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Energiewende unter Strom: Bioenergie ausgebremst, Hannover dreht die Wärme auf

Wenn Wind und Sonne wenig Strom liefern, können Biomasseanlagen einspringen. Doch ausgerechnet bei dieser steuerbaren Energiequelle bleibt eine EEG-Ausschreibung weit hinter ihrem Volumen zurück: Für die Oktober-Runde standen nach Angaben des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB) 617 Megawatt zur Verfügung. Eingereicht wurden 328 Gebote über zusammen 442 Megawatt; Zuschläge erhielten 244 Gebote mit insgesamt 319 Megawatt.

Damit wurde nur gut die Hälfte des ausgeschriebenen Volumens vergeben. Weil die Runde unterzeichnet war, griff erneut die sogenannte endogene Mengensteuerung: Die Gebote mit den höchsten Preisen, die zusammen 20 Prozent des eingereichten Volumens ausmachen, wurden vom Zuschlag ausgeschlossen. Die Regel soll Wettbewerb auch dann sichern, wenn weniger Leistung angeboten wird als ausgeschrieben. In dieser Runde führte sie jedoch dazu, dass selbst von den eingereichten Geboten ein Teil ohne Zuschlag blieb.

Für die Bioenergiebranche ist das ein Warnsignal. HBB-Leiterin Sandra Rostek führt die geringe Beteiligung auf unzureichende Investitionsanreize im geltenden Erneuerbare-Energien-Gesetz zurück. Viele Betreiber warteten auf die laufende EEG-Novelle. Der Verband fordert unter anderem weniger starre Vorgaben für den Anlagenbetrieb und bessere Bedingungen für kleinere Konzepte. Seine Position: Biogas und Holz sollen Strom und Wärme gerade dann liefern können, wenn die Erzeugung aus Wind und Sonne schwankt. Ob die erhofften Investitionen folgen, hängt aus Sicht des HBB nun wesentlich von der Ausgestaltung des neuen Gesetzes ab.

Hannover macht Strom zu Fernwärme

Aber was tun, wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar ist? In Hannover hat Enercity den Grundstein für eine Power-to-Heat-Anlage im Stadtteil Groß-Buchholz gelegt. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Euro. Zwei elektrische Wärmeerzeuger sollen mit einer Spitzenleistung von zusammen 100 Megawatt Strom aufnehmen und in Wärme für das Fernwärmenetz umwandeln. Die Inbetriebnahme ist zur Heizsaison 2027/28 geplant.

Enercity bezeichnet das Vorhaben als künftig größte Power-to-Heat-Anlage Niedersachsens. Zusammen mit den bereits vorhandenen Anlagen soll Hannovers entsprechende Kapazität auf rund 175 Megawatt steigen. Diese Gesamtleistung vergleicht das Unternehmen mit der Leistung von etwa 30 modernen Windenergieanlagen – nicht die neue Anlage allein. Für die direkte Umwandlung von Strom in Wärme nennt enercity einen Wirkungsgrad von mehr als 99 Prozent.

Die Anlage kann Stromüberschüsse nutzbar machen, statt erneuerbare Erzeugung in solchen Situationen ungenutzt zu lassen. Wie häufig sie tatsächlich läuft und welchen Beitrag sie zur Entlastung des Stromsystems leistet, hängt allerdings vom künftigen Angebot erneuerbaren Stroms, vom Wärmebedarf und von den Betriebsbedingungen ab. Sie ist Teil eines größeren Umbaus der hannoverschen Fernwärme, mit dem enercity nach eigenen Angaben auch den geplanten Kohleausstieg vorantreiben will.

Die eigentliche Aufgabe: Flexibilität in beide Richtungen

Die beiden Meldungen beschreiben keine konkurrierenden Lösungen. Flexible Bioenergie kann Strom bereitstellen, wenn er gebraucht wird. Power-to-Heat kann Strom aufnehmen, wenn er reichlich vorhanden ist, und so fossile Wärme verdrängen. Für ein Energiesystem mit viel Wind- und Solarstrom sind beide Fähigkeiten wichtig.

Gerade deshalb fällt der Kontrast auf: Während Hannover 100 Megawatt neue elektrische Wärmeerzeugung baut, blieb die Biomasse-Ausschreibung deutlich unterzeichnet. Die Technik für mehr Flexibilität ist an unterschiedlichen Stellen vorhanden. Entscheidend ist nun, ob Regeln und Investitionsbedingungen ihren Einsatz auch ermöglichen.