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Flexibilisierung von Biogas statt teurer Kraftwerksneubauten

Flexible Bioenergieanlagen seien ein wichtiger Baustein für Versorgungssicherheit und ein erneuerbares Stromsystem, sagte Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas, mit Bezug auf die Ergebnisse des Kabinettsbeschlusses zu EEG und Netzpaket. Die bestehende Infrastruktur für Biogas zu erhalten und weiterzuentwickeln sei günstiger, als sie abzuschalten und später durch neue Reserve- oder Gaskraftwerke ersetzen zu müssen.

Die Ergebnisse des Kabinettsbeschlusses sind auch aus Sicht der Bioenergie eine Verschlechterung gegenüber den ohnehin schon kritisch bewerteten Referentenentwürfen. Der Fachverband Bioenergie verweist auf Anpassungsbedarf. „Dieser Kabinettsentwurf setzt sichere, heimische Bioenergieleistung im Gigawattbereich aufs Spiel und bedeutet das Ende für zahlreiche Biogasanlagen.“ Dabei könnten allein durch die Flexibilisierung des Anlagenbestands bis 2030 zwölf Gigawatt gesicherte, flexible und erneuerbare Leistung bereitgestellt werden. „Dafür brauchen wir ein deutlich höheres Ausschreibungsvolumen, die Anhebung des Flexzuschlags und eine Verlängerung des Vergütungszeitraums”, so Horst Seide.

Er fordert u.a. die angekündigte Begrenzung bzw. Reduzierung von Ausschreibungen für Bioenergie zurückzunehmen. Die sogenannte „Viertelstundenregelung“ muss zudem abgeschafft bzw. überarbeitet werden. Ausschreibungen sollten so ausgestaltet werden, dass flexible Bioenergieanlagen wirtschaftlich weiterbetrieben und modernisiert werden können. Planungssicherheit für Unternehmen muss geschaffen werden, damit Investitionen etwa in Biomethan und flexible Stromerzeugung möglich bleiben. Zudem müssen die Anschlusskosten und Anschlussbedingungen für Biomethan- bzw. Biogasanlagen am Gasnetz verbessert werden.

Biomethan und Gasnetze: Anschlussmöglichkeiten sichern

Biomethan ist laut Seide ein wichtiger künftiger Energieträger. Hohe Anschlusskosten und unsichere Rahmenbedingungen erschweren jedoch Investitionen. Entsprechend müssten wirtschaftliche Anschlussmöglichkeiten für Biomethan an das Gasnetz geschaffen werden. Die laufenden Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium zu Kosten und Netzzugang müssen nach Seides Aussage dringend zu konkreten Verbesserungen führen. Langfristige Perspektiven für erneuerbare Gase sollten zudem geschaffen werden, statt Infrastruktur und Investitionsbereitschaft durch unklare politische Signale zu gefährden.

Photovoltaik: Kürzungen der Förderung für kleine Dachanlagen verhindern

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW Solar, betonte zunächst, die geplanten Änderungen bei der Förderung kleiner Photovoltaikanlagen würden private Haushalte, Familien, Handwerk und Mittelstand ausbremsen. Insbesondere die Umstellung von langfristig kalkulierbaren Vergütungen auf kurze bzw. deutlich niedrigere Übergangsregelungen zerstöre Investitionssicherheit.

Eine Reduzierung der Förderung von bislang langfristig garantierten Vergütungen auf nur wenige Jahre sei eine massive Verschlechterung. Kleine PV-Anlagen würden faktisch zur Direktvermarktung gezwungen, obwohl die damit verbundenen Mess-, Steuerungs- und Abwicklungsprozesse für Eigenheime technisch und wirtschaftlich kaum sinnvoll seien. Das Dach eines Einfamilienhauses sei kein „Börsenparkett“: Private Betreiber sollten nicht mit komplexen Marktprozessen überfordert werden. Ein Rückgang bei kleinen Solardachanlagen gefährde Arbeitsplätze im Handwerk und Mittelstand und bremse die Bürgerbeteiligung an der Energiewende.

Forderungen des BSW: Verlässliche und ausreichend lange Förder- bzw. Vergütungsregelungen für kleine PV-Dachanlagen beibehalten. Keine verpflichtende Direktvermarktung für kleine Mengen nicht selbst verbrauchten Solarstroms, solange einfache, standardisierte und wirtschaftliche Lösungen fehlen. Erst digitale Infrastruktur, intelligente Messsysteme und standardisierte Vermarktungsprozesse schaffen – danach schrittweise Marktintegration ausweiten. Private Haushalte, Mieter, Kommunen und kleinere Betriebe weiterhin aktiv als Erzeuger in die Energiewende einbinden.

Solarenergie beschleunigen statt bremsen

Laut Körnig sei Solarenergie heute schnell verfügbar, dezentral, vergleichsweise kostengünstig und systemrelevant. Wer ihren Ausbau verlangsame, erhöhe langfristig die Abhängigkeit von fossilen Energien, Importen und teuren Gaskraftwerken. Dezentrale Solaranlagen senkten nach Angaben des Solarverbandschefs fossile Energieimporte und stärkten Versorgungssicherheit. Ein Rückgang bei Bürger- und Dachanlagen könne die Akzeptanz für die Energiewende beschädigen. Einschnitte widersprächen dem politischen Ziel, private Haushalte stärker an der Energieversorgung zu beteiligen.  Er fordert: Den Ausbau von Solarenergie nicht durch Förderkürzungen oder unnötige Bürokratie behindern. Netzausbau und Digitalisierung deutlich schneller voranbringen. Energiepolitik an Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit ausrichten.

Stromnetze: Transparenz und bessere Auslastung

Viele Konflikte zwischen Netzbetreibern und Erzeugern entstehen nach Ansicht der Regenerativverbände durch mangelnde Transparenz. Gleichzeitig könnten bestehende Netze mit digitalem Netzbetrieb besser genutzt werden, statt ausschließlich auf kostspieligen Neubau zu setzen.

Netzbetreiber zu mehr Transparenz gegenüber Stromerzeugern verpflichten, etwa bei Engpässen, Abregelungen, Entschädigungen und Netzzuständen. Einen geschützten Datenraum bzw. verlässliche Kommunikationsstrukturen zwischen Netzbetreibern und Erzeugern schaffen. Digitale Instrumente wie Temperaturmonitoring einsetzen, um Leitungskapazitäten besser auszuschöpfen. Das Thema Cybersicherheit bzw. „Anschlagsrisiken“ nicht als pauschales Argument gegen Digitalisierung und Dezentralität verwenden.