Springe zum Hauptinhalt Skip to main navigation Skip to site search

Verband für nachhaltige Agri-PV kritisiert Kosten-Studie des Thünen-Instituts

Agri-PV ist wirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvoll – selbst wenn die Kosten für den Strom aus solchen Anlagen höher sind als die aus herkömmlichen Solarparks. Darauf weist der Verband für nachhaltige Agri-PV (VnAP) hin. Er reagiert damit auf eine Untersuchung durch das Thünen-Institut für Agrartechnologie, das Thünen-Institut für Agrarökonomie und das Institut für Agrarökonomie der Universität Kiel.

Stromgestehungskosten verglichen

In ihrer Studie haben die Forscher die Stromgestehungskosten mit Agri-PV mit denen der normalen Solarparks verglichen. Das Ergebnis – kaum überraschend: Die Stromproduktion mit Systemen, die die Doppelnutzung von Flächen zulassen, vier bis 148 Prozent höher als die normaler Freiflächenanlagen. Auf dieser Basis erachten die Forscher die Kosten für den Erhalt von landwirtschaftlicher Nutzfläche als zu hoch und zweifeln explizit die Sinnhaftigkeit einer zusätzlichen Förderung für die Agri-PV an.

Die spannendsten Artikel, Grafiken und Dossiers erhalten unsere Magazin-Abonnent:innen. Sie haben noch kein Abo? Jetzt über alle Abo-Angebote informieren und Wissensvorsprung sichern.

Tatsächlich haben die Forscher die Stromgestehungskosten für die Agri-PV bei fünf bis zwölf Cent pro Kilowattstunde ermittelt. Ausreißer sind sehr kleine Anlagen mit vertikal aufgeständerten Modulen sowie sehr kleine Überdachungen von Apfelpflanzungen im Norden Deutschlands. Solche Anlagen produzieren den Strom für 14 bis 16 Cent pro Kilowattstunde. Bei 14 Cent pro Kilowattstunde liegen auch die Kosten für den Strom, der mit einer kleinen, über vier Meter hoch aufgeständerten Anlage im hohen Norden produziert wird.

Stromkosten geringer als mit Fossilen

Der VnAP kritisiert nicht die Ergebnisse zu den Kosten, die nicht neu sind – dazu verweisen die Autoren sogar selbst auf zwei Studien des Fraunhofer ISE, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Vielmehr widerspricht der Verband der pauschalen Einordnung: „Die Schlussfolgerungen greifen zu kurz, da sie zentrale Systemvorteile und die Dynamik des jungen Marktes nicht berücksichtigen“, lautet die Kritik.

Solartechnik für Landwirte – alles Wichtige zu Technik und Regeln im Spezial

Denn mit fünf bis zwölf Cent pro Kilowattstunde liegt der Strom aus Agri-PV durchaus im Bereich, wie er auch mit anderen Ökostromanlagen erzeugt wird. Außerdem liegen diese Preise deutlich unter denen fossiler Kraftwerke. „Die Spannbreite der Kosten, die das Thünen-Institut aufzeigt, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in die Analyse insbesondere auch Forschungsanlagen und hochspezialisierte Systeme für Sonderkulturen einfließen – Anlagen, die aufgrund kleiner Stückzahlen naturgemäß höhere Kosten aufweisen“, lautet der zentrale Kritikpunkt. Der Verband betont, dass kostengünstige Systemtypen wie vertikal aufgeständerte Anlagen oder Tracking-Systeme bereits heute wirtschaftlich betrieben werden können.

Solarmodule statt Folien lassen die Landwirte auch bei heftigem Wetter ruhiger schlafen.

Bernd Schumacher

Solarmodule statt Folien lassen die Landwirte auch bei heftigem Wetter ruhiger schlafen.

Vorteile für die Landwirtschaft

Ein zweiter zentraler Kritikpunkt ist, dass die Forscher ausschließlich die Kosten betrachten und nicht den Gewinn der Agri-PV für die Landwirte in Zeiten des Klimawandels. Verschattung, Hagelschutz und geringere Verdunstung stabilisieren Erträge und reduzieren Risiken für landwirtschaftliche Betriebe, umreißt der VnAP einige dieser Vorteile für die Landwirtschaft. Die Verbandsvertreter betonen, dass die Agri-PV nicht banal auf Stromgestehungskosten reduziert werden dürfe. Schließlich löse diese Technologie gleich mehrere zentrale Herausforderungen – von Flächenkonkurrenz über Klimaanpassung bis hin zur Akzeptanz der Energiewende.

Flächen effizient nutzen

Zu den Mehrwerten, die in der Studie nicht berücksichtigt werden, zählt unter anderem die Flächeneffizienz. Diese beziffern die Autoren der Studie eingangs zwar selbst mit einer Steigerung auf bis zu 197 Prozent, weil Energie und Lebensmittel auf derselben Fläche produziert werden. Doch im Verlauf ihrer weiteren Betrachtung geht diese auch nur in einer einfachen Kostenanalyse ein – als Kosten für den Flächenverlust. Genau diese Vermeidungskosten sind den Autoren aber zu hoch, um damit eine Förderung der Agri-PV zu rechtfertigen. Der VnAP verweist hingegen darauf, dass jeden Tag durchschnittlich 55 Hektar Fläche versiegelt werden. Damit hat die Agri-PV einen entscheidenden Vorteil gegenüber den herkömmlichen Solarparks.

Mobiles Solarsystem schützt junge Reben

Regionale Wertschöpfung einbeziehen

Auch die regionale Wertschöpfung kommt in der Analyse des Thünen-Instituts zu kurz. Schließlich können die Landwirte so nicht nur ihre Kulturen vor extremer Hitze, verschobenen Vegetationsperioden mit Spätfrost oder extremen Wetterereignissen schützen. Sie können sich auch direkt an der Energiewende beteiligen und eine zweite Einkommensquelle erschließen.

Hybrid aus Agri-PV, Windkraft und Speicher nimmt Betrieb auf

Vorteile fürs Stromsystem

Der Verband verweist auch auf die Vorteile für das Stromsystem. Denn die meisten Agri-PV-Anlagen werden entweder in Ost-West-Richtung aufgeständert oder dem Lauf der Sonne nachgeführt. Dadurch erzeugen die Systeme Strom in nachfragestarken Zeiten und entlasten das Netz, argumentieren die Experten vom VnAP. Diese Nutzen seien gesellschaftlich relevant, würden aber in klassischen Berechnungen der Stromgestehungskosten nicht abgebildet.

Tracking-Systeme und vertikal aufgeständerte Anlagen haben ein systemverträglicheres Erzeugungsprofil.

Velka Botička

Tracking-Systeme und vertikal aufgeständerte Anlagen haben ein systemverträglicheres Erzeugungsprofil.

Mehrkosten sind gering

Deshalb sind auch die Mehrkosten, die durch die Agri-PV im EEG-System tatsächlich entstehen, bei einer Gesamtbetrachtung gering. Der VnAP beziffert diese auf rund 89 Millionen Euro auf Basis des Ausschreibungsvolumens für Agri-PV-Anlagen, das im Solarpaket vom April 2025 festgelegt wurde. Dieses Ausschreibungsvolumen ist aber von der EU-Kommission aufgrund der Untätigkeit im Bundeswirtschaftsministerium nicht freigegeben, sodass die Agri-PV weiterhin mit einem geringeren Bonus von 0,5 Cent pro Kilowattstunde bedacht wird. Dadurch sinken die Mehrkosten für die EEG-Bilanz noch geringer.

Systeme werden günstiger

Doch auch wenn das Ausschreibungsvolumen vollständig freigegeben würde und komplett an die Agri-PV ginge – diese Anlagen konkurrieren gegen schwimmende Solargeneratoren und solare Parkplatzüberdachungen – lägen die jährlichen Mehrkosten bei mageren 0,4 Prozent des EEG-Budgets, wie der VnAP ausgerechnet hat. Damit werde die Agri-PV nicht zu einer teuren Nische. Vielmehr ist sie eine strategisch wichtige Zukunftstechnologie, lautet die Einschätzung des VnAP. Die Technologie ist wirtschaftlich – und sie wird durch den weiteren Markthochlauf noch günstiger werden. „Wer Agri-PV aufgrund einer rein technischen Kostenbetrachtung ausbremst, gefährdet eine zentrale Lösung für Flächenschonung, Klimaanpassung und eine erfolgreiche Energiewende“, schreibt der Verband in einer Stellungnahme zur Studie des Thünen-Instituts.