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Netz­situation spielt entscheidende Rolle

Im Interview erklärt Martin Körner, CEO von Luxera Energy, warum Co-Location-Konzepte mit Batteriespeichern zur wirtschaftlichen Notwendigkeit werden – und weshalb die Netzsituation dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Wie verändern Co-Location-Konzepte aktuell die Wirtschaftlichkeit von Erneuerbaren-Projekten?
Martin Körner:
Co-Location ist für Betreiber von Wind- und Solarparks keine Option mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Sinkende Marktprämien und häufigere Negativpreise machen volatile Erzeugungsanlagen ohne Speicher zunehmend unrentabel. Laut Enervis lagen die Stunden mit negativen Strompreisen 2025 bei rund 575 – bis 2034 werden es rund 1.300 sein.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Grünstrom- und Graustrombetrieb. Ein reiner Grünstromspeicher, der ausschließlich aus dem gekoppelten EE-Asset lädt, ist stark limitiert. Das Ergebnis: niedrige einstellige Renditen bei ungesicherten Erlösen und somit erheblichem Risiko. Der Graustrombetrieb sichert das Erneuerbare-Asset strukturell ab – der Speicher kann ganzjährig flexibel aus dem Netz laden und vermarktet werden. Durch Synergieeffekte bei Capex und Opex am gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt erreichen wir einen Internal Rate of Return auf Stand-alone-Niveau – bei gleichzeitig effizienterer Ausnutzung der Netzinfrastruktur. Größte Hürden: Dimensionierung, Bezugsleistung, Messkonzept und fehlende Bankenroutine.

Martin Körner, CEO von Luxera Energy

Luxera

Martin Körner, CEO von Luxera Energy

Welche konkreten Erlösmodelle eröffnen Hybridkraftwerke hier?
Martin Körner:
Der strukturelle Vorteil liegt in einer natürlichen Korrelation: Wenn Erneuerbare unter Druck geraten – hohe Einspeisung, negative Preise –, sind genau dann die BESS-Erlöse hoch. Der Speicher lädt günstig und entlädt teuer: der perfekte Hedge für die Erzeugungsanlage. Volatilität, die früher Verluste bedeutete, wird zur Erlössteigerung. Im Graustrombetrieb kommt Regelenergie hinzu. Die Kombination macht das Hybridkraftwerk deutlich robuster als jede Einzelkomponente. Langfristig profitiert Arbitrage von wachsender Marktvolatilität, Regelenergie pendelt sich auf ein gewisses Gleichgewicht ein.

Was bedeutet es in der Praxis, Großspeicher netzdienlich zu betreiben?
Martin Körner:
Netzverträgliche Fahrweise bedeutet, dass der Speicher nicht isoliert nach Marktpreisen agiert, sondern seinen Betrieb mit dem Netzbetreiber abstimmt – orientiert an tatsächlichen Engpasssituationen. Diesen Zielkonflikt lösen wir mit Flexradar: Wir simulieren den Lastgang am Netzverknüpfungspunkt über 40 Wetterjahre und leiten ein Fahrprofil ab, das Netzverträglichkeit garantiert und Vermarktungsflexibilität erhält. Darüber hinaus können Batteriespeicher aktiv netzdienliche Funktionen übernehmen: Blindleistung stabilisiert Spannung, synthetische Trägheit ersetzt rotierende Generatoren in Millisekunden, Schwarzstartfähigkeit ermöglicht den Netzwiederaufbau nach einem Blackout. Der Batteriespeicher wird zur systemrelevanten Netzinfrastruktur.

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Mit Flexradar bieten Sie ein datenbasiertes Tool für Netztransparenz an. Wie funktioniert diese Technologie – und welchen Mehrwert liefert sie gegenüber klassischen Prognoseansätzen?
Martin Körner: Flexradar ist unser digitaler Zwilling des Netzverknüpfungspunkts: Das Tool schafft stündliche Transparenz über die tatsächliche Auslastung von Netzknoten. Der entscheidende Unterschied: Netzbetreiber arbeiten heute mit Worst-Case-Annahmen – maximale Einspeisung und maximale Last. Das führt zur Ablehnung wirtschaftlich sinnvoller Projekte, obwohl diese Extremfälle kaum eintreten. Auf Basis der Simulation leiten wir gemeinsam mit dem Netzbetreiber eine netzverträgliche Fahrweise für den Batteriespeicher ab. Ergebnis: Netzanschlüsse werden genehmigt, die sonst gescheitert wären.

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Wo sehen Sie Effizienzgewinne und wo wird das Potenzial nicht ausgeschöpft?
Martin Körner:
Capex-seitig teilen sich EE-Anlage und Speicher vor allem Trafostation bzw. Umspannwerk sowie gegebenenfalls Leitungstrassen, Opex-seitig werden bei Vermarktung, Wartung und Betriebsführung Skaleneffekte genutzt. Was heute noch unausgeschöpft ist, nennen wir Tri-Location: Wind, PV und Speicher an einem gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt. Da Wind und PV komplementäre Profile haben, wird der Speicher wesentlich besser ausgelastet als im Grünstromspeicher-Modell mit einer Anlage – ganz ohne Netzbezug und erzielt somit starke Erlöse. Mit unserem Tool Gridfit bestimmen wir die optimale Dimensionierung und schaffen Spielraum für attraktive Erlösstrukturen auf allen Seiten.

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