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„Windarme und -reiche Phasen können länger anhalten“

Wie verändert der Klimawandel den Wind?

Carsten Albrecht: Der Klimawandel verändert die Dauer bestimmter Wetterlagen. Hoch- oder Tiefdrucksysteme bleiben tendenziell länger an einem Ort. Früher zog eine Serie von Tiefdruckgebieten vom Atlantik oft innerhalb weniger Tage über Mitteleuropa hinweg. Heute können einzelne Drucksysteme und Wetterlagen deutlich länger bestehen bleiben. Windreiche oder -arme Phasen können länger andauern. In den letzten Jahren haben wir mehrfach gesehen, dass stabile Hochdrucklagen über Wochen hinweg wenig Wind gebracht haben.

Welche Folgen hat das für die Windkraft?

Carsten Albrecht: Für Betreiber bedeutet das vor allem, dass sich die Produktionsmuster verändern können. Es kann längere Phasen mit hoher Einspeisung geben, aber auch mit wenig Wind. Für das Energiesystem wird dadurch die Kombination verschiedener erneuerbarer Energien wichtiger. Windenergie allein kann solche Schwankungen nicht ausgleichen – sie muss mit Solarenergie, Speichern und anderen Flexibilitätsoptionen zusammenspielen.

Carsten Albrecht
AL-PRO

Foto: AL-PRO

Welche Rolle spielen heute Windatlanten und Windmappings?

Carsten Albrecht: Früher gab es viele regionale Windkarten, die von verschiedenen Marktakteuren erstellt wurden, etwa für einzelne Regionen oder Landkreise. Das ist inzwischen weitgehend verschwunden. Stattdessen haben viele Bundesländer ihre offiziellen Windatlanten aktualisiert. Wir haben zum Beispiel 2019 den neuen Windatlas für Baden-Württemberg erstellt und aktuell den für Nordrhein-Westfalen. Auftraggeber sind dabei meist Landesministerien oder entsprechende Landesbehörden. Die Atlanten liefern Orientierung für Projektentwickler, etwa zu mittleren Windgeschwindigkeiten oder zur Standortgüte in verschiedenen Nabenhöhen.

Was wird wichtiger für Windgutachten, wenn das Energiesystem stärker auf Erneuerbare ausgerichtet ist?

Carsten Albrecht: Der Fokus verschiebt sich zunehmend von der Frage „Wie viel Energie produziert ein Standort?“ hin zu „Wann wird diese Energie produziert?“. Früher stand vor allem der mittlere Jahresertrag im Mittelpunkt. Heute wollen viele Projektentwickler zusätzlich Zeitreihen sehen – also stündliche Einspeiseprofile über viele Jahre hinweg. Das ist wichtig, weil die Strompreise davon abhängen, wann Energie eingespeist wird. (NW)

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