Ein Nadelöhr beim Ausbau der Photovoltaik sind die Netze. Dessen Ertüchtigung wird wahrscheinlich nicht so schnell gehen, wie der Bau von weiteren Photovoltaikanlagen. Welche Lösungen sehen Sie, unabhängig von der Geschwindigkeit des Netzausbaus, um die Photovoltaik weiter voranzutreiben?
Patrick Danz: Die Netzinfrastruktur bleibt der zentrale Engpass für den Ausbau. Frühzeitige Maßnahmen wurden leider versäumt, weshalb der Ausbau nur begrenzt beschleunigt werden kann. Eine Chance liegt im dezentralen Bereich, der jedoch regulatorische Anpassungen benötigt, um alle Nutzungsmöglichkeiten, wie unter anderem in Mietshäusern, zu ermöglichen. Bei Freiflächenanlagen sind Speicherlösungen und sogenanntes Cable-Pooling mit anderen Erzeugungsanlagen entscheidend, werden aber aktuell zu wenig berücksichtigt. Dadurch enden Netzanfragen oft mit Ablehnungen statt mit konstruktiven Lösungen. Gleichzeitig erfordert die begrenzte Netzkapazität eine effizientere Nutzung bestehender Anschlüsse – etwa über DC/AC-Verhältnis, Ausrichtung, Grundstücksausnutzung und Speicherintegration. Der dezentrale Ausbau ist entscheidend, um Netzbelastungen zu reduzieren und die Einspeisung flexibler zu gestalten.
Welche regulatorischen Voraussetzungen sind dafür notwendig?
Regulatorisch ist vor allem ein zeitnaher, pragmatischer Ansatz erforderlich, der aufzeigt, wie die Systeme in das bestehende Netz integriert werden können.
Dies ist bei gewerblichen Dachanlagen sicherlich einfacher, da hier der Eigenverbrauch eine Rolle spielt. Doch welche Chancen bleiben bei Solarparks, die Strommengen besser ins Netz zu integrieren?
In diesem Fall sind die Speicher weiterhin die Lösung. Allerdings sind auch hier die Genehmigungsverfahren zu langwierig und werden teilweise auch nicht positiv unterstützt.
Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Projekte mit besonderen Solaranlagen. Wie entwickelt sich die Nachfrage nach solchen Systemen wie Agri-PV, Floating-PV oder solaren Parkplatzüberdachungen?
Alle Bereiche haben eine “Co-Existenz” und werden je nach Motivation und lokalen Nutzungsmöglichkeiten umgesetzt.
Mit Eigenverbrauch gelingt Solarausbau fast ohne Netzertüchtigung
Diese sollten eine besondere Förderung in Form eines eigenen Ausschreibungsvolumens und einer höheren Vergütung bekommen. Doch diese Regelungen hängen in Brüssel fest. Wie entwickelt sich die Nachfrage nach solchen Systemen?
Die Nachfrage ist grundsätzlich vorhanden, bleibt im Vergleich zu klassischen Solarparks jedoch weiterhin unterentwickelt.
Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen?
Die Anreize sind bisher vermutlich zu gering, um die zusätzlichen Herausforderungen solcher Systeme zu kompensieren.
Netzanschluss von Erneuerbare-Energien-Anlagen: Engpässe bremsen die Energiewende
Welche Möglichkeiten gibt es, dass solche Projekte auch ohne spezielle Unterstützung wirtschaftlich realisierbar werden?
Alle diese Lösungen sind mit höheren Investitionskosten (CAPEX) verbunden und führen in der Regel auch zu höheren laufenden Betriebskosten (OPEX). Vor diesem Hintergrund ist eine gezielte Unterstützung unverzichtbar, wenn solche Systeme gewünscht sind.
Wie entwickelt sich die Akzeptanz von Solaranlagen?
Das hängt sehr stark von der jeweiligen Region ab und davon, wie die Bürger in die Projekte eingebunden werden.
Wie können Energieversorger 535 Milliarden Euro die regionale Energiewende finanzieren?
Welche Lösungen bieten Sie an, um diese Akzeptanz zu erhöhen oder hoch zu halten?
Wir bieten klare Garantie- und Serviceleistungen, die Kunden Sicherheit bieten, zum Beispiel 15 Jahre Garantie auf Halterungen und Module von IBC Solar im Verbund.
Welche Erfahrungen machen Sie mit der Beteiligung von Kommunen an den Erträgen von Solarparks?
Eine entscheidende Rolle spielen hier die gestiegenen Zinsen sowie die geringeren Erlöse bei der Stromvermarktung. Die kommunale Beteiligung, wie sie in der Vergangenheit mit verschiedenen Modellen wie beispielsweise der Bürgerbeteiligung umgesetzt wurde, hat dadurch für die Kommunen an Attraktivität verloren. Hinzu kommt, dass sich das Risikoprofil im Anlagenbetrieb im Vergleich zu früher deutlich verändert hat.
Die Fragen stellte Sven Ullrich
Im ersten Teil des Interviews berichtet Patrick Danz, wie sich der Solarmarkt derzeit entwickelt und was für eine beschleunigte Energiewende notwendig ist. Einen ausführlichen Bericht zu den Aussichten für die Photovoltaik für die kommenden Monate finden Sie in der aktuellen Ausgabe von ERNEUERBARE ENERGIEN. Abonnenten lesen den Beitrag auch online. Wenn Sie noch kein Abo haben, können Sie hier reinschuppern.