Sie arbeiten mit einem selbstentwickelten 3D-Strömungsmodell. Welche Informationen bietet es Windparkplanern?
Eric Tromeur: Unsere Software basiert auf einem 3D-CFD-Strömungsmodell, das wir seit mehr als zwanzig Jahren entwickeln. Das Ziel war es, ein Werkzeug zu schaffen, das speziell für komplexes Gelände geeignet ist. In vielen Regionen – zum Beispiel in Frankreich, aber auch in Teilen Deutschlands – weist die Topografie Hügel, Wälder oder Täler auf. Herkömmliche lineare Modelle haben damit oft Schwierigkeiten. Unser CFD-basierter Ansatz ermöglicht es, die Komplexität besser abzubilden und die Windströmung detailliert zu simulieren, was zuverlässigere Ertragsbewertungen beschert.
Lange war das WASP-Modell der Standard bei der Windbewertung. Welche Vorteile bietet Ihr 3D-Modell gegenüber WASP?
Eric Tromeur: WASP ist ein sehr gutes und weit verbreitetes Tool, basiert jedoch auf linearen Modellierungsansätzen. Diese funktionieren gut bei einfachem Gelände, verlieren jedoch an Genauigkeit, sobald das Gelände komplexer wird. Unser CFD-Modell wurde speziell für solche komplexen Gegebenheiten entwickelt. Es ermöglicht uns, Effekte wie Strömungsablösung, den Einfluss von Waldbeständen und komplexe Topografie besser zu erfassen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die atmosphärische Stabilität. In kontinentalen Klimazonen wie Deutschland kann die atmosphärische Schichtung starken Einfluss auf die Windströmung haben. Unser Modellierungsansatz kann diese unterschiedlichen atmosphärischen Situationen besser abbilden, was die Genauigkeit der Energiebewertungen verbessert.
Warum ist Ihr neues Winddatenportal für Windunternehmen attraktiv?
Eric Tromeur: Das Winddatenportal bietet einfachen Zugang zu Winddaten, insbesondere in den frühen Phasen der Projektentwicklung. Entwickler können schnell eine erste Einschätzung des Windpotenzials an einem Standort vornehmen, ohne sofort eine vollständige Messkampagne starten zu müssen. Für Offshore-Standorte integriert das Portal zudem satellitengestützte Daten zur Abschätzung der Windressourcen. Darüber hinaus integrieren wir Klimaindikatoren und andere Analysewerkzeuge, damit Nutzer verschiedene Szenarien für einen Standort durchspielen können. Unser Ziel ist es, Winddaten frühzeitig für Planer zugänglich zu machen. (NW)