Springe zum Hauptinhalt Skip to main navigation Skip to site search

Solare Gemeinschaftsanlagen: Verbände fordern mehr Druck auf Netzbetreiber

Nur ein Bruchteil der Verteilnetzbetreiber ist bisher in der Lage oder willens, die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) mit Solaranlagen zu ermöglichen, wie eine Umfrage durch das 1000 GW Institut ergeben hat. Gesetzlich ist aber die Möglichkeit solcher Projekte verankert. Deshalb appellieren verschiedene Verbände in einem offenen Brief an die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde, die bestehenden Vollzugsdefizite zügig zu beheben.

Den offenen Brief haben neben dem Bündnis Bürgerenergie (BBEn) auch der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE), die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das Netzwerk Energiewende Jetzt und Germanwatch unterzeichnet.

Die spannendsten Artikel, Grafiken und Dossiers erhalten unsere Magazin-Abonnent:innen. Sie haben noch kein Abo? Jetzt über alle Abo-Angebote informieren und Wissensvorsprung sichern.

Beschwerdestelle einrichten und Netzbetreiber ansprechen

Um die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben sicherzustellen, fordern die Verbände unter anderem die Veröffentlichung verständlicher FAQ zu Pflichten von Verteilnetzbetreibern und grundzuständigen Messstellenbetreibern sowie zu Rechtsansprüchen und Beschwerdewegen. Außerdem fordern sie die Bundesnetzagentur zu einer proaktiven Ansprache der Netzbetreiber über ihre gesetzlichen Pflichten auf. Dies sollte mit einer Stichprobenprüfung der Umsetzungsfähigkeit binnen sechs Monaten verbunden sein. Zusätzlich müsse ein Mängelmelder für die Vor-Ort-Versorgung eingerichtet werden. Dies kann nach dem Vorbild des Meldesystems für Postbeschwerden geschehen.

Vorreiter belohnen

Die Verbände schlagen zusätzlich noch ein Anreizsystem für vorbildliche Umsetzung im Rahmen der Anreizregulierung vor. „Denn die gute Nachricht ist: Einige Verteilnetzbetreiber zeigen, dass praktikable und kundenfreundliche Lösungen für die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung heute schon möglich sind“, sagt Harald Uphoff, Vorstand Politik beim BBEn. „Diese Vorreiter beweisen, dass es geht. Leider sind sie bislang die seltene Ausnahme. Jetzt kommt es darauf an, dass aus einzelnen Leuchttürmen ein bundesweiter Standard wird“, betont er mit Blick auf die Verbändeforderungen.

Gemeinschaftsanlage im Mehrfamilienhaus bisher meist Fehlanzeige

Unklare Prozesse verhindern Projekte

Denn die Hürden liegen eigentlich gar nicht so hoch. Die Untersuchung hat gezeigt, dass fehlende oder unklare Prozesse bei vielen Verteilnetzbetreibern das zentrale Hindernis für die Umsetzung von GGV-Projekten sind. Rund 60 Prozent der Befragten nennen Probleme mit dem zuständigen Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber als größte Herausforderung – etwa wegen fehlender Zuständigkeiten, mangelnder Verbindlichkeit in der Kommunikation oder dem Hinweis auf nicht angepasste IT-Systeme.

Potenzial von 60 Gigawatt heben

Doch das lassen die Verbände nicht gelten. „Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung und der günstige virtuelle Summenzähler sind gesetzlich vorgeschrieben, ihre Umsetzung für Netzbetreiber eine Pflicht: Kommt eine Anfrage dazu, hat der Netzbetreiber diese möglich zu machen. Tut er es nicht, muss es einen Beschwerdeweg geben“, sagt Flavia Röhrs, Referentin für dezentrale Erzeugung beim BNE. Peter Eckert, Geschäftsführer der DGS, ergänzt: „Die Dächer von Mehrfamilienhäusern bieten mit 60 Gigawatt ein enormes Potenzial für die Solarenergienutzung. Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung eröffnet Millionen Menschen erstmals einen fairen Zugang zu lokal erzeugtem Solarstrom – dieses Potenzial muss jetzt in die Breite gebracht werden.“

Energiepreisbremse vom Flachdach – unser Spezial zur Photovoltaik im Gewerbe

Gesetzliche Vorgaben gelten überall

Für Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, ist die GGV der Weg, dass die Energiewende endlich auch bei Mieter:innen ankommt. „Solarstrom vom Dach eines Mehrfamilienhauses darf nicht an fehlenden Prozessen oder mangelndem Willen einzelner Netzbetreiber scheitern“, fordert sie. „Die Bundesnetzagentur muss jetzt klarstellen: Gesetzliche Vorgaben gelten überall – und sie müssen konsequent durchgesetzt werden.“

Verteilnetze fit machen

Schließlich bergen solche Vor-Ort-Versorgungsmodelle wie die GGV enormes Potenzial für den Ausbau der Erneuerbaren und die gesellschaftliche Teilhabe, wie Henri Schmitz, Referent für Energiepolitik und Gesellschaft bei Germanwatch, betont. „Daher braucht es zusätzliche Maßnahmen, um die Verteilnetze fit zu machen für die praktische Umsetzung“, betont er.

Mit ihrem offenen Brief verbinden die unterzeichnenden Verbände und Organisationen eine Einladung an die Bundesnetzagentur zu einem zeitnahen Austausch über die Ergebnisse der Untersuchung und die notwendigen regulatorischen Schritte.