Die Energiewende gerät politisch unter Druck. Wie reagiert der Speichermarkt darauf?
Auch wenn die Bundesregierung mehr über Gas als über erneuerbare Energien spricht, ist der Trend von Erneuerbaren und Energiespeichern nicht aufzuhalten. Schließlich ist ihr Ausbau absolut notwendig, um unsere Klimaziele und die angestrebte CO2-Reduktion zu erreichen. Was mir Sorgen bereitet, ist allerdings der stetig wachsende Anteil an chinesischen Herstellern im Markt.
Was ist daran problematisch?
Vor etwa zehn Jahren lag der Anteil von chinesischen Herstellern noch bei rund 25 Prozent. Heute kontrollieren chinesische Hersteller über 70 Prozent der etwa 110 Gigawatt installierten Photovoltaikleistung. Das bedeutet, dass Deutschland in wenigen Jahren bei seiner Energieinfrastruktur stärker von China abhängig sein könnte als 2021 vom russischen Gas. Die Sabotagegefahr in unserem Stromnetz, das wir mittlerweile auch zum Heizen via Wärmepumpen oder Fahren via E-Autos benötigen, ist enorm hoch. Deutschland macht sich dadurch sehr angreif- und erpressbar.
Mit welchen Geschäftsmodellen werden die Speicher derzeit refinanziert?
Nach wie vor dominieren die klassischen Geschäftsmodelle wie Eigenverbrauchsoptimierung oder Lastspitzenkappung den Markt. Allerdings eröffnet der sehr volatile Strompreis an der Börse ganz neue Möglichkeiten. Darum haben wir auch Tesvolt Energy gegründet, die gewerbliche Batteriespeicher möglichst intensiv ausnutzt, indem sie die Batterien belädt, wenn der Strompreis niedrig ist, und den gespeicherten Strom an der Strombörse verkauft, wenn er teuer ist. Dieses Geschäftsmodell ist normalerweise nur großen Batterien mit mehr als einer Megawattstunde Kapazität vorbehalten. Tesvolt Energy ändert das und bündelt viele gewerbliche Speicher zu einem großen virtuellen Kraftwerk. Diese Speicherkapazität lassen wir von drei der besten Trader Deutschlands vermarkten. So ist das für alle, die einen Netzanschluss mit mindestens 50 Kilowatt haben, ein superlukratives Geschäftsmodell.
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Welche Hürden müssten beseitigt werden, um den Ausbau von Speichern zu beschleunigen?
Das Geschäftsmodell der Vermarktung von Gewerbespeichern kann auch unabhängig von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gewerbebetriebs funktionieren. Dafür muss einfach der Strom aus dem Netz in einem Batteriesystem gespeichert werden, wenn der Strompreis günstig ist, weil zu viel Strom im Netz verfügbar ist. Viele Netzbetreiber sehen allerdings die Gefahr, dass dadurch das Stromnetz noch zusätzlich belastet wird. Daher kann die Genehmigung solcher Speichersysteme mitunter lange dauern. Es bedarf eines Austauschs mit den Netzbetreibern, um gemeinsame Fahrweisen zu definieren, welche skalierungsfähig sind und das Stromnetz stützen.
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Technologisch ist immer noch die Lithium-Ionen-Batterie führend. Wird es in naher Zukunft andere Technologien geben, die mit weniger kritischen Materialien auskommt?
Batteriespeicher sind in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Speichertechnologien geworden, weil sie weniger kosten und einen geringen ökologischen Fußabdruck haben. Lithium-Eisen-Phosphat-Technologien (LFP) werden die nächsten Jahre dominieren und sich weiterentwickeln. Es wird beispielsweise noch langlebigere Zellen geben. Ob und gegebenenfalls wann auch Feststoffzellen zum Einsatz kommen, ist noch unklar. Dagegen sind Natrium-Ionen-Batterien technologisch eine spannende Alternative. Sie müssen aber noch langlebiger und preislich wettbewerbsfähiger werden. Dann sehe ich in der Natrium-Ionen-Batterie eine vielversprechende Möglichkeit für die EU, sich unabhängiger vom strategisch kritischen Rohstoff Lithium zu machen.
Die Fragen stellte Sven Ullrich.