Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
2.499 Megawatt vergeben, 6.409 Megawatt beantragt, 628 Gebote für gerade einmal 270 Zuschläge: Die jüngste Ausschreibung für Windenergie an Land zeigt einen Markt, der so umkämpft ist wie lange nicht. Der Wettbewerb drückt die Preise weiter nach unten. Mit einem durchschnittlichen mengengewichteten Zuschlagswert von nur noch 5,06 Cent pro Kilowattstunde erreicht die Vergütung den niedrigsten Stand seit Jahren. Gegenüber der Vorrunde sank sie von 5,54 Cent, seit August 2024 sogar um mehr als zwei Cent je Kilowattstunde.
Für die Bundesnetzagentur ist das zunächst eine Erfolgsmeldung. Die erneut deutlich überzeichnete Ausschreibung belege das hohe Interesse am Ausbau der Windenergie, erklärte Behördenpräsident Klaus Müller. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass der Genehmigungsstau der vergangenen Jahre zunehmend aufgelöst wird und sich der Wettbewerb um attraktive Standorte verschärft.
Doch der Preisverfall hat eine Kehrseite. Was für Stromkunden und Förderkosten positiv erscheint, erhöht den wirtschaftlichen Druck auf Projektentwickler erheblich. Anders als noch vor wenigen Jahren bleibt bei Zuschlagswerten um fünf Cent kaum Spielraum für Kostensteigerungen oder geringere Erträge.
Hohe Finanzierungskosten
Die niedrigen Gebotswerte treffen auf ein Umfeld, das für Investoren weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist. Finanzierungskosten liegen deutlich über dem Niveau der Nullzinsjahre, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Netzanschlüsse, Systemintegration und Redispatch. Hinzu kommen projektspezifische Risiken wie längere Genehmigungsverfahren oder Ertragseinbußen durch naturschutzrechtliche Auflagen und nächtliche Schallbeschränkungen.
Dass bereits wenige Zehntel Cent über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können, zeigt ein Rechenbeispiel des Ingenieurdienstleisters Dezibel Engineering. Demnach kann eine dauerhaft nächtlich schallgedrosselte 6-MW-Anlage bei heutigen Zuschlagswerten unter die Wirtschaftlichkeitsschwelle rutschen. Werden unnötige Betriebsbeschränkungen im Genehmigungsverfahren beseitigt, steigt der Jahresertrag nach Unternehmensangaben um rund elf Prozent – genug, um ein Projekt wieder wirtschaftlich zu machen. Zwar verfolgt das Unternehmen damit eigene Geschäftsinteressen, das Beispiel verdeutlicht jedoch, wie knapp viele Projekte inzwischen kalkuliert sind.
VDMA fordert verlässlichen Rahmen
Auch der Maschinenbauverband VDMA sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Die hohe Nachfrage belege zwar die Attraktivität des Marktes. Gleichzeitig fordert der Verband verlässliche politische Rahmenbedingungen. Noch immer fehlten Klarheit über die angekündigte EEG-Novelle sowie das Netzanschlusspaket. Zusätzliche Unsicherheiten könnten Investitionen verzögern und industrielle Wertschöpfung gefährden.
Die Ausschreibung macht damit deutlich, dass sich der Windmarkt in einer neuen Phase befindet. Noch vor wenigen Jahren blieb ein erheblicher Teil der Ausschreibungen unterzeichnet, weil zu wenige genehmigte Projekte vorhanden waren. Heute ist das Gegenteil der Fall: Der Flaschenhals liegt nicht mehr bei der Genehmigung, sondern zunehmend im harten Preiswettbewerb.
Für die Energiewende ist das grundsätzlich eine gute Nachricht. Mehr Wettbewerb bedeutet niedrigere Förderkosten und einen effizienteren Mitteleinsatz. Damit der Ausbau jedoch dauerhaft auf hohem Niveau bleibt, müssen die Projekte trotz sinkender Zuschlagswerte wirtschaftlich finanzierbar bleiben. Andernfalls droht ausgerechnet der Erfolg der Ausschreibungen zum Problem für den weiteren Ausbau der Windenergie zu werden.