preisoptimiert laden können nicht alle

Die einzelnen Punkte, die sich die Käufer anschauen sollten, sind in der aktuellen Speicher-Inspektion aufgelistet. Zudem sollten die Käufer die wichtigsten Eigenschaften und Funktionalitäten der Geräte vergleichen. Hierzu zählen neben der Art der Batterieanbindung auch die Nennleistung, die Möglichkeit der Notstromversorgung und die Nutzung von dynamischen Stromtarifen.
So haben alle untersuchten Speichersysteme zwar ein internes oder externes Energiemanagement, das dynamische Strompreissignale berücksichtigt. Doch preisoptimiert können nur einige laden. „Ob sich für Haushalte mit dynamischen Stromtarifen die Batterieladung mit Netzstrom überhaupt lohnt, hängt unter anderem von der Höhe der mittleren Strompreise beim Laden und Entladen sowie von der Höhe der Umwandlungsverluste ab“, erklärt Johannes Weniger, Initiator der Stromspeicher-Inspektion und Gründer von Aquu. „Damit sich die Batterieladung mit Netzstrom finanziell lohnt, muss die Preisdifferenz zwischen dem Lade- und Entladezeitraum zudem hoch genug sein, um mindestens die Wechselrichter- und Batterieverluste zu kompensieren“, ergänzt Nico Orth.

Eine Tabelle in der aktuellen Stromspeicher-Inspektion gibt an, welchen Wirkungsgrad die Systeme mindestens erreichen müssen, damit die Preisdifferenz zwischen Stromeinkauf und Stromverkauf nicht von den Verlusten aufgefressen wird. Sie finden die gesamte „Stromspeicher-Inspektion 2026“ auf der Webseite der HTW Berlin zum Download.