Solarenergie hat sich in Deutschland zu einer der wichtigsten Stromquellen entwickelt. Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) stellten im vergangenen Jahr rund sechs Millionen Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 120 Gigawattpeak rund 19 Prozent der gesamten deutschen Nettostromerzeugung bereit. Damit hat die Photovoltaik die fossilen Energiequellen Erdgas (17 Prozent) und Braunkohle (14 Prozent) überholt. Für das laufende Jahr zeichne sich ein Zubau auf Vorjahresniveau ab, vermeldete der Verband auf seiner Pressekonferenz während der Messe Smarter E Europe. In den ersten fünf Monaten 2026 wurden demnach sechs Gigawattpeak neue PV-Leistung in Betrieb genommen.
Dabei zeigt sich eine Verschiebung der Marktsegmente. Wachstumstreiber sind vor allem Solarparks. Von Januar bis Mai 2026 gingen laut BSW-Solar Freiflächenanlagen mit einer Leistung von rund 3,4 Gigawattpeak neu ans Netz. Dies entspricht einem Plus von rund 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die PV-Installation auf Dächern ging dagegen zurück. Im Gewerbesektor mit Anlagen über 30 Kilowattpeak sank die neu installierte Leistung um rund 30 Prozent. Bei Anlagen für Privatgebäude lag der Rückgang bei rund zwölf Prozent.
Doch für Unternehmen und öffentliche Institutionen wird der Druck wachsen, auch weiterhin in Solartechnik zu investieren. Mit der Neufassung der europäischen Gebäuderichtlinie greift die Solarpflicht ab 2027 für alle neuen öffentlichen sowie für Nichtwohngebäude mit einer Fläche über 250 Quadratmeter. Ab 2028 folgen bestehende Nichtwohngebäude bei größeren Sanierungen sowie ab 2030 sämtliche neuen Wohngebäude und angrenzende überdachte Parkflächen.
Leichte Module sparen Gewicht und Batteriespeicher kosten immer weniger
Für Industrie und Gewerbe bietet die Solartechnik ein großes Potenzial zur Senkung der Betriebskosten bis hin zur präzisen Steuerung des eigenen Lastprofils. Photovoltaikanlagen können dazu auf Bürogebäuden, Carports, Lagerhäusern oder Fabrikhallen installiert und mit Batteriespeichern, Ladesäulen oder Wärmepumpen kombiniert werden.
Dabei können Firmen auf neue technologische Entwicklungen zurückgreifen, wie die Messe gezeigt hat. Flache, leichte und rahmenlose Module mit Siliziumzellen beispielsweise sparen bis zu 70 Prozent an Gewicht ein und ermöglichen die Belegung von Dächern, die bisher aufgrund geringer Traglast ungenutzt blieben.
Besonders attraktiv für Unternehmen ist derzeit die Nutzung von Batteriespeichern. In Deutschland wächst dieser Markt laut BSW-Solar gerade im Rekordtempo. Allein im ersten Quartal 2026 wurden mehr als zwei Gigawattstunden zusätzliche Speicherkapazität in Betrieb genommen. „Deutschland erlebt derzeit einen Speicherboom“, sagt Carsten König, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Batteriespeicher sind eine Schlüsseltechnologie für die Integration erneuerbarer Energien und damit für den Erfolg der Energiewende. Ein Treiber dabei ist, dass Batteriespeicher immer günstiger werden. Um fünf bis zehn Prozent sind die Preise in den vergangenen fünf Jahren gefallen.
Eigenverbrauch optimieren und Lastspitzen meiden
Besonders stark ist die Nachfrage nach Großspeichern sowie Speichern für gewerbliche Anwendungen. Mit so genannten Batterie-Energiespeichersystemen (BESS) stehen Unternehmen ganze Komplettsysteme aus Batteriespeicher, Wechselrichter und Energiemanagementsystem zur Verfügung. Mit diesen lässt sich der Strom flexibel nutzen. Betreibt eine Firma etwa eine PV-Anlage, kann es diesen zunächst abspeichern und dann verwenden, wenn es sinnvoll ist – und nicht nur dann, wenn die Anlage gerade Energie liefert, weil die Sonne scheint.
Neben einer solchen Eigenverbrauchsoptimierung ist die Lastspitzenkappung eine weitere häufig umgesetzte Anwendung. Denn große Lastspitzen innerhalb eines Abrechnungsintervalls verursachen hohe Leistungspreise. Dank des integrierten Energiemanagementsystems lässt sich steuern, dass die Energie des Speichers genutzt wird, bevor eine definierte Grenze überschritten wird. Auf diese Weise lassen sich Lastspitzen abfangen.
Mittlerweile können die Systeme für die verschiedenen Anwendungsfälle virtuell aufgeteilt werden. So lassen sich zum Beispiel jeweils 40 Prozent des Speichers für die Eigenverbrauchsoptimierung sowie die Lastspitzenkappung verwenden und 20 Prozent als Ersatzstrom.
Daneben rückt eine weitere Nutzung zunehmend in den Mittelpunkt, wenn man den Aussagen von Anbietern für gewerbliche Speicher glaubt. Unternehmen können dank intelligenter Speicher auch ins Energie-Trading einsteigen. Will heißen: Strom wird nicht nur gespeichert, wenn er günstig ist, sondern an der Strombörse wieder verkauft, wenn der Preis besonders hoch ist. Für Unternehmen eröffnet sich damit ein zusätzliches Geschäftsfeld.
Mit einem solchen Modell sollen sich Amortisationszeiten von unter fünf Jahren erreichen lassen. Bei den klassischen Anwendungen Eigenverbrauchsoptimierung und Lastspitzenkappung liegen diese dagegen eher im Bereich zwischen sechs und acht Jahren.
Unternehmen, deren Speicher nicht über so viel Kapazität verfügt, dass sie ihren Strom allein an der Börse bereitstellen können, haben die Möglichkeit, dafür auch die Dienste eines Anbieters wie etwa Tesvolt in Anspruch zu nehmen. „Wir aggregieren dabei all die Speicher unserer Kunden auf einer Plattform“, erklärt Technikchef Simon Schandert. Und über diese Plattform nehmen die Unternehmen dann auch mit ihrem Speicher am Trading teil.
Batteriemanagement per Sprachsteuerung
Im privaten Bereich, wo Batteriespeicher für die PV-Anlage auf dem Dach oder das Balkonkraftwerk genutzt werden, werden die Systeme zunehmend kleiner und kompakter. Und sie lassen sich einfacher bedienen. Auf der Intersolar zeigten Aussteller etwa, wie Anwender das Batteriemanagement-System dank KI per Sprache steuern können.
Bei Solaredge beispielsweise kann der Nutzer das System fragen, wann es am sinnvollsten ist, das Elektroauto zu laden. Die KI recherchiert dann alle relevanten Daten und gibt eine passende Antwort. „In der Vergangenheit gab es natürlich auch schon die Möglichkeit, über Konfigurationen festzulegen, wann ein Elektroauto geladen werden soll“, erklärt Marketing Manager Rasmus Wilken. „Aber jetzt ist die Interaktion mit dem System viel einfacher.“ Dadurch würden die Nutzer entsprechende Funktionen viel häufiger nutzen als bisher. „Das kann sicherlich bis zu 1.000 Euro im Jahr sparen“, sagt Wilken.
E-Auto wird automatisch geladen
Eine intelligente Einbindung der E-Mobilität ist ohnehin ein weiterer Trend, der auf The Smarter E Europe zu erkennen war. Dafür sind jetzt Systeme für so genanntes Smart Charging verfügbar. Ziel ist es, das E-Auto dann zu laden, wenn der Strom besonders günstig ist oder wenn überschüssige Energie aus der PV-Anlage verfügbar ist. Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass das Fahrzeug zum gewünschten Abfahrtszeitpunkt über eine ausreichende Batteriekapazität verfügt.
Dafür kann der Nutzer im Energiemanagementsystem verschiedene Parameter eingeben, wie zum Beispiel die gewünschte Abfahrtszeit, den Mindestladestand und die maximale Ladeleistung. Die Software berücksichtigt für ihre Entscheidung verschiedene Faktoren wie aktuelle und prognostizierte Strompreise, Verfügbarkeit von PV-Überschuss, Hausverbrauch und Netzrestriktionen. Mit diesen Informationen steuert das System den Ladevorgang automatisch.
Solche Möglichkeiten zeigen, dass auch im Energie- und Gebäudebereich zum großen Teil Software für Neuerungen zuständig ist. Auf The Smarter E Europe zeigte eine Vielzahl von Startups Lösungen für intelligente Energieplanung, Lastmanagement per KI oder für das Erschließen neuer Geschäftsmodelle. So hat zum Beispiel Furo eine Softwareplattform für gewerbliche und industrielle Batteriespeicher entwickelt. Damit soll es möglich sein, diese nicht nur zu planen, sondern sie auch im laufenden Betrieb möglichst wirtschaftlich einzusetzen. Dafür übernimmt die Plattform mehrere Aufgaben, wie die Dimensionierung der Batteriespeicher, Prognosen mit Hilfe von KI für Strompreise, Wetter und Energieverbrauch sowie Monitoring und Steuerung über den gesamten Lebenszyklus des Speichers.
Künstliche Intelligenz nutzt auch das Startup Zympler. Es bietet ein Energiemanagementsystem, mit dem sich Energieflüsse in Echtzeit überwachen und steuern lassen sollen. Die Software fungiert quasi als „Digital Chief Energy Officer“, mit dem Unternehmen die volle Kontrolle über ihre Energieanlagen wie PV-Wechselrichter, Speicher und Ladepunkte erhalten.