Schon bei ihrem vierten Mal hätten die Macherinnen und Macher der Key in Rimini kaum dringlichere weltpolitische Begleitumstände für die von Mittwoch bis Freitag tagende italienische Energiewendemesse erfinden können. Die Aktualität der Themen der Technologieschau und Ideenbörse hatten angegriffene Treibstofftransporte durch den Persischen Golf im neuen Irankrieg und der am ersten Messetag explodierte Ölpreis unterstrichen. „Die steigenden Energiepreise dürften auch einige Rückwirkungen“ auf die Bedingungen für die Energiewende haben, sagte Alessandra Astolfi in der Auftaktveranstaltung. Sie ist die Direktorin der Messegesellschaft IEG und dort zuständig für den Themenbereich Nachhaltigkeit und Technologie.
Key 2026: Italien sucht Wege in die Energieselbstständigkeit
RWE verdoppelt Kapazität im Bau in Italien auf 235 Megawatt
Energieintensive Industrie in Italien bekommt mehr Solarstrom
Italien habe wenig Gas und weitere eigene Energie, spitzte dann der Minister für Umwelt und Energiesicherheit Gilberto Pichetto Frattin die Aktualität der Messe zu. Dabei ließ er offen, ob er die Zuhörenden nur an klassische Energiestoffe aus dem Boden wie Gas mit verhältnismäßig geringem Kohlendioxidausstoß im Vergleich zu Öl oder Kohle denken lassen wollte, auch an spaltbares fossiles Material für Atomenergie oder an alle fossilen Rohstoffe. Um heimische Energie unabhängig von den Turbulenzen an den Energiemärkten zu erzeugen, brauche das Land daher eigenen Solar- und Windstrom wie bisher schon. Weil Italien noch „drei bis vier Dekaden“ aber zusätzlich auf Erdgasnutzung angewiesen bleiben werde, müsse das Land angesichts von zuletzt noch mehr als 40 Prozent Anteil der mit Erdgas erzeugten Elektrizität am Strom noch mehr Wind- und Solarkraft einsetzen. Um den auf Importe angewiesenen Gasbedarf zu senken, müsse Italien noch Geothermie und Wasserkraft dazunehmen. Und darauf aufgebaut müsse eine Wasserstoffwirtschaft entstehen, sagte der Minister ohne weitere Erklärung dazu, ob eine als obendrauf bezeichnete Wasserstoffwirtschaft demnach nur auf Ökostrom aufbauen dürfte. Schließlich sei auch noch das Dilemma zu lösen, dass Wasserstoff als emissionsfreier vielfältig nutzbarer Strom „leicht zu produzieren, aber nicht leicht zu nutzen“ sei. Hierfür benötige es erst die Umrüstung der Industrie auf Wasserstoff-fähige Produktionsanlagen. Daher sei ergänzende Nuklearenergie „der einzige Weg“ aus der noch verbleibenden Energieversorgungslücke heraus.
Seit die politisch rechtsgerichtete Drei-Parteien-Regierung unter der Ministerpräsidentin Georgia Meloni im Amt ist, treibt sie einen Einstieg Italiens in die Nutzung kleiner modularer Atomkraftreaktoren voran – indem sie zunächst Stimmung dafür macht. Zwei Volksabstimmungen zur Kernenergie 1987 und 2011 hatten jeweils mehrheitliche Voten der Bevölkerung gegen die Technologie ergeben. Stattgefunden hatten sie freilich jeweils unmittelbar unter dem noch frischen Eindruck einer im Vorjahr erfolgten Reaktor-Havarie in der damaligen Sowjetunion und in Japan. Im Oktober legte die Regierung inzwischen auch den Entwurf eines Ermächtigungsgesetzes vor, wonach die Regierung das Nähere zur Wiedereinführung der Technologie und zur Eindämmung ihrer Risiken regeln kann. Im Februar gab Pichetto Frattin dem Projekt den bisher jüngsten Anschub und kündigte an, im Juli den fertigen Gesetzentwurf für eine nachhaltige Atomkraft von beiden Parlamentskammern verabschieden zu lassen und bis Jahresende den rechtlichen Rahmen festzulegen.
Das vergangene Jahr, so gab der Minister in seiner Eröffnungsansprache den Teilnehmenden der Messe auf den Weg durch die Hallen, habe derweil belegt, dass Wind- und Solarkraft auf der Basis herkömmlicher Technik an Land keine Subventionen mehr benötige: Pichetto Frattin spielte damit auf den 2025 eingeführten neuen Ausschreibungsmodus Fer-X an. Dieser ließ im vergangenen Jahr als Fer-X-transitorio ohne vorherige Zustimmung der Europäischen Union (EU) eine Mischvergütung mit eingebauten und zuschussfreien privatwirtschaftlichen Stromlieferverträgen zu. Allerdings kam für die Windkraft nicht so viel angebotene Erzeugungskapazität zusammen, dass es zu den von der Ausschreibungsbehörde GSE anvisierten Zuschlägen für eine Erzeugungskapazität von 2,5 Gigawatt kam. Vielmehr hatten Windenergieinvestoren nur Zuschläge für 940 Megawatt herausgeholt und wohl kaum mehr Kapazität angeboten, Angaben aus der Branche zufolge bremste ein zu niedrig angesetzter Bereich, in dem die Gebote die Vergütugshöhe für die Projekte ansteuern durften.
Die Messe Key Energy zielt auf eine komplette Abbildung der Energiewendetechnologien und ihrer Wertschöpfungsketten. Zudem ist Key eine Technikschau mit der Chance für den Technologiestandort Italien, sich im Mittelmeerraum großräumig energiewirtschaftlich zu vernetzen. Mehr als 500 betreute Einkäufer und Delegationen aus Afrika, den Golfstaaten – aus insgesamt mehr als 50 Ländern besuchen die Messe. Insgesamt meldet die Messe zudem 1.000 Ausstellende, davon 30 Prozent aus dem Ausland. In den 24 Hallen sind die Ausstellenden und Bühnen erstmals sieben Schwerpunktthemen zugeordnet: Solar, Windkraft, Wasserstoff, Energieeffizienz, Energiespeicher, E-Mobilität und nachhaltige Städte.