Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) positioniert sich klar gegen die geplanten Einschränkungen der Bundesregierung, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien betreffen. Angesichts der aktuell stark gestiegenen Öl- und Gaspreise sowie des dringend benötigten Ausbaus der Netze stellt der ZVDH fest: „Die geplanten Regulierungen gefährden nicht nur die Energiewende, sondern belasten auch Mieter und Eigentümer unnötig.“ Statt den Ausbau zu bremsen, müsse in innovative Technik investiert, Bürokratie abgebaut und Planungssicherheit vorangetrieben werden.
Mieterstrom als Chance für bezahlbare Energie
Um die Energiewende voranzutreiben und den notwendigen PV-Ausbau von jährlich rund 20 Gigawatt Solarleistung zu erreichen, sei eine Möglichkeit, verstärkt auf Mehrfamilienhäusern Solaranlagen zu installieren. Hier bleibe viel Potenzial ungenutzt, so der Verband, der die Vorteile eines Mieterstrommodells unterstreicht, um die lokale Erzeugung und Nutzung von Solarstrom zu fördern. „Viele Vermieter würden ihren Mietern gern günstigen PV-Strom bieten, aber die bürokratischen und technischen Hürden sind für die Gebäudeeigentümer zu hoch und rechnen sich oft nicht. Hier wünschen wir uns einfache Mieterstromlösungen“, sagt ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. Seine Vorschläge: „Einfache Abrechnung aus einer Hand, Entschlacken der steuerlichen Pflichten für Vermieter, Förderung intelligenter Zählertechnologien und wirtschaftliche Anreize für Einspeisevergütungen bei Vermietung schaffen.“ Mieterstrom senke Energiekosten für Mieter und erhöhe gleichzeitig die Netzstabilität, so der ZVDH. „Statt den Ausbau zu bremsen, sollten wir Anreize schaffen, damit mehr Vermieter und Eigentümer in PV-Anlagen investieren“, wünscht sich Ulrich Marx. Das Mieterstrommodell müsse von der Nische in die breite Masse getragen werden.
Studie bestätigt Vorteile des Mieterstroms
Einer aktuellen Analyse des Energiewende-Projekts Ariadne zufolge lassen sich auf Dächern von Mehrfamilienhäusern Solaranlagen mit einer Leistung von bis zu 60,4 Gigawatt installieren – das wären rund 28 Prozent dessen, was laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bis 2030 an zusätzlicher Solarleistung ausgebaut werden müsse. Zwar gab es 2024 mit 16,2 Gigawatt neu installierter Leistung einen neuen Rekord, aber vor allem durch Aufdachanlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern sowie durch Freiflächenanlagen.
Netzausbau und Smart-Meter: Unverzichtbar für die Energiewende
Der ZVDH weist zudem auf die Dringlichkeit des Netzausbaus und der Einführung von Smart-Metern hin. Ohne moderne Netze und intelligente Messsysteme könne die Energiewende nicht gestemmt werden, macht der Dachdeckerverband deutlich: „Die Politik muss endlich die Weichen stellen, damit der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht an veralteten Strukturen scheitert. Statt den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu forcieren, werden Hürden aufgebaut, die die Energiewende gefährden. Gerade in Zeiten hoher Öl- und Gaspreise müssen wir alle Möglichkeiten nutzen, um erneuerbare Energien auszubauen – und das beginnt auf unseren Dächern.“ Ergänzend dazu weist Marx darauf hin, dass zur Erreichung der Klimaziele eine ausgewogene Kombination aus passiver Energieeinsparung, also energetischer Sanierung, und aktiver Energieerzeugung notwendig sei.
Taskforce Gebäudetechnik
Die Taskforce Gebäudetechnik des ZDH hat ein Positionspapier veröffentlicht, in dem auf die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) als Nachfolger des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) eingegangen wird. Für die Taskforce ergeben sich eine ganze Reihe offener Fragen, zum Beispiel zur Ausgestaltung der Förderkulisse nach 2029, zur Verfügbarkeit von Grüngas sowie zur Vereinbarkeit der Streichung der §§ 71 GEG (mitsamt der 65-Prozent-Regel) mit den Vorgaben, die sich aus der EU-Gebäuderichtlinie ergeben. Quelle: ZVDH / ab