Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Die Module, vorrangig für die Freiflächenmontage, werden größer und gleichzeitig bekommen sie dünnere Rahmen. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung in der Praxis um?
Eric Herrmann: Wir setzen unter anderem Klemmen ein, die die Maximallänge haben, die der Modulhersteller gemäß seiner Montageanleitung zulässt. Denn mit einer möglichst langen Klemme im zulässigen Bereich hat man eine möglichst große Auflagefläche auf dem Modulrahmen. Teilweise setzen wir auch Einschubsysteme ein, die das Modul an der kompletten Seite befestigen. Aber auch das hat seine Tücken. Diese Einschubsysteme müssen sehr genau montiert sein.
Warum?
Wenn die Abstände der Einschubschienen nicht exakt passen, kann ein Modul auch nach unten herausfallen. Das ist also nicht nur positiv, sondern mit einer hohen Anforderung an die Montagequalität verbunden. Zudem setzen wir Lieferanten ein, die ein gewisses Volumen an Anlagen beliefern und eine entsprechende Erfahrung mitbringen. Außerdem ist eine enge Überwachung der Montagequalität unabdingbar.
Wie engmaschig überwachen Sie die Arbeit auf der Baustelle?
Die Unterkonstruktion allgemein ist die Komponente, welche die Verbindung zwischen Modul und Untergrund herstellt. Deshalb muss die Montagequalität entsprechend hoch sein. Dies gilt aber natürlich auch für die weiteren Gewerke, die beim Bau unserer Photovoltaikanlagen involviert sind. Deshalb müssen die Monteure entsprechend eingewiesen werden. Mit Blick auf die Klemmung bedeutet dies, in welchen Toleranzen sie arbeiten dürfen. Die engmaschige Überwachung hat bei uns in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Vor allem, weil größere Module weniger Toleranzen erlauben. Für uns ist auch vor Abnahme des Gewerks eine eingehende Qualitätskontrolle inklusive Prüfung der Drehmomente unabdingbar.
Was kontrollieren Sie da?
Da geht es nicht nur darum, ob das minimale Drehmoment erreicht wurde, sondern wir müssen auch sicherstellen, dass das maximale Drehmoment nicht überschritten wurde. Schließlich kann es auch da zu Problemen kommen, wenn Verbindungen überdreht wurden. Denn sobald der Monteur das maximale Drehmoment überschreitet, kann das Gewinde der Schraube oder der Mutter beschädigt und sogar zerstört werden. Dann ist die Steifigkeit dieser Verbindung nicht mehr gegeben.
Eric Hermann von IBC Solar: „Größere Module erlauben weniger Toleranzen“
Wie stellen Sie sicher, dass die Bautrupps auch eingewiesen sind?
Wir setzen auf ein bestehendes Netzwerk an Installationsunternehmen. Mit diesen arbeiten wir teilweise schon seit zehn oder 15 Jahren zusammen. Diese Firmen wissen genau, was bei der Montage wichtig ist und dass wir die Ausführung engmaschig kontrollieren. Die wissen auch, dass es nicht sinnvoll ist, mit einer niedrigen Montagequalität Geschwindigkeit aufzubauen, weil sie am Ende alles nacharbeiten müssen. Denn sobald wir eine Stichprobe machen und diese ist schlecht, müssen die Monteure einmal komplett alle Verbindungen der Anlage noch einmal nachprüfen. Natürlich kommen auch neue Firmen dazu. Diese begleiten wir enger bei der Einarbeitung. Aber das Prinzip bleibt: Qualität geht vor Geschwindigkeit.
Im Freiflächenbau herrscht enormer Zeitdruck. Wie verhindern Sie, dass die Geschwindigkeit auf Kosten der Qualität geht?
Das ist immer ein Thema. Doch wir haben eine gewisse Anforderung an uns selbst und eine entsprechende Erwartung. Unsere Anforderungen sind natürlich mit einem gewissen Aufwand verbunden, was dazu führt, dass wir auch nicht diejenigen sind, die immer den niedrigsten Preis anbieten. Wenn allein der Preis im Fokus stehen würde, könnten wir genau diese Qualitätsstandards nicht mehr einhalten.
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Es gibt aber nicht nur neue Installationsfirmen, die Sie einarbeiten. Auch viele Hersteller von Montagesystemen steigen gerade vom Dachgeschäft in die Freifläche ein. Was unterschätzen die Neulinge?
Auf dem Dach ist so gut wie alles Aluminium, in der Freifläche ist so gut wie alles Stahl. Das ist ein ganz anderes Materialverhalten, Temperaturverhalten und so weiter. Dazu kommt das Thema Korrosion, das in der Freifläche in einer ganz anderen Art und Weise relevant ist als auf dem Dach. Und natürlich die Modulgrößen. Auch wenn die Normen von zwei auf drei Quadratmeter Modulfläche erweitert wurden, sind die sehr großen Module im Dachbereich gerade in unseren Schneelastzonen noch eine Ausnahme. In der Freifläche ist das Alltag.
Werden dort die Module und damit die Herausforderungen für die Montagesysteme noch größer?
Das bestimmende Maß ist am Ende das 40-Fuß-High-Cube-Maß eines Seecontainers. Dieser muss maximal ausgenutzt werden. Das ist auch einer der Gründe, warum die Module immer größer geworden sind: Gerade in der Coronazeit, als Seefrachten extrem teuer wurden, ging der Trend los, weil man dadurch noch ein wenig mehr Leistung in den Container bekommen hat. Inzwischen sind die Hersteller relativ nah an dieser Maximalauslastung angekommen. Deswegen gehe ich davon aus, dass wir an einem Punkt angekommen sind, wo wir nicht mehr deutlich größere Module sehen werden.
Das Interview führte Sven Ullrich.