Sechs bayerische Baudenkmäler und ihre Bauherrschaften wurden am 17. September 2026 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis 2026 ausgezeichnet. Den seit 2008 im zweijährigen Turnus ausgelobten Preis hat die Bayerische Ingenieurekammer-Bau (Bayika) gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege somit zum zehnten Mal initiiert.
Insgesamt 59 Bauwerke aus ganz Bayern wurden der Jury zur Prüfung vorgelegt. Der Wettbewerb würdigt das vorbildliche Engagement öffentlicher und privater Bauherrschaften sowie die herausragenden Leistungen der beteiligten Ingenieurinnen und Ingenieure für den Erhalt prägender Gebäude, Ensembles und historischer Plätze in Bayern. Zu den prämierten Projekten gehören nicht nur Gebäude, sondern auch eine Schlossbrücke, historische Personenaufzüge und ein internationales Mahnmal. Den Preis überreichte Bayika-Präsident Norbert Gebbeken gemeinsam mit dem Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann.
Sieger bei den öffentlichen Bauwerken sind die Bronzeplastik Internationales Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Dachau (unten), die Shedhalle des Städtischen Berufsschulzentrums für das Bau- und Kunsthandwerk in München und die Pfarrkirche Zwölf Apostel in Augsburg (beide oben rechts). Bei den privaten Denkmälern wurden die Brücke des Schlosses Greifenberg (Mitte rechts), die Restaurierung und Wiederinbetriebnahme zweier historischer Personenaufzüge in München und das Hudlerhaus in Moosburg (unten rechts) gekürt. si
Kategorie Öffentliche Bauwerke
Bronzeplastik der KZ-Gedenkstätte Dachau (Gold)
Der Restaurierung des Mahnmals gingen eine umfangreiche Analyse und Kategorisierung der Risse voran. Darauf aufbauend erfolgte ein rechnerisches Modell mit genauer Betrachtung der unterschiedlichen Lastwege. Für die Instandsetzung wurden nicht nur umfangreiche Berechnungen angestellt, sondern es erfolgten auch genaue Betrachtungen zur Verträglichkeit der Materialien. Additive Elemente wurden dabei so eingeplant, dass sie später nicht mehr sichtbar sind. Durch die äußerst sensible Herangehensweise ist es gelungen, das geschichtsträchtige Denkmal für die Nachwelt zu erhalten.
Bild: Kayser Boettges
Shedhalle des Städtischen Berufsschulzentrums für das Bau- und Kunsthandwerk München (Silber)
Mithilfe von Carbonfasern konnte die Tragfähigkeit des Schalentragwerks mit einem nur geringen zusätzlichen Gewicht gesichert werden. Eine spezielle Sensortechnik soll gewährleisten, dass die Schalen der gering beheizten Hallen frostfrei bleiben. Die Instandsetzung zeigt, wie filigrane Stahlbetonkonstruktionen der Nachkriegsmoderne mit modernen Ingenieurmethoden und einer zeitgemäßen Nutzung miteinander verbunden und bewahrt werden können.
Bild: Stefan Mueller-Naumann
Pfarrkirche Zwölf Apostel, Augsburg (Bronze)
Im Zuge der Bestandsaufnahme wurde das Potenzial des Deckenhohlraums bei dem Sakralbau erkannt. Das Tragwerkskonzept ergänzt die geschädigten Hohlkastenbinder seitlich durch ein Holzfachwerk-Subsidiärtragwerk, das die Dachhöhe ausnutzt und kraftschlüssig angeschlossen wird. Alle Dachlasten werden dabei dem neuen Tragwerk zugeordnet. So konnte die Originalkonstruktion ohne aufwendige Dachöffnungen, Gerüste sowie Schutzdächer erhalten werden.
Bild: Mittnacht Kehl
Kategorie Private Bauwerke
Sanierung und Instandsetzung der Brücke von Schloss Greifenberg (Gold)
Die Bögen der bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Bausubstanz der Greifenberger Schlossbrücke wurden abgestützt, Geländer, Belag und Abdichtung entfernt und schadhafte Stellen gereinigt. Anschließend erfolgte die Reprofilierung der geschädigten Betonbögen. Darauf wurde eine 20 cm dicke Ortbeton-Gehwegplatte mit nichtrostender Bewehrung aufgebracht, die als Belag sowie Verschleiß- und Schutzschicht dient. Die Platte ermöglichte eine schonende Lastverteilung auf die Stampfbetonkonstruktion. Durch den nahezu vollständigen Erhalt der eigentlichen Brückenkonstruktion und den Verzicht eines eigenen Fahrbahnbelags gelang hier eine besonders kreative und wirtschaftliche Instandsetzung.
Bild: Oliver Jaist
Restaurierung und Wiederinbetriebnahme zweier historischer Personenaufzüge in München (Silber)
Die Wiederinbetriebnahme der beiden historischen Aufzüge nach Jahrzehnten ist deutschlandweit einmalig. Die detaillierte Bestandsaufnahme, Archivrecherche und eine Bewertung von Sicherheitsbauteilen und Funktionszusammenhängen der historischen Steuerungen ermöglichten ein abgestimmtes Restaurierungskonzept. Nur irreparable Teile wurden unter Anwendung historischer Techniken – wie zum Beispiel Metallverguss der Seile – erneuert. Die Aufzüge präsentieren sich in musealer Qualität und sind dennoch alltagstauglich und sicher. Die robuste 1920er-Technik ist langfristig reparierbar und verbraucht nur ein Drittel der Energie moderner Anlagen – ein nachhaltiges historisches Vorbild.
Bild: Robin Augenstein
Hudlerhaus in Moosburg (Bronze)
Beim Hudlerhaus in Moosburg lagen auf jeder Ebene unterschiedliche statisch konstruktive Probleme vor, die allesamt gelöst werden konnten. Bemerkenswert ist die Verbesserung der Gründung mit Mikropfählen in Verbindung mit einer tragenden Bodenplatte. Diese bindet zahnartig in die Wände ein und überträgt deren Lasten auf die Pfähle. Beim stark geneigten Westgiebel erfolgte die Stabilisierung und Instandsetzung durch ein räumliches Faltwerk aus Holzwerkstoffplatten, das die Horizontallasten letztendlich in die Außenwände ableitet. Generell wurden die Eingriffe in den Bestand auf das Nötigste reduziert, was die Instandsetzung nicht nur wirtschaftlich machte, sondern auch denkmalgerecht.
Bild: Johanna Borde