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Netzentgelte für Eigenverbraucher: BSW-Solar schlägt Leistungspreis statt Prosumeraufschlag vor

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) kritisiert den Plan der Bundesnetzagentur (BNetzA), Eigenverbraucher von Solarstrom mit einer zusätzlichen Gebühr auf den Grundpreis bestrafen zu wollen. Stattdessen schlägt der Verband vor, das Entgelt für eine vertraglich vereinbarte Einspeiseleistung auf alle Eigenverbrauchsanlagen auszuweiten. Bisher sollte dieses nur für Anlagen mit einer Leistung von mehr als 30 Kilowatt und Prosumer mit einem Stromverbrauch von über 100 Megawattstunden pro Jahr gelten. Bezahlt würde dabei nicht für die installierte Leistung einer Solaranlage, sondern für die tatsächlich mit dem Netzbetreiber vereinbarte Einspeisekapazität.

Auch größere Anlagen rentabel

Damit würden sich die Eigenverbraucher auch an der Finanzierung des Netzes beteiligen, sollte dies im Rahmen der Novelle der Netzentgeltsystematik nicht zu vermeiden sein. Mit dem Einspeiseleistungsentgelt würde zugleich ein Anreiz geschaffen, Netzanschlüsse effizienter zu nutzen, argumentiert der Branchenverband.

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Dann könnten Betreiber größere Solaranlagen installieren, ohne entsprechend höhere Netzkapazitäten zu beanspruchen, wenn sie einen größeren Anteil des Stroms vor Ort hinter dem Netzverknüpfungspunkt verbrauchen, speichern oder die Einspeisung intelligent steuern. „Das wäre einfacher, bürokratieärmer und gerechter“, begründet Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, den Ansatz. „Wer weniger Netzkapazität beansprucht, sollte auch weniger zahlen. Genau solche Anreize brauchen wir für ein effizientes Stromsystem.“

Prosumeraufschlag gefährdet Energiewende

Im Gegensatz dazu würde der geplante Prosumeraufschlag auf den Grundpreis des Netzanschlusses Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher, Elektromobilität und Wärmepumpen erschweren und zugleich unnötige neue Bürokratie schaffen. Zudem käme diese Investitionshürde noch zu den von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geplanten Einschnitten bei der Förderung von Solaranlagen. Dies drohe zu einer gefährlichen Investitionsbremse zu werden. Denn sollte die Bundesnetzagentur tatsächlich einen Aufschlag auf den Grundpreis von Netzanschlüssen der Eigenverbraucher einführen, rechnet der BSW-Solar mit einer jährlichen Belastung von bis zu 165 Euro, ohne dass dies über Vergütungen wieder ausgeglichen werden kann.

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Kleine und Gemeinschaftsanlagen besonders betroffen

Besonders betroffen davon sind kleine Solaranlagen. „Wer in eine Solaranlage, einen Speicher, ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe investiert, treibt die Energiewende voran. Eine Reform der Netzentgelte darf diese Bürgerinnen und Bürger in ihrem Klimaschutzengagement nicht ausbremsen“, fordert Carsten Körnig. „Eine kleine Solaranlage mit wenigen Kilowatt Leistung darf nicht genauso behandelt werden wie eine zehnmal größere Anlage“, stellt er klar. Auch nehme die geplante Regelung keinerlei Rücksicht auf die tatsächliche Beanspruchung der Stromnetze.

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Kritisch sieht der Verband zudem mögliche Auswirkungen auf die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung in Mehrfamilienhäusern. Denn in diesem Fall würden alle Beteiligten zu Prosumern und dadurch jede einzelne Verbrauchsstelle mit einem zusätzlichen Entgelt belastet. Damit würde dieses Modell, das ohnehin schon bürokratisch ausgestaltet ist, erheblich an Attraktivität verlieren.

Bestand nicht antasten

Der Verband kritisiert zudem die Einbeziehung von Bestandsanlagen in die neue Netzentgeltstruktur. Dies würde Investitionsentscheidungen nachträglich verändern und damit das Vertrauen in verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen zerstören. Der Branchenverband geht zudem davon aus, dass dieser Plan der BNetzA sowohl gegen die Europäische Elektrizitäts-Binnenmarktrichtlinie als auch gegen die Erneuerbare-Energien-Richtlinie verstoßen würde. Allerdings ist hier auch eine Übergangsfrist geplant. Betreiber von Eigenverbrauchsanlagen werden erst nach 20 Jahren in die neue Entgeltsystematik einbezogen. Das gilt auch für Investoren in neue Anlagen, die ihre Investitionsentscheidung noch vor dem Bekanntwerden der neuen Regelungen treffen.

Die gesamte Stellungnahme des BSW-Solar zur neuen Entgeltsystematik zur Finanzierung des Stromnetzes finden Sie auf der Webseite des Verbandes.