Zwischen 2018 und 2025 verschwanden aus 195 deutschen Städten über 900.000 Bäume. Nur sieben erreichen den Richtwert von 30 Prozent Baumüberschirmung. Die Hitzebelastung steigt weiter.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat den Hitze-Check 2026 vorgelegt. Untersucht wurden 195 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Baum- und Grünflächenbestand sowie der Flächenversiegelung der vergangenen sieben Jahre. Erstmals flossen die Baumüberschirmung und der prozentuale Zuwachs der Versiegelung in die Bewertung ein.
Baumbestand schrumpft, Versiegelung wächst
Zwischen 2018 und 2025 verloren die untersuchten Städte mehr als 900.000 Bäume. Nur sieben Städte erreichen den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumüberschirmung – darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. Den Grad der Baumüberschirmung sieht auch die EU-Wiederherstellungsverordnung als Indikator vor.
Bundesweit werden jährlich rund 62 Quadratkilometer Fläche neu versiegelt. Das entspricht etwa der Größe der Stadt Fürth. Etwa die Hälfte aller Siedlungs- und Verkehrsflächen ist bereits betoniert, gepflastert oder durch Tiefgaragen unterbaut. Diese Flächen heizen sich tagsüber stark auf und kühlen nachts kaum ab. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen.
DUH
Hitzebetroffenheitsindex zeigt Verschlechterung
Der Hitzebetroffenheitsindex setzt sich aus den Indikatoren Versiegelung, Grünflächenvolumen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert sich die Lage. Alle untersuchten Städte verlieren große Bäume und Grünflächen, die Versiegelung schreitet flächendeckend voran, die Hitzebelastung bleibt hoch.
Bereits der Hitze-Check 2025 ergab, dass mehr als 12 Millionen Menschen in Stadtteilen mit extremer Hitzebelastung leben. Im ersten Hitze-Check 2024 erhielten 24 Städte eine Rote Karte, 82 eine Gelbe und 84 eine Grüne Karte. Die schlechtesten Bewertungen entfielen damals auf Ludwigshafen, Heilbronn und Regensburg.
Entsiegelung und Stadtgrün senken Risiken
Versiegelte Flächen verhindern zudem, dass Regenwasser versickern kann. Bei Starkregen steigt das Risiko für Überschwemmungen. Unversiegelte Böden, Parks, Bäume und Stadtgrün kühlen, speichern Wasser und schaffen Lebensräume. Die DUH verweist auf die 3-30-300-Regel als Maßstab für die Stadtplanung.
DUH fordert verbindliche Vorgaben
Die DUH fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Konkret verlangt der Verband:
● eine verbindliche Obergrenze für Neuversiegelung im Raumordnungsgesetz
- verbindliche Instrumente für Kommunen wie Grünflächenfaktoren oder Freiraumsatzungen
- eine Reform von Baugesetzbuch und Landesbauordnungen zur Förderung blau-grüner Infrastruktur
- die flächendeckende Einführung ambitionierter Baumschutzsatzungen
- eine ausreichende Finanzierung der Grünflächenämter zur Pflege und zum Erhalt des Stadtgrüns
- die Anerkennung von Stadtgrün als Teil der öffentlichen Gesundheitsvorsorge
Die Datengrundlage erhebt die DUH gemeinsam mit der Luftbild Umweltplanung GmbH über Fernerkundungsdaten. Damit sollen Versiegelung, Grünbestand, Baumüberschirmung und Hitzebelastung in allen deutschen Städten mit über 50.000 Einwohnern sichtbar werden. ■
Quelle: DUH / oja