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Markttrends

Runter von der Bremse!

Die Speicherbranche in Deutschland hat 2025 ein starkes Comeback hingelegt. Nach einem schwachen Vorjahr sind die Umsätze nun wieder kräftig gestiegen. Die Zubauzahlen erreichen Rekordniveau, und auch die Bevölkerung steht hinter der Technologie. Doch hinter den guten Zahlen zeigen sich erste Risse: Im ersten Quartal 2026 hat sich die Stimmung in der Branche eingetrübt. Investitionsentscheidungen stehen auf der Kippe, Projekte verzögern sich – und das liegt nach Einschätzung des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES) vor allem an der Energiepolitik der schwarz-roten Bundesregierung. Hier gilt es nachzubessern.

Großspeicher legen um 72 Prozent zu

Nach einem Rückgang auf rund 11,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 erholte sich der deutsche Speichermarkt 2025 auf rund 15,2 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet der Verband einen weiteren Anstieg auf etwa 17,1 Milliarden Euro – das ausschöpfbare Potenzial liegt sogar bei rund 19 Milliarden Euro. Treiber dieser Entwicklung war vor allem das Segment Systeminfrastruktur: Die Großspeicher legten um stolze 72 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu.

Aber auch im Bereich Haushalt und Gebäude verzeichnete der Verband ein Plus von 15 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, im Industrie- und Gewerbesegment immerhin 20 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Beim Bestand erreichten Heimspeicher rund 2,3 Millionen Systeme mit knapp 20 Gigawattstunden. Großbatteriespeicher kamen auf rund vier Gigawattstunden bei 2,5 Gigawatt Leistung – bis Ende 2026 sollen es bereits neun Gigawattstunden und fünf Gigawatt sein.

Großspeicher boomen, Gewerbe liegt zu

Diese Dynamik bestätigt auch der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) auf Basis einer Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur. Im ersten Quartal 2026 gingen mehr als zwei Gigawattstunden neuer Speicherkapazität ans Netz – ein Plus von rund 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Immerhin: Der Gesamtbestand stationärer Batteriespeicher reiche rechnerisch aus, um den Tagesstrombedarf von rund drei Millionen Privathaushalten zu decken.

Der Treiber unter den Segmenten ist jedoch klar zu identifizieren: Großspeicher mit einer Einzelkapazität von mehr als einer Megawattstunde verzeichneten im ersten Quartal einen Zubau von über einer Gigawattstunde – ein Plus von rund 270 Prozent und damit nahezu eine Vervierfachung. Auch das Gewerbesegment legte um rund 42 Prozent zu – wenn auch mit 160 Megawattstunden auf niedrigem Niveau. Heimspeicher bewegen sich mit rund 740 Megawattstunden etwa auf Vorjahresniveau.

Politik bremst, statt zu beschleunigen

Doch ausgerechnet in dieser Aufwärtsphase droht die Politik nach Einschätzung beider Verbände zum Bremsklotz zu werden. Der BVES kritisiert die bisherigen regulatorischen Anpassungen der Bundesregierung – EEG-Novelle, Netzpaket und Kraftwerksstrategie – als rückwärtsgewandt. Besonders die Debatten über ein Ende der Netzentgeltbefreiung für Speicher und Unsicherheiten bei flexiblen Netzanschlussverträgen verunsichern Investoren – und das, obwohl der Netzentwicklungsplan Strom bis 2037 einen Speicherbedarf von 41 Gigawatt und bis 2045 sogar 93 Gigawatt ausweist.

Besonders deutlich wird BVES-Präsident Thomas Speidel beim Thema Kapazitätsmarkt: „Ein solches Modell ist ein statisches Werkzeug des letzten Jahrhunderts.“ Stattdessen brauche es flexible, technologieoffene und marktgetriebene Lösungen. „Wenn Gaskraftwerke effizient, systemrelevant und unverzichtbar sind, sollten sie den Wettbewerb nicht fürchten.“ Mit dem Maßnahmenpapier Endspurt 2030 hat der Verband bereits konkrete Vorschläge vorgelegt, um Hemmnisse abzubauen.

Auch der BSW-Solar mahnt einen Abbau bestehender Marktbarrieren an: vereinfachte Rahmenbedingungen für Co-Located-Speicher, beschleunigte Netzanschlussverfahren und Netzentgeltregelungen, die den Speicherbetrieb nicht verteuern. „Batteriespeicher können den Bedarf an teuren Reserve-Gaskraftwerken deutlich reduzieren“, erklärt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Bei Netzengpässen und negativen Strompreisen sollten Solaranlagen nicht mehr abgeregelt, sondern der Strom in lokalen Batterien gespeichert werden können.

Rückenwind erhält die Branche aus der Bevölkerung: In einer Yougov-Befragung unter 2.190 Wahlberechtigten nannten 42 Prozent Batteriespeicher als bevorzugte Option, um Schwankungen bei Wind- und Solarkraftwerken auszugleichen. Erdgaskraftwerke kamen nur auf 17 Prozent.

Batteriepreise steigen aktuell wieder

Während die Branche um stabile politische Rahmenbedingungen ringt, verändert sich auch das wirtschaftliche Umfeld. Franz-Josef Feilmeier, Geschäftsführer von Fenecon, sieht das Ende des jahrelangen Preisrutsches gekommen: „Aktuell deuten alle Anzeichen auf steigende Preise hin.“ Der Lithiumcarbonatpreis habe sich zwischenzeitlich mehr als verdreifacht.

Allein dieser Effekt entspricht laut Feilmeier einem Preisanstieg von rund 13 Euro pro Kilowattstunde – bei großen Batteriespeichersystemen seien das schon zehn bis 15 Prozent. Hinzu kommen Wechselkurseffekte und die Teilabschaffung der chinesischen Exportsteuererstattung.

Europäische Industrialisierungswelle kommt

Konkret zahlt Fenecon für Heimspeicher-Batteriemodule aus China im zweiten Quartal 2026 bereits 18 Prozent mehr als noch im vierten Quartal 2025. Bis zum ersten Quartal 2027 erwartet Feilmeier Steigerungen von mindestens 25 bis 30 Prozent.

Eine interessante Marktbeobachtung: Auf dem europäischen Markt seien noch kleinere Hersteller mit teils günstigeren Preisen aktiv, während in den USA und Australien nur noch große Tier-1-Hersteller liefern könnten – und dort kaum noch Ware verfügbar sei. Diese Verschiebungen eröffnen nach Feilmeiers Einschätzung neue Chancen für europäische Hersteller.

Chinesische Anbieter werden zunehmend aus US-Projekten ausgeschlossen, in der EU gilt mittlerweile ein Verbot chinesischer Wechselrichter in EU-geförderten Projekten. „Es wird also schon bald so sein, dass die Nachfrage nach europäischen Speichern höher sein wird als die Produktionskapazität“, erläutert Feilmeier.

Vom Heimspeicher zum Gewerbesegment

In der Folge könnte eine europäische Industrialisierungswelle entstehen, an der auch chinesische Akteure mitwirken wollen – allerdings ohne Eigentum oder direkte Kontrolle. Denn das verbieten die Vorgaben zur Cybersicherheit der Europäischen Union. Technologisch sieht Fenecon-Chef Feilmeier europäische Anbieter vor allem beim Energiemanagement im Vorteil, weil der heimische Markt individualisierbare Lösungen und kontinuierliche Weiterentwicklung verlangt.

Auch die Anwendungen und Anforderungen an die Speicher verändern sich im Lauf der Zeit. Im Heimspeichersegment gewinnt Fenecon nach eigenen Angaben deutlich Marktanteile – vor allem dank umfangreicher EMS-Lösungen. Feilmeier beobachtet zunehmend sogenannte Zweitkunden, die nach Erfahrungen mit einem ersten System klare Anforderungen an Funktionsumfang und Energiemarktintegration stellen.

Stark nachgefragt seien Hybridwechselrichter von 15 bis 100 Kilowatt Leistung mit hohen, oft dreistelligen Kilowattstunden-Kapazitäten. Auch das Industrial-XL-Segment mit Systemen, die vier Megawattstunden liefern, läuft gut.

Entscheidungsjahr für die Speicherbranche

Wie sich der europäische Markt insgesamt entwickelt und welche Rolle Gewerbespeicher künftig spielen, wird auch ein zentrales Thema der Fachmesse EES Europe 2026 sein. Ein Blick auf den Schweizer Batteriemonitor zeigt bereits, wie sehr Tarifmodelle und Vergütungsstrukturen den Speichermarkt prägen können.

Damit schließt sich der Kreis: Die deutsche und europäische Speicherbranche steht 2026 unter Druck – getrieben von Rekordzubau, Boom bei den Großspeichern und einer beginnenden europäischen Industrialisierungswelle. Doch ob aus dem aktuellen Lauf ein langfristiger Erfolg wird, hängt nicht allein an Technologie und Marktdynamik. Es liegt nun an der Politik, die Weichen richtig zu stellen – sonst droht aus dem Aufbruch ein Stillstand zu werden. Die Branche jedenfalls steht bereit, das werden die Besucher in München hautnah erleben.

Die Speicherkapazität reicht rechnerisch aus, um den durchschnittlichen privaten Stromverbrauch von drei Millionen Privathaushalten zu decken.

Foto: BSW Solar

Die Speicherkapazität reicht rechnerisch aus, um den durchschnittlichen privaten Stromverbrauch von drei Millionen Privathaushalten zu decken.

Batteriemonitor Swissolar

Heimspeicher mit 1,5 Gigawattstunden installiert

Der Schweizer Markt für Batteriespeicher legt deutlich zu. Das zeigt der Batteriemonitor 2026 von Swissolar. Sinkende Preise, neue Tarifmodelle und veränderte Vergütungsstrukturen machen Speicher zunehmend wirtschaftlich. 2025 waren rund 1,5 Gigawattstunden Speicherkapazität hinter dem Zähler im Verteilnetz installiert. Hinzu kommen mindestens 135 Megawattstunden Speicher, die vor dem Zähler installiert wurden. Bis 2030 sind nach Angaben von Swissolar 4,2 Gigawattstunden Netzspeicherkapazität geplant.

Ein 15-Kilowattstunden-Speicher kostete 2025 im Durchschnitt rund 8.800 Franken inklusive Installation, umgerechnet sind das 9.634 Euro. Treiber des Wachstums sind laut Swissolar sinkende Einspeisevergütungen, die Rückerstattung des Netznutzungsentgelts für zwischengespeicherten Strom sowie dynamische Stromtarife. Speicher, die hinter dem Zähler eingebaut wurden, dienen bislang vor allem der Eigenverbrauchsoptimierung. Künftig sollen sie durch neue Anreize auch das Netz entlasten. Speicher übernehmen Aufgaben im Engpassmanagement, können Regelenergie liefern und mit netzbildenden Wechselrichtern auch Schwarzstarthilfe leisten.

EES Europe 2026

Solarbranche erwartet Boombei Gewerbespeichern

Der europäische Batteriespeichermarkt wächst rasant. Laut Solarpower Europe legte die installierte Kapazität in der EU 2025 um 45 Prozent zu. Seit 2021 hat sich die installierte Batteriespeicherkapazität in der EU fast verzehnfacht.

Wesentlicher Treiber des jüngsten Zuwachses waren Großspeicher. Bei Gewerbespeichern verzeichnete Solarpower Europe ein Plus von 31 Prozent. Das Segment Commercial & Industrial umfasst Systeme zwischen 20 Kilowattstunden und einer Megawattstunde. Die größten Märkte sind Deutschland, die Niederlande und Italien.

Gestiegene Energiekosten und gesunkene Batteriepreise treiben das Wachstum. Seit 2010 sind die Preise um 75 Prozent gefallen. Typische Kunden sind Logistikzentren, Rechenzentren, Krankenhäuser, Supermärkte sowie Handwerks- und Landwirtschaftsbetriebe.

In der EU fehlt es laut Solarpower Europe an einheitlichen Regeln und Tarifen. In Deutschland müssen Stromlieferanten seit Januar 2025 dynamische Tarife anbieten, Netzbetreiber seit April 2025 variable Netzentgelte mit drei Tarifstufen. Die Rolle der Gewerbespeicher steht im Mittelpunkt der EES Europe 2026.