Was vor über 60 Jahren als zeitgemäß galt, entspricht heute in vielen Punkten nicht mehr dem Wohnstandard: Die zu Beginn der 1960er entstandenen Wohn- und Geschäftsgebäude rund um den Königsberger Platz in Leverkusen-Rheindorf sind deutlich in die Jahre gekommen. Mit einer Kombination aus Kernsanierung und Abriss sowie Neubebauung will die Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL) das gesamte Areal aufwerten, um attraktiven Raum zum Wohnen, Arbeiten und Einkaufen zu schaffen.
Den Auftakt machte die Kernsanierung des Wohnhauses KP812 mit 72 Zweiraumwohnungen auf insgesamt acht Etagen (Abb. 1). Im vergangenen Jahr wurde das Gebäude bis auf den Rohbau entkernt und innerhalb weniger Monate komplett modernisiert, hochwertig ausgestattet und mit Balkonen versehen. Im Erdgeschoss wurde zudem ein Anbau für Gewerbeeinheiten angegliedert. Bereits Anfang Oktober 2025 konnten die ersten Wohnungsmieter einziehen, im März 2026 waren die Wohneinheiten vollvermietet. Zwei der sechs Gewerbeeinheiten wurden im September 2025 bezogen.
Lüftung gehört zum energetischen Konzept
Angesichts dieser engen Zeitschiene waren eine zügige, effiziente Planung und Umsetzung gefragt. Gleichzeitig galt es, die hohen Anforderungen des KfW-Standards 40 zu erreichen. Neben einer neuen Dämmung und effizienter Anlagentechnik mit Fernwärme sowie modernen Heizkörpern lag ein Fokus auf der Lüftung.
„Um den Vorgaben zum Wärmeschutz gerecht zu werden, reichte die einfache bedarfsgeführte WC-Entlüftung mit Nachströmung über Fensterlaibungselemente, wie sie häufig von der WGL umgesetzt wird, nicht aus. Eine komplette Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung war gefordert“, berichtet Christian Neukirchen von der IGS Ingenieurgesellschaft Schneider aus Leverkusen, die für die Planung der gesamten Haustechnik zuständig war und die WGL bereits zuvor bei vielen Projekten planerisch begleitet hat.
Sowohl dem Planungsbüro als auch der Wohnungsgesellschaft war die Firma Kermi bereits als Partner für Heizkörper bekannt. Bei der Sanierung des Wohnhauses KP812 kam der Raumklimaspezialist mit seinem Produktsegment an Wohnraumlüftungen ins Gespräch. Schon in der frühen Planungsphase diskutierten dei Unternehmen gemeinsam verschiedene Lüftungsvarianten.
Aufgrund der Höhe des Gebäudes waren in den oberen Stockwerken die Winddrücke für den Einsatz von Pendellüftern zu hoch, die sich einfach per Kernbohrung hätten nachrüsten lassen. Daher wurde stattdessen pro Wohneinheit ein separates, zentrales Lüftungsgerät x-well F150 geplant – insgesamt 72 Stück (Abb. 2). Dank der kompakten Abmessungen war die Unterbringung der Lüftungsgeräte selbst kein Problem: Zusammen mit Elektro- und Mediaverteilern konnten sie „versteckt“ in einer Trockenbauwand hinter einem Einbauschrank montiert werden. Dort arbeiten sie mit einem niedrigen Schallleistungspegel von 38 dB(A) nach EN 13141-7, sodass im Betrieb keine störenden Geräusche für die Bewohner entstehen.
Deckenhöhe stellt sich in der Planung als Herausforderung heraus
Eine Schwierigkeit ergab sich jedoch bei der Konzeption der Rohrleitungen. In den Skizzen der Rohrverläufe wurde schnell klar, dass sich angesichts des schmalen Flurs die Leitungen von Außen- beziehungsweise Fortluft mit den Abluftkanälen an zwei Stellen kreuzen müssen. Der Platz in der abgehängten Decke, in der die Lüftungsrohre platziert werden sollten, war jedoch ohnehin sehr begrenzt, zumindest für übereinander verlegte Rohre. Denn schon im Rohbauzustand betrug die Deckenhöhe lediglich 2,50 Meter; nach Abhängung sollten immer noch 2,30 Meter erreicht werden.
Deshalb wurden Sonderkreuzungs-Formstücke verlegt (Abb. 3). Sie führen die Außen- und Fortluftrohre bei gleichbleibender Querschnittsfläche in einer U-Form, damit sich die Luftgeschwindigkeiten nicht ändern. Durch die mittige Aussparung ließen die Abluftkanäle mit dem Flachkanalsystem verlegen. So führen die Lüftungsrohre an dieser Stelle mit geringem Platzbedarf aneinander vorbei, und die gewünschte Deckenhöhe lässt sich einhalten. Pro Wohneinheit finden sich zwei dieser Kreuzungsstücke.