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Harald Brand: „Beschäftigen Sie sich frühzeitig mit dem Thema Versicherung!“

Nach der Inbetriebnahme ändern sich die Risiken. Welche Policen sind dann wichtig?

Harald Brand: Zunächst bleibt die Betriebshaftpflichtversicherung entscheidend. Schäden sind zwar selten, aber die Haftung ist unbegrenzt – deswegen ist diese Versicherung Pflicht, auch wenn sie rechtlich freiwillig ist. Dazu kommt die Allgefahrenversicherung für Sachschäden an der Anlage. Wie der Name sagt, deckt sie fast alle Risiken ab – abgesehen von Dingen wie z.B. Vorsatz, Verschleiß oder Krieg. In der Regel ist auch eine Ertragsausfallversicherung integriert, die für entgangene Einnahmen aufkommt, wenn die Anlage durch einen Schaden oder Diebstahl stillsteht.

Ist für den Betrieb der Anlage auch ein Diebstahlschutz notwendig, damit die Versicherung möglich ist?

Das ist grundsätzlich keine zwingende Anforderung. Doch die Versicherer sehen auch, wie sich die Diebstahlschäden in anderen europäischen Ländern entwickeln. Die Diebesbanden marodieren und suchen sich die Länder aus, in denen die Anlagen wenig geschützt sind. Damit wird das Problem zukünftig auch in Deutschland stärker auftreten. Deshalb raten wir unseren Kunden immer, eine Kameraüberwachung zu installieren oder zumindest vorzusehen. Wer heute schon beim Bau Leerrohre oder Verkabelungen für spätere Kameras vorsieht, spart sich später teure Nachrüstungen, wenn die Versicherer die Kameraüberwachung im Nachhinein verlangen.

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Wie unterscheiden sich die Bedingungen zwischen Freiflächen- und Dachanlagen?

Bei Freiflächenanlagen achten Versicherer verstärkt auf Diebstahlschutz und Sicherungszäune, bei Dachanlagen geht es eher um Arbeitssicherheit, Absturzsicherung und Brandschutz. Wichtig ist in allen Fällen: Wenn die Anlage nicht nach dem Stand der Technik gebaut wurde, kann das im Schadenfall den Versicherungsschutz kosten. Das steht in vielen Standardbedingungen ausdrücklich drin. Doch es gibt bestimmte Maklerkonzepte, in deren Bedingungen dies nicht enthalten ist.

Was heißt das für Betreiber und Investoren ganz praktisch?

Sie sollten auf drei Dinge achten: Erstens, dass alle relevanten Gefahren abgedeckt sind – auch Themen wie Überspannung, Tierbiss oder Bedienfehler. Zweitens, dass die Haftzeit der Ertragsausfallversicherung lang genug ist. Und drittens: Bedingungen genau vergleichen. Es gibt große Unterschiede zwischen Standardtarifen der Versicherer und den Rahmenverträgen spezialisierter Makler – bei Preis und Leistung.

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Wie hoch liegen die Versicherungskosten typischerweise?

Die Haftpflichtversicherungen in Deutschland sind im europäischen Vergleich preiswert. Für die Allgefahrenversicherung liegen die Beiträge im niedrigen einstelligen Promillebereich der Versicherungssumme. Diese bildet die Herstellungskosten und die Ertragsausfälle ab. Die exakten Werte hängen vom Versicherer, aber auch vom Standort der Anlage, deren Größe, der Hagel- oder Hochwasserzone ab, in der sie steht. Da gibt es unter Umständen Zuschläge oder Ausschlüsse oder höhere Selbstbeteiligungen.

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Was ist Ihr wichtigster Rat an Betreiber und Errichter?

Beschäftigen Sie sich frühzeitig mit dem Thema. Sichern Sie sich vor Baubeginn ab. Klären Sie, wer welche Versicherung abschließt, und prüfen Sie, was tatsächlich gedeckt ist. Und ganz entscheidend: Arbeiten Sie mit Fachleuten zusammen, die Solaranlagen wirklich verstehen – sowohl auf technischer als auch auf versicherungstechnischer Ebene. Das spart im Zweifel sehr viel Geld und Ärger.

Welche Gefahren für die Solaranlage schon beim Bau bestehen und worauf die Errichter achten sollten, erfahren Sie im ersten Teil des Interviews mit Harald Brand.