Wer in Deutschland eine Wohnung sucht, steht vor einer Herkulesaufgabe – besonders schwierig ist dieses Unterfangen für Studierende und Auszubildende ohne begüterte Eltern, genauso wie für Singles, Paare und Familien mit einem geringen Einkommen oder für Senioren mit schmaler Altersversorgung. Und dabei reden wir nicht nur über den Wohnungsmangel in Großstädten – nein, inzwischen heißt es fast im ganzen Land: Wohnung verzweifelt gesucht!
Aktuell fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen – fast ausschließlich bezahlbare Wohnungen und vor allem Sozialwohnungen. Das geht aus dem „Sozialen Wohn-Monitor 2026“ hervor, den das Pestel-Institut am 15. Januar in Berlin vorgestellt hat.
Unsanierte Leerstände und „unsichtbarer Wohnraum“
Dass dem Wohnungsmangel nur mit Neubauten zu begegnen sei, wird in Politik und Gesellschaft immer wieder kolportiert, offenbart aber nur die eine Seite der Versäumnisse in den vergangenen Jahrzehnten. Es ist nämlich durchaus Wohnraum vorhanden – nur nicht auf dem Markt verfügbar. Denn von Nord bis Süd, Ost bis West, auf dem Land wie in den Städten finden sich jede Menge dauerhaft leerstehende oder nicht sanierte Wohnungen, deren Modernisierung sich wirtschaftlich nicht rechnet. Hinzu kommt der „unsichtbare Wohnraum“: leere Zimmer oder ganze Etagen in viel zu großen Wohnungen beziehungsweise Häuser älterer Menschen. Dieser Leerstand lässt sich kaum für die Wohnraumversorgung reaktivieren.
Bestand an Sozialwohnungen weiter gesunken
Der Wohnungsmangel wirkt zunehmend als wirtschaftliche Bremse. Ohne eine Lösung dieser zentralen sozialen Herausforderung wird es nicht gelingen, Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen oder die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft zu überwinden.
Trotz der inzwischen erheblich erhöhten Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau ist der Bestand an Sozialwohnungen weiter gesunken. Zwar stiegen die Bundesmittel zwischen 2020 und 2024 um das Dreifache, doch die neu geschaffenen Mietpreis- und Belegungsbindungen stiegen lediglich um knapp ein Drittel. Dies deutet auf strukturelle Probleme hin, die nicht allein durch gestiegene Baukosten erklärbar sind. Insbesondere fehlt es an Transparenz darüber, wie die Länder die Bundesmittel einsetzen.
Ein weiteres Problem ist die Auszahlungsstruktur der Bundesförderung: Die Mittel werden in fünfjährigen Tranchen ausgezahlt, sodass ein Teil der zugesagten Gelder erst Jahre später fließt. Müssen Länder die fehlenden Beträge vorfinanzieren, gehen dringend benötigte Mittel für den sozialen Wohnungsbau verloren – besser wäre die Auszahlung im Jahr der Förderzusage.
Umzug in kleinere Wohnungen scheitert an hohen Mieten
Vom Wohnungsmangel betroffen sind nicht nur sozial benachteiligte Gruppen, sondern auch junge Menschen, die erstmals einen eigenen Haushalt gründen wollen, sowie ältere Menschen, die kleinere Wohnungen suchen. Letztere stoßen häufig auf höhere Mietpreise als in ihrer bisherigen Wohnung, was Umzüge verhindert. Die Situation verschärft sich zusätzlich durch den Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand.
Nicht nur neu bauen, auch das Sanieren schafft Wohnraum
Um den bestehenden Wohnungsbedarf bis 2030 abzubauen, wären jährlich etwa 410.000 neue Wohnungen erforderlich. Tatsächlich wird für 2025 jedoch nur mit 210.000 bis 230.000 Fertigstellungen gerechnet, was keine Entlastung des Wohnungsmangels erwarten lässt. Doch der Neubau schafft auch neue Probleme: Der Flächenfraß greift weiter um sich und belastet Natur und Klima, weshalb ein Sanierungsturbo mindestens genauso sinnvoll wäre, anstatt immer neues Bauland auszuweisen, das zudem nicht zwingend dort entsteht, wo es wirklich gebraucht wird – von den hohen Mieten ganz abgesehen. si