Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Sie haben es sicher mitbekommen: Am 31. Oktober rufen junge Menschen unter dem Motto „GenZ regelt“ deutschlandweit zu Demonstrationen auf. Ihr Anliegen: Gehört zu werden bei den großen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Denn die Konsequenzen der aktuellen Entscheidungen werden vor allem sie tragen müssen. Seien es Bildung, Wehrpflicht und nicht zuletzt der etwas in Vergessenheit geratene Klimaschutz – die jungen Menschen wollen nicht hinnehmen, dass alte Politiker allein über ihre Zukunftschancen entscheiden. Gewalt lehnen sie ausdrücklich ab.
„Gut so!“, möchte man ihnen zurufen. „Seid laut, unbequem und geht uns auf die Nerven mit euren berechtigten Anliegen.“ Offenbar bricht sich hier ein Schmerz Bahn, der die angeblich so bequeme und unpolitische Generation Z auf die Straße treibt, nämlich die Angst, dass wir ihnen eine selbstbestimmte Zukunft verbauen. Mehr Investitionen in Schule und Bildung, bezahlbare Lebenshaltungskosten, gerechtere Lastenverteilung, keine Einführung der Wehrpflicht, weniger Überwachung und mehr Klimaschutz sind ihre zentralen Forderungen.
Warnungen verunsichern auch alle, die friedlich demonstrieren wollen
Forderungen, über die sich diskutieren lässt. Doch was tun unsere verantwortlichen Politiker? Sie hören nicht zu. Nicht eine Sekunde werden die Forderungen der jungen Leute thematisiert. Stattdessen wird gewarnt. Es könnte zu Ausschreitungen wie in Frankreich kommen, heißt es. Die Süddeutsche Zeitung zitiert die Innenminister aus Bayern und Baden-Württemberg mit klaren Warnungen an die Demonstrant:innen: „Wir werden mit aller Härte des Rechtsstaats zurückschlagen“, sagt demnach Manuel Hagel.
Tausende demonstrieren in Berlin gegen Hürden für Wind- und Solarenergie
Damit verkennt die Politik, wie groß der Schmerz bei den jungen Leuten ist. Ja, es besteht die Gefahr, dass extreme Gruppen die friedlichen Proteste missbrauchen wollen. Und es ist gut, dass sich die Sicherheitsbehörden darauf vorbereiten. Was nicht gut ist: Friedliche Schülerinnen, Studenten und ihre Mitstreitenden als gefährliche Radikale zu framen und sie gleichzeitig zu verunsichern. Soll die Zahl der Teilnehmenden gering gehalten werden, weil besorgte Eltern ihren Kindern das Demonstrieren verbieten und friedliebende Protestierende sicherheitshalber zu Hause bleiben? Die Bundesschüler*innenkonferenz hat sich bereits von den Protesten „in ihrer jetzigen Form“ distanziert. Oder soll, koste es auch die Glaubwürdigkeit bei jungen Wälendende, den Älteren versichert werden, man werde sich von Jugendlichen nicht ins Chaos treiben lassen?
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Statt inhaltlich zu diskutieren, stoßen Politiker die Menschen vor den Kopf
Der Schaden ist jetzt schon groß. Tausende junge Menschen werden trotz ihrer berechtigten Anliegen in die extreme Ecke geschoben. So signalisieren konservative Politiker, dass ihnen die Sorgen und Nöte der Menschen nicht wichtig erscheinen – und das nicht zum ersten Mal. Die Reaktion auf die Wahl der Linken in Berlin, die ja vor allem anderen der Ausdruck einer Angst vor unbezahlbaren Wohnungen war? Wir erschweren die ohnehin nicht einfache Vergesellschaftung von Wohnraum. Menschen stimmen für radikale und extremistische (aber nicht verbotene) Parteien? Markus Söder fordert, Bundesländern mit einer aus seiner Sicht extremistischen Regierung, das Geld aus dem Länderfinanzausgleich zu streichen – auch das zielte neben Sachsen-Anhalt (AfD) auf Berlin.
Solche Reaktionen sind ähnlich sinnvoll wie Taschengeldentzug für aufmüpfige Teenager und werden genauso viel bewirken, nämlich Trotz und Entfremdung. Statt über Strafen und Warnungen zu sprechen, müssen wir uns mit Ängsten inhaltlich auseinandersetzen. Wie organisieren wir uns so, dass auch künftige Generationen eine lebenswerte und solidarische Gesellschaft vorfinden? Ideen gibt es genug, aber die Zeit drängt.
Katherina Reiche: 37 Treffen mit der fossilen Lobby, kein einziges mit Erneuerbaren-Vertretern
Statt uns also vor den Protesten der GenZ zu fürchten, sollten auch wir Ältere uns anschließen. In 23 Städten wird protestiert, mehr als 130.000 Teilnehmende haben auf der Website ein virtuelles Ticket gelöst. Mit genügend Unterstützung kann es vielleicht gelingen, den Fokus wieder auf das Inhaltliche zu richten, statt Angst zu verbreiten und so weiter zu spalten. Und je mehr friedliche Demo9nstrierende kommen, desto schwieriger wird es für Extremisten, die Proteste zu kapern.